Stichwahl zwischen Schuster (CDU) und Rutenkröger (SPD) – Linke und AfD auch im Rat
In Bünde geht’s in die Verlängerung

Bünde (WB). Wer neuer Chef im Bünder Rathaus wird, entscheidet sich erst in zwei Wochen: CDU-Bürgermeisterkandidat Martin Schuster und SPD-Bewerberin Susanne Rutenkröger machen am Sonntag, 27. September, den Sieger unter sich aus.

Montag, 14.09.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 14.09.2020, 10:34 Uhr
Susanne Rutenkröger (SPD) und Martin Schuster müssen sich am 27. September noch einmal dem Votum der Bünder Wähler stellen. Dann treten die beiden Lokalpolitiker erneut an, um den Chefsessel im Rathaus zu erobern. Foto: Daniel Salmon
Susanne Rutenkröger (SPD) und Martin Schuster müssen sich am 27. September noch einmal dem Votum der Bünder Wähler stellen. Dann treten die beiden Lokalpolitiker erneut an, um den Chefsessel im Rathaus zu erobern. Foto: Daniel Salmon

Während in den übrigen Kommunen im Kreis Herford die vorläufigen Endergebnisse der Rats- und Bürgermeisterwahlen schon vorliegen, wird in Bünde am Sonntagabend noch fleißig ausgezählt. Etwa 150 Lokalpolitiker, ihre Familien und sonstige Interessierte verfolgen im Stadtgarten, wie nach und nach die Ergebnisse der einzelnen Stimmbezirke an die Wand geworfen und von Moderator Max Moldehn, sonst als Stadionsprecher für den Fußball-Regionalligisten SV Rödinghausen tätig, vorgelesen werden. Bis auf den parteilosen Bewerber Marc Höcker, der immerhin 5,2 Prozent der Wähler für sich begeistern konnte, sind auch alle Bürgermeisterkandidaten unter den Anwesenden.

Grünen-Kandidatin enttäuscht

Fest steht schnell: Zwischen Schuster und Rutenkröger kommt es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende liegt der CDU-Mann, der auch von der FDP unterstützt wurde, mit 37,88 Prozent der Wählerstimmen nur hauchdünn vor der Sozialdemokratin (rund 36,98 Prozent). „So ein knappes Ergebnis war zu erwarten. Ich habe schon erwartet, dass es zu einem richtigen Wahlkrimi kommt“, sagt Martin Schuster. „Für mich war klar, dass der Wahlkampf bis zum 27. September geht. Für mich steht fest: Ich will die zweite Runde gewinnen. Ich und mein Team haben noch einiges im Köcher und wir wollen einen Neustart für Bünde“, gibt sich SPD-Frau Rutenkröger schon am Wahlabend kampflustig.

Während UWG-Bürgermeister-Kandidat Norbert Darnauer mit seinem Stimmenergebnis von knapp 6,2 Prozent zufrieden ist („Vor allem mein Ergebnis in Ahle freut mich.“), macht Stefanie Janßen-Rickmann (13,8 Prozent), die ihren Hut für die Grünen in den Ring geworfen hat, aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. „Ich hatte mir wirklich mehr erhofft“, gibt sie zu. Immerhin: Ihre Partei konnte ihr Ergebnis bei der Ratswahl auf 17,6 Prozent (2014: 12,4 Prozent) und neun Ratsmandate verbessern. „Das ist das beste Ergebnis, was wir in Bünde jemals erzielt haben”, sagt Janßen-Rickmann.

AfD zieht in den Rat ein

Große Freude herrscht auch am Tisch der Christdemokraten. Und das obwohl sie im Vergleich zur Ratswahl 2014 (38,3 Prozent) doch deutlich schlechter abschneiden. Dank 31,3 Prozent der Wählerstimmen stellt die CDU im künftigen Rat nun mit 15 Ratsleuten wieder die stärkste Fraktion. Vor allem Noch-Bürgermeister Wolfgang Koch ist kaum zu halten, als seine Partei ein Direktmandat nach dem anderen einheimst und auch sein Sitznachbar Horst Wibbeler seinen Wahlkreis direkt holt.

In wirklicher Feierstimmung ist die Bünder SPD hingegen nicht. Konnten die Genossen vor sechs Jahren noch ein Stimmenergebnis von 37,8 Prozent einfahren, müssen sie nun herbe Verluste hinnehmen und landen am Ende bei 29,7 Prozent und 14 Ratsleuten. „Aber wir freuen uns über das tolle Ergebnis von Landrat Jürgen Müller“, kommentiert Susanne Rutenkröger.

Bei der UWG machen am Sonntag 6,4 Prozent (2014: 6,5 Prozent) der Wähler ihr Kreuz auf dem Stimmzettel. Die FDP liegt bei 4,7 Prozent (2014: 5 Prozent) und entsendet weiterhin zwei Mandatsträger. Neu im Stadtrat ist die AfD, für die knapp 6,1 Prozent der Wähler gestimmt haben und die somit – wie die UWG – drei Ratssitze erhält. Die Linken kommen auf 3,6 Prozent und dürfen im von 40 auf 48 Sitze aufgestockten neuen Bünder Stadtparlament wohl zwei Mitglieder stellen.

Kommentar von Daniel Salmon

Dass am Sonntagabend in Bünde noch nicht der Nachfolger von Amtsinhaber Wolfgang Koch gefunden wurde, dürfte wohl niemanden wirklich überrascht haben. Mit Martin Schuster und Susanne Rutenkröger treten am 27. September auch die beiden Bürgermeisterkandidaten an, die die meisten Beobachter für eine Stichwahl auf dem Zettel hatten. Überraschend ist dennoch, das schlechte Abschneiden von Grünen-Bewerberin Stefanie Janßen-Rickmann. Trotz eines engagierten Wahlkampfes konnte die Fraktionschefin nicht einmal 14 Prozent der Wähler davon überzeugen, dass sie als Bürgermeisterin die beste Wahl für Bünde ist. Aber vielleicht könnte sie doch noch eine entscheidende Rolle spielen, wenn es in zwei Wochen noch mal an die Wahlurne geht: Eine Wahlempfehlung der Grünen könnte für Schuster oder Rutenkrüger am Ende Gold wert sein.

Fest steht: Wer auch immer am Ende das Rennen macht, muss sich im neuen Stadtparlament auf eine schwierige Suche nach möglichen Mehrheiten für seine Ideen machen. Mit der AfD und den Linken sind zwei neue Parteien in den Rat eingezogen – und bei wichtigen Entscheidungen dürften die erstarkten Grünen auch nun ein größeres Wörtchen mitreden wollen.

 

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