Stadttaubenschlag kann bezogen werden – Tanja Bültermann kämpfte zwei Jahre dafür
Einflugschneise frei!

Bünde (WB). Schon seit ihrer Kindheit hat sie ein Herz für Tauben – und heute ganz besonders eins für Stadttauben. Tanja Bültermann hat zwei Jahre lang für einen Stadttaubenschlag gekämpft. Vor ein paar Tagen dann war endlich alles vorbereitet und die ersten Tiere konnten in den ausgebauten Dachboden über der Karlchens Backstube in der Eschstraße einziehen.

Samstag, 26.09.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 26.09.2020, 05:50 Uhr
Die ersten Tauben – es sind Locktiere – sind schon in den Stadttaubenschlag in der Eschstraße in Bünde eingezogen. Sie fühlen sich sichtlich wohl dort – mit ausreichend Futter und Wasser. Foto:
Die ersten Tauben – es sind Locktiere – sind schon in den Stadttaubenschlag in der Eschstraße in Bünde eingezogen. Sie fühlen sich sichtlich wohl dort – mit ausreichend Futter und Wasser.

„Unser Ziel ist es, dass die Tauben weitestgehend aus der Innenstadt weichen und sich die meiste Zeit in ihrem Schlag aufhalten“, erklärt Tanja Bültermann, die schon als kleines Mädchen bei ihrem Großvater immer gerne mit im Taubenschlag war. Immer wieder beklagten sich Bürger und Ladeninhaber über den Taubenkot oder darüber, dass die Tiere bei der Nahrungssuche bis in die Geschäfte kamen. „Die Tauben sind sehr ortstreu und werden die meiste Zeit des Tages künftig in ihrem Schlag verbringen, da sie dort ausreichend Nahrung finden. Satte Tiere sind kaum in der City unterwegs“, erklärt die 34-Jährige. Die Tauben werden auf dem Dachboden nicht nur gefüttert. Brüten sie dort, werden ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht, damit sie sich nicht weiter vermehren.

Tauben sind sehr ortstreu

Möglich gemacht hatte das Projekt vor allem Ferdinand Zimner, dem das Gebäude am Ende der Fußgängerzone gehört. Er hat den unausgebauten Dachboden kostenlos für das Projekt zur Verfügung gestellt. „Er sagte zu mir: Es kann ja nur besser werden“, erzählt Bültermann. Doch warum sollte der Schlag ausgerechnet an dieser Stelle entstehen? „Tauben sind sehr ortstreu. Daher musste die neue Unterkunft zu ihnen kommen und nicht die Tiere dorthin“, erklärt die Expertin.

Tanja Bültermann kümmert sich um die Stadttauben. Schon von Kind an – ihr Großvater züchtete Tauben– hatte sie mit den Tieren zu tun und daher auch ein Herz für die Vögel in der Stadt.

Tanja Bültermann kümmert sich um die Stadttauben. Schon von Kind an – ihr Großvater züchtete Tauben– hatte sie mit den Tieren zu tun und daher auch ein Herz für die Vögel in der Stadt.

Aktuell bewohnen zunächst einige Locktauben den Dachboden. Das sind Tiere, die Bültermann aufgepäppelt hatte und die noch nicht wieder freigelassen worden waren. Sie sind derzeit in einem Teil des neuen Zuhauses eingesperrt. Die andere Hälfte des Bodens ist für Neuankömmlinge zugänglich. „Bisher hat sich noch keine Taube reingetraut, aber sie sitzen schon auf dem Einflugbrett“, sagt Bültermann, die optimistisch ist, dass die ersten Tiere es wohl bald wagen werden.

Eier werden ausgetauscht

„Wir werden die Menge an Taubenkot und die ausgetauschten Eier genau dokumentieren. Außerdem planen wir, eine Kamera zu installieren, damit wir prüfen können, wie der Taubenschlag genutzt wird“, sagt die tiermedizinische Fachangestellte, die auch Ansprechpartnerin ist, wenn es um kranke oder verletzte Tauben in der Innenstadt geht.

Mit ihrem Mann und einem Freund hat die Bünderin die Arbeit angepackt: Der Spitzboden wurde gedämmt, Bodenplaten verlegt, Nistkästen maßgenau gebaut, Balken verkleidet, eine Einflugschneise gebaut und das Treppengeländer gesichert. Unterstützung gab es mit 3000 Euro von der Sparkasse und mit 700 Euro von der Aktion Weihnachtsbaumschmucking von Reinhard Rokitta.

Erneuter Bürgerantrag

„Die Stadt hat sich bisher nicht am Projekt beteiligt. Ich werde nach der Wahl allerdings erneut einen Bürgerantrag stellen“, sagt Bültermann, die sich rein ehrenamtlich für die Stadttauben einsetzt. Sie wünsche sich, dass die Stadt sie mit einer Mülltonne für den Kot unterstützt und sich an den Futterkosten beteiligt. Warum steckt die Bünderin so viel Herzblut in das Projekt? „Die Stadttauben haben keine Lobby, oft fallen sie sogar beim Tierschutz durch. Außerdem kann ich es grundsätzlich nicht gut haben, wenn Tiere leiden müssen“, sagt Tanja Bültermann.

Voliere für kranke Tiere

Zu Hause hat sie eine Voliere, in der körperlich beeinträchtigte Tiere leben, die nicht mehr in Freiheit bestehen können. Wenn sie sagt, dass sie sich um verletzte Tiere kümmert, dann meint sie ausschließlich Stadt- und nicht die Wildtauben. „Einiges kann ich als tiermedizinische Fachangestellte selber, aber ich fahre auch mit den Tauben zu einem speziellen Tierarzt im Raum Osnabrück“, erklärt sie.

Wer das Projekt unterstützen möchte, sich selber engagieren will oder eine verletzte Taube gefunden hat, der kann sich an Tanja Bültermann wenden unter stadttaubenhilfebuende@gmail.com oder 0176/50569244. „Da wir ehrenamtlich arbeiten, sind wir nicht immer sofort erreichbar. Dann ist der Tierschutzverein der richtige Ansprechpartner“, so die Taubenfreundin.

Kommentar

So viel Durchhaltevermögen muss man erst einmal aufbringen! Zwei Jahre hat Tanja Bültermann für einen Stadttaubenschlag gekämpft und dabei nicht nur Unterstützung erfahren. Dank geht an alle die, die dieses Projekt gefördert haben. Denn geht der Plan auf, wird sich die Zahl der Tauben in der Innenstadt reduzieren und damit auch der Kot, der für ordentlich Verschmutzungen sorgt. Ein Gewinn für die Allgemeinheit. Gleichzeitig müssen die Tiere weniger leiden, weniger krampfhaft nach Futter suchen. Dies haben sie zuletzt immer wieder auch in den Geschäften versucht.

Mit diesem Projekt ist Bünde nun ein Vorreiter im Kreis. Auch in Herford gibt es eine Gruppierung, die einen Taubenschlag initiieren will. Bleibt zu wünschen, dass es dort schneller geht.

 

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