SPD-Frau in 17 von 20 Wahlbezirken vorn – Martin Schuster lässt politische Zukunft offen
Susanne Rutenkröger siegt bei Stichwahl

Bünde (WB). Wie der Vater so die Tochter: Ex-Bürgermeister Siegfried Hagemann ist einer der ersten, der Susanne Rutenkröger am Stichwahlabend gratuliert. Die Sozialdemokratin hat es geschafft. 54,9 Prozent der Wähler wollen sie als neues Bünder Stadtoberhaupt.

Sonntag, 27.09.2020, 21:48 Uhr aktualisiert: 27.09.2020, 21:50 Uhr
Susanne Rutenkröger schreibt die Familiengeschichte fort und übernimmt für die SPD wie einst ihr Vater Siegfried Hagemann das Bürgermeisteramt in Bünde. Foto: Daniela Dembert
Susanne Rutenkröger schreibt die Familiengeschichte fort und übernimmt für die SPD wie einst ihr Vater Siegfried Hagemann das Bürgermeisteramt in Bünde. Foto: Daniela Dembert

Erstmals seit 1999 ist der Chefposten im Rathaus der Zigarrenstadt somit wieder in SPD-Hand. Für Martin Schuster, gemeinsamer Kandidat von CDU und FDP, ist das deutliche Ergebnis eine herbe Enttäuschung, liegt er doch 1543 Stimmen hinter seiner Kontrahentin zurück.

Frenetischer Jubel

In der Gaststätte Erdbrügger herrscht am Wahlabend zunächst angespannte Stille, hat die Stimmauszählung doch mit einer Niederlage im ersten ausgezählten Bezirk begonnen. Der Wahlbezirk Grundschule Südlengern II geht knapp an Martin Schuster. Allerdings folgt dem Dämpfer ein Etappensieg auf den nächsten.

Auch die CDU-Hochburgen gehen – bis auf drei – eine nach der anderen an Susanne Rutenkröger. Während diese immer wieder angespannt von Raum zu Raum tigert, bessert sich die Laune der versammelten Genossen zusehends. Mit Bekanntgabe der Ergebnisse aus den beiden Holser Wahlbezirken wird der Jubel frenetischer. Schon vor Auszählungsende wird gesungen: „Oh, wie ist das schön“. Selbst die Landtagsabgeordnete Angela Lück greift vor Bekanntgabe des Endergebnisses zum Hörer und gratuliert Rutenkröger telefonisch zum neuen Amt. Später schaut auch SPD-Bundestagsmitglied Stefan Schwartze zum Anstoßen vorbei.

Vater war sicher

Ob sie den Stadtverbandsvorsitz nun abgeben werde, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, meint Bündes künftige Verwaltungschefin. „Es wird ja viele Veränderungen geben in der Fraktion und im Rat. Viele neue Gesichter werden dabei sein.“

Das Gefühl sei „einfach überwältigend“, so die 58-Jährige. „Mit einem so deutlichen Ergebnis hatte ich wirklich nicht gerechnet, es spiegelt aber den Zuspruch, den ich vor allem in den vergangenen zwei Wochen aus verschiedenen Richtungen bekommen habe, wider. Aber man lebt ja so in seiner Blase und kann sich nicht sicher sein”, sagt sie.

Einer war sich allerdings von Anfang an sicher, dass Rutenkröger gewinnt: Ihr Vater Siegfried Hagemann. „Der hat immer gesagt: Du schaffst es in die Stichwahl und die gewinnst du dann”, blickt die Wahlsiegerin zurück. „Dass ich das heute erleben kann, ist mir eine besondere Freude, auch für die gesamte Bünder SPD”, sagt Hagemann sichtlich stolz.

Ernüchterung im Universum

Bewegende Szene im Universum: Noch-Bürgermeister Wolfgang Koch (links) tröstet Martin Schuster.

Bewegende Szene im Universum: Noch-Bürgermeister Wolfgang Koch (links) tröstet Martin Schuster. Foto: Daniel Salmon

Während bei Erdbrügger der Jubel zu diesem Zeitpunkt grenzenlos scheint, macht sich im Universum Ernüchterung breit. Etwa 80 Unterstützer Schusters haben sich im altehrwürdigen Bünder Lichtspielhaus versammelt.

Bereits bevor die Ergebnisse aus den letzten beiden Wahlkreisen publik werden, betritt der unterlegene Kandidat die Bühne, wendet sich an seine Mitstreiter. „Zur Demokratie gehört das Gewinnen und Verlieren. Ich habe heute verloren“, räumt der sichtlich bewegte 38-Jährige seine Niederlage ein. Schuster gratuliert der künftigen Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger zwar, lässt in seinen Worten aber auch deutliche Kritik am Wahlkampfgebahren der Sozialdemokraten mitschwingen. „Man darf keine Versprechungen machen, die man nicht halten kann“, sagt Schuster. Vieles halte er für nicht finanzierbar.

Koch steht Schuster bei

Emotional wird es, als Noch-Bürgermeister Wolfgang Koch die Bühne betritt, den Wahlverlierer in den Arm nimmt. „Du muss hier nicht alleine stehen. Du hast einen engagierten Wahlkampf gemacht“, tröstet der Amtsinhaber seinen Parteikollegen. Auch FDP-Ortsverbandschef Martin Lohrie bedankt sich bei Schuster für dessen Einsatz.

„Das war ein eindeutiges Ergebnis, das mir gezeigt hat, dass ich es nicht geschafft habe, die Grünen-Wähler von mir zu überzeugen“, ordnet der Wahlverlierer einige Momente später das Wahlergebnis ein. Welche Schlüsse für seine weitere politische Zukunft er aus seiner Niederlage ziehen will, könne Schuster noch nicht sagen.

Kommentar von Daniel Salmon

Mit einem so klaren Ergebnis hätte wohl niemand gerechnet. In gleich 17 Bünder Wahlkreisen hatte Susanne Rutenkröger am Sonntag die Nase vorn. Bei der Ratswahl vor zwei Wochen bot sich noch ein gänzlich anderes Bild, als die CDU 15 Bezirke direkt holte. Das sorgte seinerzeit für fast grenzenlosen Jubel bei den Christdemokraten.

Eine Erklärung für den Umschwung könnte sein, dass es der SPD-Frau gelungen ist, diejenigen Bünder von sich zu überzeugen, die am 13. September ihr Kreuz noch bei Grünen-Kandidatin Stefanie Janßen-Rickmann gemacht hatten. Bei den Wählern der Ökopartei scheint das Wahlprogramm Rutenkrögers besser angekommen zu sein, als Martin Schusters Ideen für die Elsestadt.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7605638?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Rolle rückwärts beim Kreis Höxter: Corona-Einschränkungen gelten doch schon ab Montag
Von Montag an gelten verschärfte Regeln im Kreis Höxter. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker