Zu wenig Laufkundschaft: Buchhandlung öffnet letztmalig Heiligabend
Lese-Ecke vor dem Aus

Bünde  (WB). Der Bünder Innenstadt droht noch ein Leerstand: Zum Jahresende schließt in der Eschstraße ein weiteres Geschäft. Am 24. Dezember öffnet Buchhändlerin Karin Nordhorn ihre Lese-Ecke zum letzten Mal.

Samstag, 17.10.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 06:01 Uhr
Schweren Herzens muss Buchhändlerin Karin Nordhorn ihr Geschäft zum Jahresende aufgeben. Foto: Daniel Salmon
Schweren Herzens muss Buchhändlerin Karin Nordhorn ihr Geschäft zum Jahresende aufgeben. Foto: Daniel Salmon

Die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Einzelhandel hätten bei der Entscheidung aber nur eine untergeordnete Rolle gespielt, wie die 54-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung betont. Sie erklärt: „Klar war das ein Schock. Aber während des Lockdowns hatten wir einen Buch-Lieferservice angeboten, der sehr gut angenommen wurde. Viele Kunden haben uns die Treue gehalten und uns mit ihren Bestellungen durch den April gerettet.“

Ausschlaggebend für die baldige Schließung sei vielmehr der Umstand, dass immer weniger Laufkundschaft den Weg in die Bünder City antrete. „Die Besucherfrequenz in der Innenstadt hat schon seit geraumer Zeit nachgelassen.“

Diesen Negativ-Trend haben sie schon während des letzten Weihnachtsgeschäfts zu spüren bekommen. „Die Jahre vorher war das noch nicht so. Die Innenstadt hier ist aber nicht mehr so attraktiv wie früher, es gibt immer mehr leer stehende Geschäfte. Die Leute fahren lieber da hin, wo es ein gutes Angebot gibt und richtige Weihnachtsmärkte“, sagt die Geschäftsfrau. Ein großes Loch habe ihrer Aussage nach der Weggang des C&A-Modehauses gerissen, das ein Besuchermagnet für Bünde gewesen sei, von dem auch der umliegende Einzelhandel profitiert habe.

Eine weitere Entwicklung, die Nordhorn zu schaffen machte, ist die Konkurrenz aus dem Internet. Vor allem das Schulbuchgeschäft – einst ein wichtiger Umsatzposten für die Lese-Ecke – verlagere sich zusehendes zu Amazon und Co. „Immer mehr Eltern bestellen Schulbücher für ihre Kinder im Netz. Auch die Schulen selbst ordern die Materialien für den Unterricht verstärkt online. Und das, obwohl wir auch alles innerhalb von 24 Stunden besorgen und auch ausliefern können“, so Karin Nordhorn.

Auch die hohen Mietkosten für ihren Laden – immerhin eine sogenannte 1a-Lage – hätten ihr mehr und mehr Sorgen bereitet. Wie hoch diese sind, mag die 54-Jährige zwar nicht verraten. Aber auf einem Immobilienportal im Internet werden die Geschäftsräume in dem markanten Fachwerkhaus ab dem 1. Januar 2021 bereits wieder zur Miete angeboten. Demnach müsste ein Interessent monatlich 1950 Euro für die 120 Quadratmeter große Ladenfläche aufbringen – und dazu einmalig eine Kaution von 6000 Euro hinterlegen.

Im September 2016 war Karin Nordhorn mit ihrer Lese-Ecke an den Start gegangen und hatte sich mit der Selbstständigkeit einen Traum erfüllt. Nachdem sie die Schließung ihres Ladens im Internet publik gemacht hatte, habe sie viele Kundenreaktionen auf diesen Schritt erhalten. „Die haben mir Post geschickt, Emails und mein Handy stand nicht mehr still. Das war sehr berührend. Am liebsten würde ich mich bei jedem Einzelnen bedanken“, sagt die Buchhändlerin. Sie hofft nun, dass ihre drei Angestellten bald wieder neue Jobs finden. „Und ich wünsche mir, dass es mit Bünde nicht weiter bergab geht. Ich bin seit elf Jahren hier und finde die Stadt schön. Was aber in letzter Zeit in der City passiert, ist einfach nur traurig“, findet Karin Nordhorn deutliche Worte.

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