30 Infizierte im Bünder Glasspritzenwerk – Abstriche bei 750 Mitarbeitern
Massentest bei Gerresheimer

Bünde (WB). Man könnte von einer bösen Ironie des Schicksals sprechen: Dort, wo Impfspritzen hergestellt werden, hat das Coronavirus zugeschlagen . Da mittlerweile 30 Mitarbeiter des Unternehmens Gerresheimer (früher Bünder Glas) infiziert sind, wird jetzt die gesamte Belegschaft getestet. „Die ersten Fälle sind in der vergangenen Woche aufgetreten. Daraufhin wurden bereits bei 100 Mitarbeitern Abstriche genommen“, erläutert Unternehmenssprecher Jens Kürten im Gespräch mit dieser Zeitung.

Dienstag, 27.10.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 12:52 Uhr
Symbolfoto. Foto: dpa
Symbolfoto. Foto: dpa

Die Werksleitung habe die Kontaktketten der vorangegangen Tage nachverfolgt und mögliche Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne geschickt. Alle Maßnahmen würden eng mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter habe absoluten Vorrang, Die Zahl der Betroffenen hatte sich Anfang der Woche auf 30 erhöht. Am Mittwoch sollen deshalb alle weiteren der insgesamt 750 Beschäftigten am Unternehmenssitz an der Erich-Martens-Straße vor Ort abgestrichen werden. „Das ist eine freiwillige, vorsorgliche Maßnahme, die wir in Abstimmung mit dem Kreis Herford treffen“, sagt Kürten. Die Tests würden zeitlich über den Tag verteilt genommen. „Denn wir arbeiten im Schichtbetrieb.“

Produktion läuft weiter

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf fertigt in Bünde vorfüllbare Glasspritzen und Glasampullen (Karpulen), in die unter anderem Grippeimpfstoffe oder Krebsmedikamente abgefüllt werden. Trotz der nennenswerten Zahl an Corona-Infizierten laufe die Produktion weiter in vollem Umfang. „Bislang gab es keine Einschränkungen. Wir hoffen natürlich, durch den Test der Gesamtbelegschaft ein genaues Bild über das Ausmaß des Infektionsgeschehens zu bekommen.“ Und man wolle Sorge dafür tragen, dass die Pharmakunden weiter mit Spritzen beliefert werden könnten,.

Wie das Virus in den Bünder Betrieb gekommen sei, könne man nicht mehr nachvollziehen. Seit Pandemiebeginn gebe es aber für das Gesamtunternehmen festgelegte Prozesse, um eine Ausbreitung einzudämmen. „Wir haben eine generelle Maskenpflicht sowie regelmäßige Temperaturmessungen“, erklärt Krüger. Die Belegschaft arbeite zudem in Kleingruppen, die von einander isoliert seien. Auch die Umkleidezeiten seien entzerrt worden. „All das gilt seit März.“

Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro

Glasspritzen für einen hoffentlich bald vorliegenden Corona-Impfstoff werden in Bünde übrigens nicht hergestellt. „Der Impfstoff wird voraussichtlich aus Injektionsfläschchen auf herkömmliche Plastikspritzen aufgezogen und dann verabreicht“, erläutert Unternehmenssprecher Kürten. Die Glasfläschchen für den Impfstoff stelle Gerresheimer auch her, „aber nicht in Bünde“.

Die börsennotierte Unternehmen produziert weltweit in 37 Werken Behältnisse für Medikamente aus Glas und Kunststoff wie Spritzen, Insulin-Pens, Inhalatoren, Fläschchen und Behälter für feste und flüssige Substanzen sowie Kosmetikverpackungen. Mit Werken in Europa, Amerika und Asien erwirtschaftet Gerresheimer mit 10.000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Kommentar von Bernd Bexte

Bei Gerresheimer ist eingetreten, wovor viele Betriebe sich fürchten: Zahlreiche Mitarbeiter sind mit dem Coronavirus infiziert. Die gute Nachricht: Die Produktion läuft nach eigenen Angaben uneingeschränkt weiter. Das Unternehmen will mit einem Massentest jetzt rasch Klarheit über das Ausmaß der Infektion. Dabei setzt Gerresheimer auch nach außen auf Transparenz. Nach einer Anfrage dieser Zeitung machte das Unternehmen das Infektionsgeschehen in einer Mitteilung öffentlich. So wird Spekulationen und Gerüchten vorgebeugt.

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