Fahrlehrer Marc Höcker und ein Meller Unternehmer haben die Idee – privates Angebot vor allem für Lkw-Fahrer
Schnelltest-Drive-In geht an den Start

Bünde/Melle (WB) -

Bequemer geht’s kaum: Lkw-Fahrer können sich ab Ende der Woche auf Corona testen lassen, ohne ihren Bock zu verlassen. Durchs Seitenfenster werden Proben entnommen und ausgewertet. Möglich macht das eine Kooperation zwischen Fahrlehrer und Ex-Bürgermeisterkandidat Marc Höcker aus Bünde und dem Meller Logistikunternehmer Björn Waldbach.

Donnerstag, 14.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 13:42 Uhr
Fahrerfenster runter, Mund auf, Stäbchen rein: Die Tests sollen so kontaktarm wie möglich ablaufen.
Fahrerfenster runter, Mund auf, Stäbchen rein: Die Tests sollen so kontaktarm wie möglich ablaufen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Neben einem stationären Drive-In-Testzentrum auf dem Gelände der Spedition Waldbach Fulfilment an der Rationalstraße 4 in Riemsloh gibt’s am Bünder Autohof eine mobile Variante – untergebracht in einem extra angeschafften ausrangierten Rettungswagen. Die ganze Aktion – die Betreiber nennen es Corona-Kraftfahrer-Testzentrum – steht unter der Schirmherrschaft des pensionierten Betriebs- und Verkehrsmediziners Dr. Albrecht Höfer aus Nienburg. Zwar richtet sich das Angebot vor allem an Berufskraftfahrer, aber auch alle anderen Personen können sich einem Schnelltest unterziehen und dabei im Fahrzeug sitzen bleiben.

Doch wie kamen Höcker und Waldbach auf die Idee für ein solches privates Testzentrum? Ein Punkt seien die Vorkommnisse in England gewesen. Frankreich hatte wegen der rasanten Ausbreitung der neuen Coronavirus-Variante vor einigen Wochen die Grenzen zu Großbritannien für den Warenverkehr geschlossen. Tausende Lkw-Fahrer saßen fest.

Zwar öffnete Frankreich die Grenze kurz darauf wieder für Lastwagen – doch mussten die Fahrer dafür einen negativen Coronatest vorweisen. „Da ist uns bewusst geworden, wie risikoreich das Coronavirus auch für die Lieferketten ist“, sagt Unternehmer Waldbach. Für Unsicherheiten in der Logistikbranche sorge zudem die neue Musterquarantäneverordnung der Bundesregierung (siehe Infobox).

Der 35-Jährige weist zudem darauf hin: „Betriebe vor Ort werden von Fahrern aus verschiedenen Ländern beliefert. Auf ihren Touren kommen sie natürlich auch mit anderen Personen in Kontakt. Wenn sie kurz vor der Ankunft an ihrem Ziel einen Coronatest machen, kann ausgeschlossen werden, dass die Warenannahme-Abteilungen der heimischen Firmen bei einem positiven Fall eines Fahrer eventuell beeinträchtigt werden.“ Einen weiteren Aspekt für den Service bringt Marc Höcker auf den Punkt: „Lkw-Fahrer können nicht einfach so die Testzentren in den Innenstädten anfahren. Unsere Standorte liegen an der Autobahn A30, sind für sie daher gut erreichbar.“

Der Corona-Test-Drive-In in Riemsloh soll bereits am Freitag öffnen. Zwei Fahrspuren – eine für Lkw- und eine für Pkw-Fahrer – werden eingerichtet. Die Anmeldung soll über das Internet laufen. Das Ergebnis bekommen die Getesteten dann aufs Handy. Positive Befunde werden den zuständigen Gesundheitsämtern mitgeteilt. Genauere PCR-Tests können ebenfalls durchgeführt und ausgewertet werden. Eine Internetseite (www.corona-kraftfahrertestzentrum.de) mit Infos zum Prozedere soll bald an den Start gehen. „Ältere Bürger, die kein Internet haben, können sich aber vor Ort registrieren und ihr Testergebnis ausgedruckt mitnehmen“, sagt Waldbach.

Das Testmobil am Bünder Autohof wird ab Samstag im Einsatz sein. „Der Wagen kann auch von Firmen angefordert werden, die ihre Belegschaft testen wollen. Wir fahren dann raus“, sagt Fahrlehrer Höcker. Mediziner Höfer soll nach Aussage von Waldbach zwischen den Standorten pendeln.

Das Personal für die beiden Testzentren (sieben bis acht Mitarbeiter) werde derzeit medizinisch geschult, Hygienekonzepte seien erarbeitet, zuständige Behörden über das Vorhaben informiert worden.

Die Kosten pro Schnelltest betragen 39 Euro. Die Bezahlung soll kontaktlos erfolgen können. Walbach und Höcker schätzen, dass täglich 200 bis 300 Tests durchgeführt und ausgewertet werden können. Bei großem Interesse wollen sie die Kapazitäten erhöhen.

Das sagt der Landkreis Osnabrück:

Drei private Schnelltestzentren gibt es aktuell in Osnabrück. „Da es sich in den Testzentren um private Testungen handelt, die nicht über die Testverordnung abgedeckt sind, hat der Gesundheitsdienst keine Möglichkeit, die Eröffnung von kommerziellen Testzentren zu genehmigen oder abzulehnen. Somit hat er keinen Einfluss auf Fachlichkeit des Personals und Hygienestandards“, sagt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises.

Aus Sicht des Gesundheitsdienstes seien ungezielte Schnelltests von asymptomatischen Personen zudem kritisch zu betrachten. „Testungen können immer nur eine Augenblicksaufnahme darstellen. Hinzu kommt, dass sich Betroffene durch möglicherweise falsch-negative Ergebnisse in einer falschen Sicherheit wiegen könnten“, sagt Riepenhoff.

Die Musterquarantäneverordnung

Unter anderem der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) moniert, dass die neue Musterquarantäneverordnung die Transportbranche hart treffen und Lieferketten gefährden würde. Denn die Verordnung sehe vor, dass Einreisende, zum Beispiel Pendler aus Risikogebieten, zehn Tage in Quarantäne und direkt vor oder nach der Einreise einen Corona-Test absolvieren müssten.Insbesondere die in der Verordnung aufgeführte 72-Stunden-Frist könne für viele Transportunternehmen ein Problem darstellen, da Fahrer aus Osteuropa sich nach drei bis vier Wochen auf Tour meist länger als 72 Stunden in ihrem Heimatland aufhielten.Bei Rückkehr zum Arbeitsplatz in Deutschland müssten sie in Quarantäne. Mehr als 100.000 ausländische Fahrer, die in Deutschland angestellt sind, wären betroffen.

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