Minigolf-Holzhütte kostet 100.000 Euro – Sparkassen-Stiftung will Förderverein mit hoher Summe unterstützen
Kostenexplosion bei Kassenhäuschen

Bünde (WB) -

Fast 100.000 Euro für eine Holzhütte mit behindertengerechten Sanitäranlagen? So viel Geld hat das neue Kassenhäuschen auf dem Bünder Minigolf-Platz nach Informationen dieser Zeitung gekostet. Problem: Der Betreiberverein Ennigloh aktiv hat nur 46.000 Euro zur Verfügung.

Donnerstag, 04.02.2021, 05:20 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 14:18 Uhr
Ursprünglich hatte das Kassenhäuschen 45.000 Euro kostet sollen. In der Endabrechnung ist die Holzhütte nun mehr als doppelt so teuer geworden.
Ursprünglich hatte das Kassenhäuschen 45.000 Euro kostet sollen. In der Endabrechnung ist die Holzhütte nun mehr als doppelt so teuer geworden. Foto: Daniel Salmon

Das entstandene Minus will nun die Stiftung der Sparkasse Herford ausgleichen. Aber geht das so einfach? Und wie kam es zur Kostenexplosion für den Bau?

Aus vertraulichen Unterlagen, die dem WESTFALEN-BLATT vorliegen, geht hervor, dass der Vereinsvorstand am 15. September 2020 einen entsprechenden Antrag bei der Stiftung eingereicht hatte. Ende November kam die Zusage der Sparkasse, die „Erweiterungsmaßnahmen an der Minigolfanlage am Ennigloher Dustholz“ mit einem Betrag von exakt 53.783,19 Euro zu fördern.

Allerdings gibt es eine Auflage: So muss Ennigloh aktiv einen Pachtvertrag mit der Stadt Bünde – ihr gehört die Minigolfanlage – über zehn Jahre nachweisen. Dafür hat der Stadtrat aber bislang noch kein grünes Licht gegeben, obwohl das Thema bereits auf der politischen Agenda stand. Und zwar in der Dezembersitzung des Gremiums – allerdings im nicht-öffentlichen Teil der Ratszusammenkunft.

Damals hatte UWG-Mann Jörn Döring beantragt, eine Entscheidung zu vertagen: „Ich sehe keine Dringlichkeit.“ Zwar bekam er im Vorfeld für seine Anregung keine Mehrheit. Eine Entscheidung fiel in der Angelegenheit aber dennoch nicht. Die Ratsparteien wollten das Thema intern noch mal erläutern, sagen Insider.

Ob das etwas mit den ausgeuferten Kosten für den Hüttenbau zu tun hat, ist aber unklar. Konkret teilte die Stadtverwaltung den Lokalpolitikern in den nicht-öffentlichen Sitzungsunterlagen mit: „Der Bau des Kassenhäuschens durch den Verein Ennigloh aktiv ist erheblich teurer geworden als geplant.“ Eine Nachfinanzierung sei unumgänglich. Die Verwaltung erachte die von der Sparkassen-Stiftung an eine Förderung geknüpfte Verlängerung des Pacht- und Nutzungsvertrags für das Minigolf-Gelände daher als „wünschenswert“.

Fest steht laut den vertraulichen Ratsdokumenten: Die Stadt hatte selbst – und das ist kein Geheimnis – 30.000 Euro bereitgestellt. Bedingung dafür war nach Angaben von Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz, dass die Gesamtfinanzierung der Baumaßnahme gesichert sei. Und ein entsprechendes Konzept habe der Verein damals auch vorgelegt. 12.000 Euro steuerte Ennigloh aktiv selbst zum Projekt bei, eine Privatperson gab 1000 Euro, die Sparkassen-Stiftung überwies Ende Mai vergangenen Jahres 3000 Euro auf das Vereinskonto.

Allerdings würden diese Beträge nicht mal die Kosten für das eigentliche Kassenhäuschen – ohne Baunebenkosten, notwendige Pflaster- und Anschlussarbeiten – decken. Unterm Strich bleibt ein dickes Minus für den Betreiberverein, das auch die Stadt nicht übernommen hätte. „Der Verein ist allein verantwortlich für den Bau, die Unterhaltung des Kassenhäuschens und sämtliche weitere mit dem Bau im Zusammenhang stehende Verpflichtungen“, stellt Rathaussprecherin Greiner-Rietz klar.

Stattdessen erklärte sich die Sparkassen-Stiftung bereit, das Defizit zu decken. Die Entscheidung des zuständigen Kuratoriums fiel nach Angaben von Sparkassen-Sprecher Peter Platz am 18. November. Aber dürfte das Geld überhaupt fließen? Denn laut den Förderrichtlinien der Stiftung – sie unterstützt vorrangig gemeinnützige Zwecke in den Bereichen Jugendamateursport, Natur- und Umweltschutz, Jugendpflege und -hilfe, Kunst und Kultur sowie behinderte Menschen und Altenhilfe – sei eine Förderung „für bereits begonnene oder abgeschlossene Maßnahmen“ grundsätzlich ausgeschlossen.

Allerdings war der Antrag von Ennigloh aktiv über den 54.000-Euro-Zuschuss erst im September, also Monate nach Fertigstellung der Hütte eingegangen. Platz: „Die Förderrichtlinien der Stiftung der Sparkasse Herford sehen eine Förderung nach Beginn eines Projektes grundsätzlich nicht vor. Einzelfallentscheidungen sind möglich. Im Fall von Ennigloh aktiv erfolgte die erste Zusage vor Beginn der Umsetzung des Projektes.“

Damit meint der Sparkassen-Sprecher die Überweisung im Mai 2020. Der dazu korrespondierende Antrag des Vereins sei bereits im Oktober des Vorjahres eingegangen. Geführt wird die Unterstützung der Baumaßnahme laut Peter Platz übrigens unter dem Stiftungszweck „Kunst und Kultur“.

Die Förderung des Kassenhäuschenbaus sei das Projekt, das die Stiftung 2020 mit dem dritthöchsten Förderbetrag ausgestattet habe. Lediglich für das Gestaltungsprojekt „Alte Gerberei“ in Enger (300.000 Euro) und die Sanierung der Bünder BTW-Sporthalle (118.000) seien höhere Summen ausgeschüttet worden. Insgesamt seien 2020 kreisweit 54 Maßnahmen mit einem Fördervolumen von 590.000 Euro unterstützt worden.

Über die Verlängerung des Pachtvertrags soll nun der Stadtrat voraussichtlich am 25. März entscheiden.

Der Vorstand von Ennigloh aktiv will sich zu der Kostenexplosion beim Hüttenbau und ob er sich bei dem Projekt möglicherweise finanziell überhoben hat mit Verweis auf das noch laufende Verfahren übrigens nicht äußern. „Wir wollen in der Sache allerdings Anzeige gegen Unbekannt stellen. Es kann nicht sein, dass vertrauliche Daten, die wir der Sparkasse und der Stadt Bünde zur Verfügung gestellt haben, an die Öffentlichkeit gelangt sind“, moniert Vereinsvorsitzender Thorsten Mailänder gegenüber dieser Zeitung.

Politik äußerte 2018 Bedenken

Seit 2017 betreibt der Förderverein Ennigloh aktiv die Minigolf-Anlage im Dustholz recht erfolgreich. Der Pachtvertrag zwischen Stadt und dem vorherigen Betreiber war zuvor ausgelaufen.Im Laufe der Zeit hatte der Förderverein stetig steigende Besucherzahlen. Allein im Premierenjahr kamen 2300 Gäste und nutzten den 18-Loch-Parcours. Im jährlichen Turnus wird der Pachtvertrag seither verlängert.Bereits nach der ersten Saison regte der Ennigloh- Aktiv-Vorstand den Neubau eines Kassenhäuschens an. Grund: Die bisher genutzte und jahrzehntealte Holzhütte war marode und wurde immer wieder Ziel von Randalierern und Einbrechern. Der Bünder Planungsausschuss sagte daraufhin eine Unterstützung in Höhe von 25.000 Euro für den neuen Holzbau zu. Für dieses Geld sollte die Stadt zunächst selbst ein neues Häuschen planen und sich auch um die Errichtung kümmern.Das geschah aber nicht. Stattdessen regte der Vereinsvorstand an, das geplante Kassenhäuschen auch mit einer behindertengerechten Toilettenanlage auszustatten, um die Anlage weiter betreiben zu können. Kostenpunkt: etwa 45.000 Euro.Es folgten Sondierungsgespräche zwischen Ennigloh aktiv und der Verwaltung. Allerdings stellte die Bünder Politik den Ehrenamtlern im Oktober 2018 letztlich nur 30.000 Euro zur Verfügung. Zudem sollte sich der Verein von da an selbstständig um Planung und Durchführung der Maßnahme kümmern.Die fehlenden 15.000 Euro sollte Ennigloh aktiv aus eigenen Mitteln beisteuern – oder Sponsoren finden. Schon damals hatte es aber auch Kritik aus dem Planungsausschuss gegeben, dass die Hütte möglicherweise zu groß geplant sei. Auch der damals noch im Amt befindliche Technische Beigeordnete, Dr. Andreas Siepenkothen, hatte gemahnt: „Wir müssen auch die Kosten im Blick haben.“Im Frühjahr 2020 wurde die Hütte schließlich fertig – von den da schon völlig ausgeuferten Baukosten war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede gewesen.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7799049?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert
Robert Habeck überlässt die Bühne seiner Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock: Sie soll die Grünen als Spitzenkandidatin in die Bundestagswahl führen.
Nachrichten-Ticker