Wirtschaftliche Gründe: Auch Nadiah Labidi gibt »The Farm Clothing« zum Monatsende auf
Schuhhaus Bergmann schließt Ende Juni

Enger (WB). wei Hiobsbotschaften binnen kürzester Zeit. Nachdem The Farm Clothing die Schließung zum 31. Januar angekündigt und mit dem Abverkauf begonnen hat, steht nun fest: Auch das Traditionsgeschäft Schuhhaus Bergmann wird die Filiale in der Steinstraße zum 30. Juni aufgeben.

Donnerstag, 22.01.2015, 06:08 Uhr
Wirtschaftliche Gründe: Auch Nadiah Labidi gibt »The Farm Clothing« zum Monatsende auf  : Schuhhaus Bergmann schließt Ende Juni
Das Traditionsgeschäft Schuhhaus Bergmann schließt im Sommer. Bis dahin aber geht der Verkauf normal weiter. Das Geschäft existiert seit mehr als 120 Jahren in Enger. Foto: Kathrin Weege

»Das ist ein Schritt, der mir und meinem Sohn sehr, sehr schwer fällt. In 19 Jahren hier haben wir unsere Kunden gut kennen und schätzen gelernt«, sagt Helga Bolte, die das Geschäft in Enger genauso wie ein weiteres in Osnabrück gemeinsam mit ihrem Sohn Thomas Bolte leitet.
Als Grund für die Schließung nennt sie mehrere Gründe: »Ich bin inzwischen 70 Jahre alt. Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem man in den Ruhestand geht. Aus gesundheitlichen Gründen kann mein Sohn nicht beide Filialen weiterführen«, erklärt Bolte auf Anfrage dieser Zeitung. Zudem habe sich die wirtschaftliche Situation in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert. Wie das kommt, kann sie nur mutmaßen:

»In Enger fehlt eine Drogerie, fehlt Laufkundschaft. Außerdem gibt es auch längst nicht mehr alle Fachärzte vor Ort. Die Bürger gehen zu den Ärzten in den Nachbarstädten und kaufen dann dort gleich ein. Auch das Internet zieht immer mehr Kundschaft aus der Engeraner Innenstadt.«

Nachfolger gesucht

Das Schuhgeschäft – ein Vollsortimenter für die gesamte Familie – gibt es seit mehr als 120 Jahren in Enger. »Darum fällt uns die Aufgabe so schwer. Wir werden versuchen, einen Nachfolger zu finden. Bis zum Sommer geht der Verkauf hier ganz normal weiter. Wir haben die Sommermode eingekauft wie sonst auch. Erst kurz vor der Schließung wird es dann einen Räumungsverkauf geben«, informiert Helga Bolte. Die vier Mitarbeiter seien rechtzeitig informiert und gekündigt worden, so Bolte.

Mit der wirtschaftlichen Situation und der mangelnden Laufkundschaft hatte auch Nadiah Labidi, Inhaberin von The Farm Clothing, zu kämpfen. »Im vergangenen Jahr ist der Handel in der Bekleidungsbrache um etwa 40 Prozent eingebrochen. Und das habe ich hier in Enger genauso zu spüren bekommen«, sagt Labidi, die ihr Geschäft erst im April 2011 eröffnet hatte. Sie verkauft einen Bekleidungsmix – vornehmlich für Männer, aber auch für Frauen.

Drogerie fehlt in Enger

»Seit ›Ihr Platz‹ geschlossen wurde, hat man deutlich gemerkt, dass Laufkundschaft fehlt«, sagt Labidi. Die Selbstständigkeit sei schon ein Traum gesehen. Heute betrachtet sie die Sache realistisch. »Ich höre auf, bevor ich größere Schulden machen muss«, sagt die 47-Jährige, die ihr Geschäft sechs Tage die Woche geöffnet hat und im vergangenen Jahr immer selber die Kunden beraten hat. Noch bis Ende des Monats bleibt das Geschäft geöffnet, bereits seit 14 Tagen gibt es Rabatte, ab der kommenden Woche noch etwas größere. »Jetzt kommen die Leute ins Ladenlokal«, stellt Labidi fest, die zuvor im Bekleidungseinzelhandel und in der Gastronomie als Angestellte gearbeitet hat. Die Inneneinrichtung ist bereits veräußert. »Was ich mit den nicht verkauften Kleidungsstücken mache, weiß ich noch nicht. Viellicht kauft sie jemand auf«, so Labidi.

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