Trio Infernale und Krawallo sorgen für Spaß und reichlich Musik
Partystimmung in der Gerberei

Enger (WB). Die Gerberei rockt – das ganze Wochenende lang ging es im Museum um Musik. Am Freitag- und Samstagabend zog das Trio Infernale musikalisch vom Leder.

Montag, 23.10.2017, 06:00 Uhr
»Heut ist so ein schöner Tag« findet das Publikum, tanzt ausgelassen und übt sich in gymnastischen Einlagen. Ein unterhaltsames Wochenende bieten Musiker den Gästen in der Gerberei. Fotos: Daniela Dembert

»Trio für 100« war der Titel der Konzerte. Aus baulichen Gründen waren nicht mehr als je 100 Besucher zugelassen. Das Konzept: »Chaos, wie immer«, verkündete Sänger Jens Kosmiky im Vorfeld und gestand: »In den zwei Jahrzehnten unseres Zusammenspiels haben wir bei Auftritten nie eine Setlist gehabt.« Daran wollen Kosmiky, Jenne Gläsker und Zeremonienmeister Sebastian Dold auch nichts ändern.

Gut so, denn das Publikum liebt die drei für ihre spontanen Einfälle, fürs Musizieren auf Zuruf und die Albernheiten, zu denen sich sämtliche Anwesenden mit Freude hinreißen lassen. »Wir spielen immer erst was Hochwertiges, damit die Leute beeindruckt sind, und fangen danach das Blödeln an«, erklärt Dold den groben Ablauf eines Konzerts.

Der Rest ergibt sich. »Zum Programm heute kann ich nur sagen: Es wird ganz anders als gestern«, verheißt Kosmiky. Das Publikum ist willig, schon beim zweiten Song »Die kleine Kneipe« wird geschunkelt und laut mitgesungen. Zwischen Schlagern, Evergreens, Rock- und Popsongs eingebettet, hier und da Eigenkompositionen, bei denen auch Drummer Jenne sein Plätzchen verlässt und zu Mikro und Bass greift. »Da wir uns in einer Stätte der Kultur befinden, wollen wir unser Programm auch kulturell anreichern«, meint Kosmiky. Was folgt, ist das Weihnachtsmärchen, das die Combo bei ihren Konzerten in der Adventszeit aufgeführt hat.

Die Version des Samstags ist nicht dieselbe wie am Vorabend. Kosmiky hat sie geringfügig überarbeitet und den Bandkollegen kurz vor Konzertbeginn untergejubelt. »So zusammen zu arbeiten wie wir drei, funktioniert wirklich nicht mit jedem«, sagt Sebastian Dold über die Improvisationsfreude des Trios. Die Energie, die sich während der eigenwilligen und nicht immer jugendfreien Interpretation des »Rotkäppchens« beim lachenden Publikum aufgestaut hat, entlädt sich bei »Heut ist so ein schöner Tag« in gymnastikähnlichen Tanzeinlagen.

Ganz anders ist das Repertoire des Sonntags. Der Förderverein des Museums lädt zum Volksliednachmittag mit der Kinderrockband Krawallo. Sebastian Dold, Jenne Gläsker und Sven Kreinberg präsentierten Liedgut für Groß und Klein. Verstaubt? Kein bisschen! »Viele Volkslieder haben einen tollen Kern, sonst wären sie nicht zum Volkslied geworden. Heute sind sie leider nicht mehr so präsent«, meint Dold. Das möchte die Band ändern und modernisiert die Klassiker.

Ob Kinder Volkslieder kennen oder nicht, hinge häufig vom Alter der Erzieherin im Kindergarten ab. »Dieses Liedgut vermittelt in seinen Texten vielfach ein Gefühl von schöner, idyllischer Heimat und Sicherheit. Eigentlich eine schöne Sache«, meint Mitstreiter Jenne Gläsker und bedauert das Image einer völkischen Hymne, das manchem Volkslied anhafte. Mit dem kleinen Wettstreit »Jetzt fahren wir übern See« testen die Musiker das Liedrepertoire der jungen Besucher und zeigen, wie cool die alten Weisen im neuen Gewand klingen.

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