EU-Projekt »Localize it« will in Enger und Bünde der Sucht von Jugendlichen vorbeugen
Mit Strategie gegen den Rausch

Enger/Bünde (WB). Mit der Entwicklung lokaler Strategien wollen die Städte Enger und Bünde den Alkoholkonsum und das Rauschtrinken von Minderjährigen reduzieren. Umgesetzt werden soll es mit dem EU-Projekt »Localize it«. Uwe Holdmann von der Fachstelle für Suchtvorbeugung des Diakonischen Werkes Herford hat es im Ausschuss für Schule, Jugend und Sport des Rates der Stadt Enger jetzt vorgestellt.

Freitag, 20.10.2017, 20:30 Uhr aktualisiert: 23.10.2017, 14:34 Uhr
Den Alkoholkonsum und das Rauschtrinken von Minderjährigen wollen die Städte Enger und Bünde künftig mit der Entwicklung lokaler Strategien reduzieren. Foto: dpa
Den Alkoholkonsum und das Rauschtrinken von Minderjährigen wollen die Städte Enger und Bünde künftig mit der Entwicklung lokaler Strategien reduzieren. Foto: dpa

»Es macht Sinn, eine Strategie zu haben«, sagte Holdmann, der zusammen mit Eva Liesche das Projekt betreut. 22 Kommunen aus elf Ländern werden von der Europäischen Union dabei unterstützt, den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu propagieren. Neben Enger beteiligt sich auch die Stadt Bünde daran.

Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol

Nach Ansicht der Initiatoren muss dort angesetzt werden, wo der Alkoholkonsum tatsächlich stattfindet – auf der lokalen Ebene. Demnächst werden die ersten Personen zum Thema »Rauschtrinken von Jugendlichen und jungen Erwachsenen« in Enger interviewt. Sie sollen beispielhaft in den städtischen Schulen, den beiden Jugendzentren (Kleinbahnhof und Zebra), den Sportvereinen, im Haus der Kulturen, der Kaufmannschaft und dem Allgemeinen Sozialen Dienst erfolgen. Auch Engers Politiker dürfen in Kürze mit einem Anruf rechnen.

»Localize it« gibt es seit April 2017 und erstreckt sich jeweils über eine Laufzeit von 30 Monaten. Das Projekt wird durch das Gesundheitsprogramm der EU gefördert und durch eine Prozess- und Ergebnisvaluation vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begleitet.

Bereits 120 Jugendliche werden betreut

»Von uns werden 120 Jugendliche unter 18 Jahre betreut«, erklärte Uwe Holdmann. Unter anderem gehe es darum, Meinungsführer nach Art der Tupper-Partys zu schulen. Koordiniert wird die Maßnahme vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

»Jugendliche kriegen es immer hin, an Alkohol zu kommen«, meinte Holdmann. Auch wenn der Verkauf von Bier oder Schnaps an sie verboten sei. Zum Beispiel fänden sich immer wieder Erwachsene, die Einkäufe für Minderjährige tätigten. Ein Spenger habe daraus zum Beispiel ein richtiges Geschäftsmodell entwickelt, indem er sich die Strohmann-Funktion habe bezahlen lassen.

Präsenz auf dem Kirschblütenfest in Enger

Deshalb erstrecken sich die »Localize it«-Aktivitäten auch auf das Kirschblütenfest in Enger. Im März/April sollen »Runde Tische« gebildet werden. Eine Steuerungsgruppe soll danach ermitteln, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen. Flüchtlinge sind da nicht ausgenommen. »Sie sind oft traumatisiert und haben keine Erfahrung im Umgang mit Alkohol, sondern gingen – wie ein Asylbewerber aus Bangladesch jüngst geäußert habe – davon aus, dass alles gut sei, was der Staat erlaube. Die Stadt kostet das Projekt keinen Cent.

Cannabis immer beliebter unter Jugendlichen

Auch Engers Ratsherr Klaus-Hermann Bunte (Grüne) hält die Problematik für bedeutsam. Gleichwohl betonte er: »Ich habe noch nicht festgestellt, dass elf- bis 14-Jährige sturzbesoffen auf dem Barmeierplatz liegen.« Holdmann bestätigte, dass das so genannte »Komasaufen« rückläufig sei. Stattdessen werde zunehmend »vorgeglüht«, also Alkohol schon vor dem Discobesuch konsumiert. »Pupperpartys« (so viel frei trinken, bis einer zur Toilette muss) und Jägermeister-Karaoke seien weniger angesagt. Auch geraucht werde heute weniger, dafür sei Cannabis bei Jugendlichen als Rauschmittel Thema.

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