»Single« am Ringsthof verendet – Paar im Enger Bruch brütet Nachwuchs aus
Windrad tötet Weißstorch

Enger/Rahden/Stemwede (WB). In Enger ist ein Weißstorch durch ein Windrad am Ringsthof getötet worden. Das hat der Leiter der Biologischen Station Ravensberg, Klaus Nottmeyer, am Mittwoch mitgeteilt.

Donnerstag, 12.04.2018, 04:00 Uhr aktualisiert: 12.04.2018, 11:22 Uhr
Mit diesem Windrad an der Ringsthofstraße in Enger ist der Weißstorch aus dem Kreis Paderborn kollidiert. Dabei wurden dem Tier (Foto oben rechts) förmlich die Beine gebrochen. Jede Hilfe kam zu spät. Die beiden Störche im Enger Bruch (Foto unten rechts) brüten derzeit – genauso wie im Vorjahr. Foto: Hülsegge/Nottmeyer
Mit diesem Windrad an der Ringsthofstraße in Enger ist der Weißstorch aus dem Kreis Paderborn kollidiert. Dabei wurden dem Tier (Foto oben rechts) förmlich die Beine gebrochen. Jede Hilfe kam zu spät. Die beiden Störche im Enger Bruch (Foto unten rechts) brüten derzeit – genauso wie im Vorjahr.

»Wir sind darüber sehr traurig, aber auch halbwegs froh, dass es keines der im Enger Bruch brütenden Tiere getroffen hat«, sagte der Biologe. Er war über das Schicksal des Storches am vergangenen Montag von den Windradbetreibern informiert worden. Der Storch lag auf dem Acker.

»Der Vogel war schwer verletzt, beide Beine waren über dem Intertasalgelenk abgebrochen, wie durch einen Schlag abrasiert, nur die Haut hielt die Beine noch zusammen«, berichtete Nottmeyer. Schon anhand der Verletzungen sei zu erkennen gewesen, dass das Tier mit einem anderen Gegenstand, nämlich dem 400 Meter entfernten Windrad, zusammengestoßen sein muss. »Eine Stromleitung gibt es hier nicht«, sagte der Biostations-Leiter.

Der getötete Vogel war beringt und knapp vier Jahre alt

Laut Nottmeyer handelt es sich bei dem getöteten Storch um einen »Single«, der auch schon dabei beobachtet wurde, wie er den beiden Störchen im Bruch den Nistplatz hatte streitig machen wollen. Die beiden Störche, die bereits im vergangenen Jahr erstmals nach 100 Jahren wieder in Enger gebrütet hatten und jetzt wieder auf Nachwuchs hoffen, hatten ihr Nest allerdings erfolgreich verteidigt.

Der getötete Vogel trug am rechten Bein einen Ring der Vogelwarte Helgoland. Nach Auskunft der Vogelwarte wurde er am 14. Juni 2014 im Kreis Paderborn nestjung beringt, war also knapp vier Jahre alt. Das Geschlecht ist nicht bekannt. »Ich habe den Vogel direkt nach Quernheim in die Tierklinik gebracht, wo er eingeschläfert wurde«, erklärte Nottmeyer.

Zur Unfallursache hat inzwischen unter anderem auch das Landesamt für Umwelt in Brandenburg bestätigt, dass das Tier höchstwahrscheinlich durch den Kontakt mit der Windkraftanlage zu Tode gekommen ist. Bisher wurden in Deutschland 59 Weißstörche gemeldet, die mit einem Windrad kollidierten, davon nur drei in Nordrhein-Westfalen, mit dem Engeraner Fall sind es vier.

Unfall mit dem Windrad könnte Folge eines Luftkampfes sein

2017 haben in NRW 225 Weißstörche erfolgreich 528 Jungvögel großgezogen. Vier Paare haben im vergangenen Jahr im Kreis Herford gebrütet, drei brachten insgesamt sechs lebensfähige Jungtiere zur Welt.

Die Windkraftanlage an der Ringsthofstraße ist 2002 errichtet worden. Die Nabenhöhe beträgt 70 Meter, der Rotordurchmesser 58 Meter. Nottmeyer hat das Landesamt für Umwelt in Brandenburg – es führt die einzige bundesweite Datenbank zu Auswirkungen von Windenergieanlagen (WEA) auf Vögel und Fledermäuse – ebenso informiert wie die zuständigen Behörden des Kreises Herford und des Landes NRW.

Nottmeyer mag nicht ausschließen, dass der umgekommene Storch infolge eines Verfolgungsfluges in das Windrad geraten ist. »Vielleicht hat es einen Luftkampf gegeben. Die Tiere verlieren dann leicht die Kontrolle«, sagte er.

Zurzeit gibt es nicht nur im Kreis Herford so viele Störche wie lange nicht mehr. Außer in Spenge brüten noch zwei Paare in Bünde und in Hiddenhausen. Das Storchenpaar im Enger Bruch hat mit dem Brüten vor einer Woche begonnen. In drei bis vier Wochen dürften die jungen Störche schlüpfen und Ende Juli/Anfang August »flügge« werden.

Störche auch in Stemwede und Rahden

Der Konflikt Windräder/ Störche ist auch in Rahden und Stemwede aktuell. In Stemwede-Levern müssen in der Nachbarschaft des dortigen Storchenhorstes im Sommer zwei Windräder tagsüber abgestellt werden. In Rahden war die Anwesenheit eines Storchenpaares Ausschlusskriterium bei der Suche der Stadt nach geeigneten Vorranggebieten für Windräder.

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