Drogenprozess-Auftakt am Landgericht Detmold: Acht albanische Angeklagte wollen zu Vorwürfen schweigen
Engeraner soll Kopf einer Dealerbande sein

Enger/Detmold (WB). Drogenhandel in beachtlichem Ausmaß sollen acht Albaner in Ostwestfalen-Lippe betrieben haben – das alles unter ihrem Boss aus Enger. Die Männer aus Horn-Bad Meinberg und Bielefeld stehen seit Mittwoch vor dem Landgericht in Detmold. Aber am ersten Prozesstag kam die Große Jugendkammer trotz fast fünf Stunden Verhandlung nicht über die Verlesung der Anklage hinaus.

Donnerstag, 12.04.2018, 21:00 Uhr
Die Bande soll schwunghaften Handel mit Kokain (Foto) und Marihuana betrieben haben. Foto: dpa
Die Bande soll schwunghaften Handel mit Kokain (Foto) und Marihuana betrieben haben. Foto: dpa

Es ist einer der aufwendigsten Drogenprozesse in Detmold seit Jahren. Acht Angeklagte, die aus der Untersuchungshaft in Justizvollzugsanstalten von Duisburg bis Herford herangekarrt werden müssen. 15 Verteidiger, vier Dolmetscher und 16 Justizwachtmeister – der große Sitzungssaal im Detmolder Landgericht ist zu zwei Dritteln von den Prozessbeteiligten belegt. Und die Anklage ist so umfangreich, dass die bisher geplanten fünf Verhandlungstage eher optimistisch erscheinen.

Handel mit Kokain und Marihuana

Es geht um schwunghaften Handel mit Kokain und Marihuana, den die Bande zumindest zwischen September 2016 und der Festnahme im Oktober 2017 betrieben haben soll. Als ihr Kopf gilt der 27-Jährige aus Enger. Ihm legt die Staatsanwaltschaft zur Last, »an höchster Position« der Bande agiert zu haben: Er soll den »Stoff« beschafft, dessen Verteilung arrangiert und das Einkassieren der Gelder selbst vorgenommen haben. Mehrmals pro Woche soll er im »Verteilungsgebiet« – vor allem in Detmold, Paderborn und Bielefeld – die Wohnungen der Unterverkäufer aufgesucht und die Verkaufsaktivitäten dort »geregelt« haben. Hätten die Straßenverkäufer – auf der untersten Stufe der dreiteiligen Hierarchie – nicht richtig »funktioniert«, soll er angeordnet haben, diese durch Prügel zu »motivieren«.

Auf vier Anklagereihen sitzen die mutmaßlichen »Mitarbeiter« des 27-Jährigen: Ein 20-Jähriger, der wie mehrere Mitangeklagte in Horn-Bad Meinberg wohnte, soll vom »Verkäufer« zum »Aufseher« aufgestiegen sein, der im Auftrag des »Onkels«, wie der Engeraner genannt wurde, Straßenverkäufer versorgte und kontrollierte. Allein von ihm sollen die Detmolder Drogenfahnder 434 verdächtige Telefonate per Telefonüberwachung mitgehört haben.

570 Telefonate als Beweismittel

Eine ähnliche Funktion soll ein 20 Jahre alter Angeklagter aus Bielefeld gehabt haben, der vor Ort ebenfalls Straßenverkäufer beliefert und abkassiert haben soll. Gegen ihn werden 570 Telefonate als Beweismittel ins Feld geführt, 60 Mal soll er bis zu 100 Gramm Kokain zum Weiterverkauf abgegeben haben. Die weiteren Angeklagten – zwei 26 und 21 Jahre alte Brüder ohne festen Wohnsitz, zwei 25 und 34 Jahre alte Brüder sowie ein 42-Jähriger, alle mit Adressen in Horn-Bad Meinberg – sollen in die Organisations- und Verkaufsstrukturen der Bande eingebunden gewesen sein.

Im Vordergrund am ersten Prozesstag standen indessen prozessuale Geplänkel. Die Verlesung der Anklageschrift konnte erst vier Stunden nach Eröffnung der Verhandlung erfolgen, weil mehrere Verteidiger mehrfach unterschiedlichste Anträge stellten. Im Kern ging es um die Befangenheit der Vorsitzenden Richterin wegen der Terminierung der Verhandlungstage, um den Inhalt der Anklageschrift und die Besetzung der Kammer mit den beiden Schöffen. Damit der Prozess überhaupt in Gang kam, stellte die Kammer die Entscheidung über die Anträge zumeist zurück. Sie sollen später entschieden werden.

Fünf Verhandlungstage

Ob die angesetzten fünf Verhandlungstage reichen, dürfte fraglich sein: Es gibt mehr als 1000 mitgeschnittene Telefonate der Angeklagten, die in der Beweisaufnahme eine Rolle spielen werden. Zudem zweifeln mehrere Verteidiger an, dass die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Detmold ausreichend konkret formuliert ist, um den Angeklagten Taten rechtswirksam vorzuwerfen. Die acht Albaner kündigten an, zu den Vorwürfen zu schweigen.

Am 20. April soll weiter verhandelt werden.

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