Kleinkunstbühne »Tagelöhner« begeistert in der Kulturdeele Dreyen
Von Kleinbürgerlichkeit und Klischees

Enger (WB). Modern und befreit von zügelnden Konventionen könnte man leben, säße nicht die Kleinbürgerlichkeit tief verankert in der Mittelstandsseele. Robert Gernhardt hat diese aufs Korn genommen, in seinen Texten mit Klischees gespielt, Normen ad absurdum geführt und hinterfragt.

Sonntag, 15.04.2018, 21:05 Uhr aktualisiert: 15.04.2018, 21:10 Uhr
Egon Schewe (von links), Winfried Keller, Bernhard Adler und Dietrich Stuke bringen vollen Körpereinsatz bei »Drink mer noch a Dröpje«. Foto: Daniela Dembert
Egon Schewe (von links), Winfried Keller, Bernhard Adler und Dietrich Stuke bringen vollen Körpereinsatz bei »Drink mer noch a Dröpje«. Foto: Daniela Dembert

Die Kleinkunstbühne »Tagelöhner« gastierte am Samstagabend mit ihrem Programm »Bringt was zu denken mit – mein Kopf kann’s brauchen« aus Texten von Robert Gernhardt und der Neuen Frankfurter Schule in der Dreyener Kulturdeele von Wera Kiesewalter und Holger Grabbe. Egon Schewe, Dietrich Stuke, Bernhard Adler und Winfried Keller ließen den Blick der 68er-Generation auf Gesellschaftliches und Gutbürgerliches noch einmal aufflackern und unterhielten mit einer Mischung aus gelesenen Texten und intonierten Stücken.

»De Drogen-Dieter« von seinem Kampf gegen Kokain

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Drogen sind ein Thema, vor dem man die Augen nicht verschließen sollte. Darum erzählt Dietrich Stuke als »De Drogen-Dieter« von seinem Kampf gegen Kokain, Cannabis, LSD und Co. Skeptisch rät er den jungen Leuten zum Altbewährten und bekehrt reihenweise zum Alkoholkonsum.

Ansonsten gibt man sich vorurteilsfrei. Besonders, wenn es um Behinderte geht. Borniertheit und Intoleranz will sich schließlich niemand vorwerfen lassen. Auch dann nicht, wenn es sich beim Gegenüber, »Henry, dem Krüppel« um einen alkoholaffinen »Sauzahn« handelt. Was als überzeichnete Zukunftsvision einst die Gemüter amüsierte, ist auch heute noch – oder erst recht – komisch: Mülltrennung.

Gernhardt wäre nicht Gernhardt, wenn er nicht auch diesem Thema hätte Komisches entlocken können.

Bernhard Adler

Gernhardt zähle zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern, referierte Egon Schewe. Auch als Maler und Zeichner sei der 1937 in Estland geborene Schriftsteller tätig gewesen. Er war Redakteur der Zeitschrift »Pardon« und Gründungsmitglied des Satiremagazins »Titanic«. Sein Werk umfasst neben Humoristischem auch Texte, in denen er sich mit einer schweren Herzoperation und seinem zum Tode führenden Darmkrebsleiden auseinandersetzte. »Gernhardt wäre nicht Gernhardt, wenn er nicht auch diesem Thema hätte Komisches entlocken können«, meinte Bernhard Adler.

»Nur wenigen ist bekannt, dass Gernhardt zu den Drehbuchautoren der ersten vier Otto Waalkes Filme gehörte«, berichtete Winfried Keller, eine Brücke zur Abteilung »Nonsens« schlagend, in der von einer frei laufenden Grützwurst berichtet wird, die unsäglichen Schrecken verbreitet. »Wir waren alle schon immer Fans von Robert Gernhardt«, gesteht Bernhard Adler. Da sei es für das Ensemble naheliegend gewesen, sich in einem Programm seinen Texten zu widmen.

Die nächste Veranstaltung der Kulturdeele wird im Dreyener Gemeindehaus stattfinden. Michael Grunnert befasst sich mit »Heimat« – unterstützt von einem Saxofonduo und dem Posaunenchor Westerenger-Dreyen.

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