Nach Brücken-Unglück dennoch Entwarnung – mit Video
Experte: Lkw sind das Hauptproblem für Deutschlands Brücken

Herford/Enger (WB). Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke bei Genua/Italien schauen viele Autofahrer mit Sorge auf deutsche Bauwerke. Doch Dr. Klaus Bockermann vom Ingenieurbüro Bockermann Fritze in Enger gibt Entwarnung.

Donnerstag, 16.08.2018, 03:31 Uhr aktualisiert: 16.08.2018, 08:06 Uhr
Besonders Lkw machen den Brücken zu schaffen. Trotzdem glaubt Dr. Klaus Bockermann nicht, dass sich eine Tragödie wie in Italien in Deutschland wiederholt. Foto: Jan Gruhn
Besonders Lkw machen den Brücken zu schaffen. Trotzdem glaubt Dr. Klaus Bockermann nicht, dass sich eine Tragödie wie in Italien in Deutschland wiederholt. Foto: Jan Gruhn

Etwa 40.000 Brücken gibt es deutschlandweit an Autobahnen und Bundesstraßen – und nicht alle sind in Schuss. Laut Bundesanstalt für Straßenwesen ist etwas weniger als jede achte Brücke in schlechtem Zustand.  Doch dass ein Unglück wie zuletzt an der italienischen A10 passiert, glaubt Bockermann nicht.

 

Brücken müssen zum TÜV

Er muss es wissen: Seine Firma gehört zur deutschen Top-Ten im Bereich Brücken- und Bauwerkeprüfung. »Die Kontrollen hier sind so engmaschig«, sagt Bockermann, dass so eine Katastrophe »mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit« ausgeschlossen werden könne.

Alle sechs Jahre findet laut Bockermann die sogenannte Hauptprüfung von Bauwerken wie Brücken statt – eine Art TÜV. Zudem müssten die Brücken jährlich mehrfach bei einer Begehung untersucht werden. »Und selbst wenn eine Brücke eine schlechte Bewertung bekommt«, so erklärt Bockermann weiter, »heißt das noch lange nicht, dass sie kurz vor dem Einsturz steht.« Aber in solchen Fällen müsste die Belastung reguliert werden. Prominentes Beispiel: die Leverkusener Brücke der A1 am Kreuz Leverkusen. Sie wird seit Längerem saniert und ist für schwere Lkw gesperrt.

Lkw-Quote deutlich erhöht

Genau die seien auch das Hauptproblem für Verkehrsplaner, sagt Bockermann. »Die Quote der Lkw hat sich im Vergleich zu früher deutlich erhöht.« Auch insgesamt sei das Verkehrsaufkommen in den vergangenen Jahren gewachsen. Zudem sei die Zeit nicht spurlos an den Brücken vorbeigegangen. Vor allem die Witterung mache der Substanz der Beton-Riesen zu schaffen.

Bei aller Fachlichkeit: Die menschliche Seite der Tragödie ist nicht spurlos an dem Geschäftsführer vorbeigegangen.  »Als ich den Lkw gesehen habe, der auf der Kippe stand...«, erinnert sich Bockermann. »Da fragt man sich natürlich schon: Kann uns das auch passieren?« In solchen Momenten werde ihm die Verantwortung, die sein Beruf mit sich bringe, wieder bewusster.

Dr. Klaus Bockermann

Dr. Klaus Bockermann Foto: Jan Gruhn

Die Firma Bockermann Fritze Ingenieur Consult GmbH prüft deutschlandweit Brücken und andere Bauwerke auf ihre Standfestigkeit. Dazu gehörten unter anderem die 106 Meter hohe Siegtalbrücke an der A45 oder eine Berliner Eisenbahnbrücke mit 20 Gleisen. Auch in Herford war der Engeraner Betrieb unterwegs: zum Beispiel an der Hansabrücke.

Brücken im Kreis Herford

Wie im Juli aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung hervorging, ist von 375 Brücken an Bundesfernstraßen in NRW etwa die Hälfte erneuerungsbedürftig. Etwa jede vierte Brücke sei zu verstärken. Wie Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler (FDP) mitteilt, sind im Kreis Herford etwa fünf Brücken betroffen. Die Kosten für entsprechende Maßnahmen werden laut Schäffler auf etwa 25 Millionen Euro geschätzt.

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