Do., 08.11.2018

AWO-Pflegedienst Enger lädt zu Bewerbercafé ein – und keiner kommt »Der Markt ist leer«

Birgit Brinkmann, Prokuristen bei der AWO-Service gGmbH (links), und Annette Wessel, Pflegedienstleiterin in Enger, warten an diesem Nachmittag vergeblich auf Interessierte. Dabei betreffe das Thema Pflege früher oder später nahezu jeden.

Birgit Brinkmann, Prokuristen bei der AWO-Service gGmbH (links), und Annette Wessel, Pflegedienstleiterin in Enger, warten an diesem Nachmittag vergeblich auf Interessierte. Dabei betreffe das Thema Pflege früher oder später nahezu jeden. Foto: Frauke Kanbach

Von Frauke Kanbach

Enger (WB). Ambulant vor stationär. Das ist der Wunsch vieler Pflegebedürftiger. Doch angesichts der angespannten Personalsituation in der Pflege kaum mehr erfüllbar. Der AWO-Service macht sich daher Gedanken, wie mit dieser Situation kreativ umgegangen werden kann und hatte an der Pflege interessierte Menschen zu einem Bewerbercafé in entspannter Atmosphäre ins Café Cadena in Enger eingeladen.

Ohne Erfolg. Annette Wessel vom AWO-Pflegedienst Enger und Birgit Brinkmann, Prokuristen bei der AWO-Service gGmbH, warten vergeblich. »Der Markt ist leer«, weiß Annette Wessel. Doch irgend etwas müssten sie tun, um auf sich aufmerksam zu machen. »Wenn wir neue Kunden gewinnen wollen, brauchen wir mehr Personal«, fasst es Birgit Brinkmann zusammen.

Hausgemachtes Problem

Annette Wessel erklärt, dass sie natürlich Fachkräfte bräuchten, aber auch Altenpflegehelfer und -assistenten sowie Mitarbeiter für Entlastungsarbeiten suchen. Mit Letzterem seien Tätigkeiten und Hilfen im Haushalt gemeint, Einkäufe, sonstige Besorgungen – »halt Unterstützung im Alltag«. »Auf Hilfe für Entlastungsarbeiten haben bereits Menschen mit Pflegegrad 1 Anspruch«, weist die Pflegedienstleiterin hin. Voraussetzung hier sei lediglich der Führerschein. Ohne den gehe es nicht.

Für Birgit Brinkmann ist die angespannte Personalsituation in der Pflege ein von der Politik hausgemachtes Problem: »Der demografische Wandel hat sich nicht schlagartig von heute auf morgen vollzogen. Die Politik hätte darauf bereits in den 1990er Jahren reagieren müssen.«

Anerkennungsjahr gefordert

Stattdessen erlasse sie Gesetze, die die Arbeit gerade im ambulanten Bereich noch erschwere. So könnten Altenpflegehelfer nicht in der ambulanten Pflege eingesetzt werden, wenn ihnen ein Jahr Berufserfahrung fehle. Sie fordern daher ein Anerkennungsjahr in der Pflege für Altenpflegehelfer.

Annette Wessel weiß aus der Praxis um die Vorteile der Arbeit in der ambulanten Pflege. Neben der weitgehend eigenständigen Arbeit versorgten sie ihre Kunden in einer persönlichen Atmosphäre, nämlich zuhause.

Oft bestehe auch Kontakt zu Angehörigen, was hilfreich sein könne: »Und: Es ist nicht nur Pflege, sondern auch viel Soziales. Es kommt so viel Dankbarkeit zurück.«

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