Do., 21.03.2019

Neuer Wagen im Kleinbahnmuseum erhält Multimedia-Technik – Tischler gesucht Im grünen Waggon geht’s auf Reise

Im offen Fahrgaststand, in dem Gerd Althoff hier weilt, wurde früher oft während der Fahrt geraucht. »Oder der Kautabak ausgespuckt«, sagt der Vorsitzende des Kleinbahnmuseumsvereins. Der grüne Waggon soll multimedial ausgestattet werden.

Im offen Fahrgaststand, in dem Gerd Althoff hier weilt, wurde früher oft während der Fahrt geraucht. »Oder der Kautabak ausgespuckt«, sagt der Vorsitzende des Kleinbahnmuseumsvereins. Der grüne Waggon soll multimedial ausgestattet werden. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Enger (WB). Er hat eine lange Reise und etliche Kilometer auf dem Buckel: der grüne Waggon der Bielefelder Kreisbahn, der seit einiger Zeit im Engeraner Kleinbahnmuseum steht. Noch sind die Restaurierungsarbeiten nicht komplett abgeschlossen, besichtigt werden kann er aber ab April, wenn das Museum nach der Winterpause wieder öffnet.

»Wir möchten den Eisenbahnwagen mit multimedialer Technik ausstatten. Dafür soll er in drei Abteile aufgeteilt werden«, erklärt Gerd Althoff, Vorsitzender des Museumsvereins. Im ersten soll der Zustand wie bei der Auslieferung sein, im zweiten wie er zu seiner Zeit bei der Inselbahn aussah, und im letzten Abteil soll gezeigt werden, wie der Wagen zuletzt genutzt wurde, bevor der Museumsverein ihn bekam. In Allen drei Bereichen werden Touchscreens eingebaut, die die Besucher mit auf eine Fahrt in die Vergangenheit nehmen. »Kleine Filme, Bilder und jede Menge Info-Material ist dann verfügbar«, sagt Althoff.

Tischer für Innenausbau gesucht

Ein Blick in die Geschichte: »Gebaut wurde er um 1900 und war dann bis 1954 für die Kreisbahn im Einsatz«, berichtet Gerd Althoff. Enger war einst ein Knotenpunkt – dort trafen die Züge der Bielefelder Kreisbahn auf die der Herforder Kleinbahn. »Das ist auch der Grund, warum wir uns entschlossen haben, diesen Personenwaggon bei uns im Museum aufzunehmen«, sagt er. Nach seinem Einsatz in Bielefeld wurde der Wagen nach Borkum weiterverkauft und fuhr noch etliche Jahre bei der Inselbahn. »Vor etwa zehn Jahren sind wir auf das inzwischen ausrangierte Schätzchen aufmerksam geworden«, erklärt der Bahn-Fan. Der Waggon wurde gekauft und zunächst in Bielefeld an verschiedenen Plätzen untergestellt und teilweise restauriert. Menschen, die wieder in den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollten, arbeiteten 30 Stunden die Woche im Projekt »Bürgerarbeiter« der Arbeitsagentur an dem Waggon.

Für die Arbeiten im Innenbereich sucht der Verein noch Unterstützung. »Wir bräuchten einen Tischer, der uns ehrenamtlich helfen möchte, die Abtrennungen aufzustellen«, so Althoff.

Restaurationsarbeiten laufen noch

Und noch einiges mehr ist zu tun: einige Bleche über der Holzkonstruktion müssen erneuert werden. Die Bänke sind bereits restauriert, müssen aber noch eingebaut werden. Das Dach, das aus mehreren Lagen Dachpappen besteht, soll erneuert und Glasarbeiten sollen ausgeführt werden. »Es gibt also noch jede Menge zu tun«, bringt es Althoff auf den Punkt und klettert auf den offenen Fahrgaststand. »Hier konnte man bei der Fahrt draußen stehen. Die Reise war eher gemächlich«, weiß er. Früher habe man gesagt, dass das Blumenpflücken während der Fahrt verboten sei. »Aber es war möglich, so langsam ging’s voran«, erinnert der Bahnfreund an die Zeiten, als die Bahn von Enger über Herford bis Vlotho fuhr. Die Kleinbahnära endete im April 1966.

Saisonstart im April

Geöffnet ist das Kleinbahnmuseum an der Bahnhofstraße in Enger ab April an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr. Zum Start in die neue Saison gibt es am 7. April gleich eine Veranstaltung: Dann sind von 11 bis 17 Uhr historische Bullis vor Ort. »Natürlich können auch alle unsere Waggons und die Lok besichtigt werden«, sagt Althoff.

Weitere Highlights in diesem Jahr: Am 4. Mai sind die Dampfautos aus dem Automuseum Melle in Enger zu sehen. Am 5. Mai und 15. September können wieder Rangier-Diplome erworben werden. Althoff: »In unseren Reihen haben wir einen ausgebildeten Lokführer. Maik Drechsel steuert unsere Lok dann 20 bis 25 Meter über die Gleise im Außenbereich.« Und die Kinder haben dann die Möglichkeit, selber einmal Gas und Bremse zu bedienen. Dafür gibt’s die begehrte Auszeichnung Rangier-Diplom. Infos zum Museum gibt’s hier.

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