Widukind-Museum Enger lässt Gebeine aus der Stiftskirche erneut untersuchen
Knochenkrimi geht in die nächste Runde

Enger (WB). Ob es sich bei dem mittleren von drei Gräbern in der Stiftskirche Enger wirklich um das Skelett des Sachsenherzogs Widukind handelt? Eine neue Untersuchung im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim soll darüber Aufschluss geben.

Montag, 05.08.2019, 20:00 Uhr
Ausgebreitet auf drei Tischen liegen die drei Skelette aus den Gräbern der Stiftskirche im Institut in Göttingen. Zur neuerlichen Untersuchung in Mannheim wurden jeweils ein Teil einer Rippe sowie Zahnschmelz entnommen. Foto: Regine Krull
Ausgebreitet auf drei Tischen liegen die drei Skelette aus den Gräbern der Stiftskirche im Institut in Göttingen. Zur neuerlichen Untersuchung in Mannheim wurden jeweils ein Teil einer Rippe sowie Zahnschmelz entnommen. Foto: Regine Krull

Drei Gräber bereits Anfang Juli erneut geöffnet

Bereits Anfang Juli hat Regine Krull, Leiterin des Widukind-Museums, gemeinsam mit Museumspädagoge Matthias Rasche sowie Mitarbeitern des Bauhofs im Beisein von Pfarrerin Dr. Petra Savvidis die drei Gräber – in dem mittleren werden Widukinds Überreste vermutet – vor dem Altar erneut öffnen lassen.

Bei einer ersten Untersuchung 1997 hatte Dr. Werner Best mittels DNA-Vergleich festgestellt, dass die drei Toten aus der Stiftskirche in Enger mit denen in der Kreuzkirche auf dem Wittekindsberg nahe Porta Westfalica nicht verwandt sind. Im Rahmen der Neukonzeption des Widukind-Museums 2003 wurde bei einer neuerlichen DNA-Analyse der Gebeine im Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut in Göttingen festgestellt, dass die beiden älteren Skelette, die in der Mitte und rechts liegen, zum Zeitpunkt ihres Todes jeweils um die 60 Jahre alt waren und miteinander verwandt sind.

Die beiden Älteren sind verwandt

»Es sind Halbbrüder oder Cousins. Sie haben denselben Vater, aber unterschiedliche Mütter«, sagt Regine Krull. Zudem wurde festgestellt, dass die Person in dem linken Grab etwa 15 bis 16 Jahre alt war – der Sohn der rechts liegenden Überreste. Nach der zweiten Untersuchung wurden die Knochen zunächst in Tüten und anschließend in luftdichten Metallkisten »bestattet«.

Für die nun vom Museum in Auftrag gegebene 14c- und Isotopen-Analyse, hatte Regine Krull mehrere Gründe. »Zunächst geht es darum, ob die Knochen noch in Ordnung und nicht etwa von Schimmel befallen sind. Sie waren nach der Öffnung der Kisten aber alle trocken und unbeschadet«, so Krull. Die Museumsleiterin betont: »Mit den neuesten Wissenschaftsmethoden kann man auf zehn bis 20 Jahre genau bestimmen, wann die drei gestorben und wo sie geboren sind.« Dass die beiden Erwachsenen gleich alt sind, bedeute noch lange nicht, dass sie zur selben Zeit gelebt hätten.

Ein Stückchen von der Rippe und etwas Zahnschmelz

In Göttingen wurden den drei Skeletten jeweils ein winziges Stück einer Rippe sowie Zahnschmelz entnommen, die nun von Dr. Corina Knipper im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim untersucht werden. Als Vergleichsmaterial wird Zahnschmelz von Schweinen herangezogen, die bei den Ausgrabungen Anfang der 1970er Jahre in Enger gefunden wurden. Diese wurden ebenso wie die DNA-Analysen für einen neuen Dokumentarfilm nachgestellt, den Regisseurin Dr. Anne Roerkohl von der dokumentARfilm GmbH aus Münster dreht. Der wird frühestens Anfang 2020 im Museum zu sehen sein.

Presbyterium stimmt mehrheitlich zu

Weil die Gebeine der Kirchengemeinde gehören, war deren Erlaubnis zur Untersuchung erforderlich. »Wir haben im Presbyterium darüber diskutiert, ob die Totenruhe gestört oder die Skelette beschädigt werden könnten. Schließlich haben wir per Mehrheitsbeschluss zwei Drittel zu einem Drittel zugestimmt«, sagt Pfarrer Eckhardt Koch.

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