Do., 15.08.2019

Trockenheit macht Arbeit: Stadt Enger gießt täglich neu gepflanzte Gewächse Junge Bäume lechzen nach Wasser

Einen ordentlichen Schluck aus dem Wasserschlauch bekommt die Zierkirsche am Busbahnhof. Marc Vetters vom Bauhof der Stadt Enger ist schon seit mehreren Wochen im Dauereinsatz. Täglich fährt er mit seinem Tankfahrzeug die neu angepflanzten Bäume und Gewächse an.

Einen ordentlichen Schluck aus dem Wasserschlauch bekommt die Zierkirsche am Busbahnhof. Marc Vetters vom Bauhof der Stadt Enger ist schon seit mehreren Wochen im Dauereinsatz. Täglich fährt er mit seinem Tankfahrzeug die neu angepflanzten Bäume und Gewächse an.

Von Bärbel Hillebrenner

Enger (WB). Kein Regen, große Hitze: Die jungen Bäume im Engeraner Stadtgebiet leiden unter der Trockenheit. Jeden Tag muss Marc Vetters (50) rausfahren, um ihren Durst zu stillen. Bis zu acht Mal füllt der Gärtner den 800 Liter fassenden Tank auf seinem kleinen Pritschenwagen und fährt damit Bäume und Hochbeete an.

Das Problem seien weniger die langen Phasen mit hohen Temperaturen, sondern vielmehr die ausgedörrten Böden. »Da hilft auch kein Regenschauer für ein paar Stunden. Das Wasser dringt nicht tief genug in die Erde und die Wurzeln bekommen keine Feuchtigkeit«, sagt der Fachmann.

Bäume stehen auf dem Trockenen

Sieben Gärtner arbeiten auf dem Bauhof an der Spenger Straße, aber Marc Vetters ist derzeit ausschließlich für das Wässern in der Innenstadt abgestellt. Und da hat er eine Menge zu tun: »Morgens um 7 Uhr gehts los. Weil ich das schon einige Wochen mache, habe ich meine Tour im Kopf. Ich weiß, welche Bäume auf dem Trockenen stehen und welche nicht.« Herabhängende Blätter seien ein untrügliches Zeichen. »Schauen Sie sich die Erde an: alles knochentrocken«, deutet Vetters auf den braunen Rasen rund um die Zierkirschen am Busbahnhof hin. Also Schlauch rausziehen, Hahn aufdrehen und schon sprudelt es aus dem Tank. 200 Liter spült die Kirsche mal kurz hinunter – das weckt die Lebensgeister!

Nach Wasser lechzen insbesondere die jüngeren Exemplare, denn erst nach vier bis fünf Jahren sei das Wurzelwerk so tief gewachsen, dass sich der Baum selbst Flüssigkeit ziehen kann. Die Jüngeren reichen an den Pegel nicht heran. »Der Wasserstand wird immer geringer, da haben die neu gesetzten Gewächse ihre Probleme. Sie brauchen eben Starthilfe«, berichtet Bauhofchef Birger Kemminer (49).

Pflegeaufwand in ersten Jahren höher

Ersatzpflanzungen gebe es zum Beispiel nach Unfallschäden, in den Spielstraßen oder bei Straßenbaumaßnahmen. »Der Pflegeaufwand ist in den ersten Jahren aufwendiger. 100 Jahre alte Ungetüme brauchen unsere Hilfe nicht mehr«, sagt Kemminer. Buchen, Linden, Ebereschen – diese Bäume seien an den Straßen gut geeignet. »Achten müssen wir darauf, dass sie in den Kronen nicht in die Breite wachsen. Große Lkw müssen ja drunter herpassen.« Und auch tiefwurzelnde Bäume seien im Stadtbereich ungeeignet. Kemminer: »Da sind irgendwann die Versorgungsleitungen im Weg.«

Mit seinem weißen Pritschenwagen rollt Marc Vetters derweil zur Bielefelder Straße. Sie wurde vor etwa fünf Jahren erneuert und mit neuen Bäumen aufgehübscht. »Die brauchen einen großzügigen Schluck Wasser«, sagt Vetters. So ein Baum, sagt der Gärtner, habe ja nur einen eng begrenzten Stehplatz, ein etwa vier Quadratmeter großes Beet. »Schauen Sie mal: Drumherum ist nur Beton und Asphalt. Da kann das Wasser nicht versickern.«

Schauer reichen nicht aus

Nur Regen über mehrere Tage könne jetzt noch Hilfe zur Selbsthilfe geben, ein Schauer oder Platzregen reiche derzeit nicht aus. Zwar habe es vor wenigen Tagen zwischendurch mal geregnet, sagt Vetters. »Aber viel zu kurz. Das war also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Wasser ist sofort verdunstet, hat die Wurzeln gar nicht erreicht.«

Also: weitergießen und wieder auftanken! Die nächste Station für den Baumhelfer ist eine von vier Zisternen, die extra an Schulen gebaut wurden und aus denen die Stadt das Regenwasser abzapfen kann. Eine andere Möglichkeit zum Füllen des Wassertanks besteht für Marc Vetters an den Hydranten, von denen auch die Feuerwehr im Brandeinsatz das Löschwasser entnimmt. Das passende Zapfrohr hat Vetters immer mit dabei.

Kein Wassermangel

Wassermangel wie in anderen Städten – in Löhne und Bad Oeynhausen wurde während der jüngsten Hitzeperiode der Notstand ausgerufen – gibt es übrigens in Enger nicht. »Wir bekommen genug Wasser geliefert und haben auch einen eigenen Brunnen«, erklärt Birger Kemminer. Und selbst die Bürger brauchten bisher nicht die Straßenbäume und Hochbeete vor ihren Häusern zu gießen. Dafür ist Marc Vetters jetzt noch viele Tage im Dauereinsatz.

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