Fr., 23.08.2019

Reißfeste Bänder über Straße am Spenger ZOB gespannt – 17-Jährige verletzt Gefährliche Falle: Kradfahrerin stürzt

Reste der Textilbänder hängen am Donnerstagmittag an einem Haltestellen-Pfosten. Sie waren am Abend zuvor quer über die Straße gespannt. Mit bloßen Händen bekommt man das Material nicht durchtrennt.

Reste der Textilbänder hängen am Donnerstagmittag an einem Haltestellen-Pfosten. Sie waren am Abend zuvor quer über die Straße gespannt. Mit bloßen Händen bekommt man das Material nicht durchtrennt. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Spenge (WB). Als die junge Motorradfahrerin merkt, dass irgendetwas nicht stimmt, ist es schon zu spät. Das Textilband, das in etwa 1,50 Meter quer über den Spenger ZOB gespannt ist, trifft die 17-Jährige am Hals. Sie wird von ihrem Krad geschleudert und bleibt verletzt auf dem Asphalt liegen.

Dieser »gefährliche Unfall« – so heißt es im Polizeibericht – hat sich am Mittwochabend gegen 22.45 Uhr ereignet, wobei Unfall wohl das falsche Wort sei, wie die Mutter des Opfers findet: »Für mich war das fast schon ein Anschlag. Mit einem Dummen-Jungen-Streich hat es nichts zu tun. Kriminell!«

Ihre Tochter habe Prellungen und Schürfwunden erlitten, auch einen Tag danach stehe sie noch unter Schock. »Ich bin heilfroh, dass sie nur Schrittgeschwindigkeit gefahren ist. Wäre sie schneller unterwegs gewesen, wäre die Sache sicher nicht bei ein paar Blessuren geblieben. Aber daran möchte ich lieber gar nicht denken.« So kann die Engeranerin das Krankenhaus noch am selben Abend verlassen und zurück zu ihrer Familie.

Zwei junge Leute helfen der Verunglückten

Tatort Spenger ZOB Foto: Moritz Winde

Die 17-Jährige lässt die Geschehnisse im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT Revue passieren. Sie habe sich mit Freunden zum »Chillen« an der Gesamtschule getroffen, die direkt hinter dem ZOB liegt. »Als ich gegen 19 Uhr dort ankam, waren die Bänder noch nicht da.« Und auch als sie sich gegen kurz vor 21 Uhr auf den Weg zum Edeka gemacht habe, habe nichts auf eine derartige Falle hingedeutet.

Doch der bis dahin lustige Abend findet ein tragisches Ende. Die 17-Jährige fährt direkt ins Unglück, denn in der Dunkelheit sei die Gefahr nicht zu erkennen gewesen. »Nach zehn Metern packte mich etwas und schleuderte mich von meinem Motorrad. Mir blieb total die Luft weg.« Zwei junge Leute, die die Situation beobachten, eilen der Verunglückten zu Hilfe.

Besonders jetzt in den Ferien ist die Gesamtschule und das angrenzende Jugendzentrum ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Auch am Mittwochabend ist jede Menge los. »Ich schätze, dort waren zwischen 50 und 60 Jugendliche«, sagt die 17-Jährige, die sich fragt, wer zu so etwas Gemeinem fähig ist.

Ermittlungen der Polizei ergeben, dass die Bänder an gleich zwei Stellen quer über die Straße ragen – und zwar sowohl an der Zufahrt vom Schulgelände, als auch von der Zufahrt von der Ravensberger Straße. Sie sind jeweils in Kopfhöhe auf einer Länge von 15 Metern zwischen zwei Pfosten von Haltestellen gespannt.

»Kein Kavaliersdelikt«

Bei den »Tatwaffen« handelt es sich um schwarz/weiße und selbstklebende Textilbänder der Marke Illbruck, die normalerweise zum Abdichten von Fenstern verwendet werden. Sie sind acht Zentimeter breit und besonders reißfest. Mit bloßen Händen bekommt man sie nicht durchtrennt.

Die Bänder sind der einzige Anhaltspunkt für die Polizei. »Wir gehen davon aus, dass der Täter sie mitgebracht hat. Vielleicht stammen sie von einer nahe gelegenen Baustelle«, sagt Sprecherin Simone Lah-Schnier.

Die Hauptkommissarin betont, es handele sich bei dieser Tat nicht um ein Kavaliersdelikt. Aus diesem Grund ermittele das Verkehrskommissariat der Polizei Herford jetzt wegen »gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr«.

Der Freund der jungen Frau hat für konkrete Hinweise, die den Täter überführen, eine Belohnung in Höhe von 200 Euro ausgelobt. Den Spaß am Motorradfahren will sich die 17-Jährige übrigens trotz dieses Erlebnisses nicht nehmen lassen. »Ich steige wieder auf meine Maschine.«

Die 17-Jährige wurde von diesem Motorrad zu Boden geschleudert. Sie erlitt Prellungen, Schürfwunden und einen Schock

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