Di., 10.09.2019

Landwirt Jochen Höner informiert Umweltausschuss über Blühstreifen Beim Mähen an die Bienen denken

Einige Sonnenblumen strahlen noch im Blühstreifen neben Jochen Höners Hof. In den bereits vertrockneten Blüten finden Insekten Rückzugsorte. Auch Fasane suchen in dem Blühstreifen Schutz, wenn alle Getreidefelder gemäht sind.

Einige Sonnenblumen strahlen noch im Blühstreifen neben Jochen Höners Hof. In den bereits vertrockneten Blüten finden Insekten Rückzugsorte. Auch Fasane suchen in dem Blühstreifen Schutz, wenn alle Getreidefelder gemäht sind. Foto: Christina Bode

Von Christina Bode

Enger (WB). Frisch gemähte Grünstreifen an den Straßen sehen zweifellos schick aus. Warum es aber wichtig ist, Gräser und Blumen länger stehen zu lassen, erklärt Landwirt Jochen Höner.

Der Vorsitzende des Ortsverbandes Enger-Spenge des Westfälisch-Lippischen Landesverbandes (WLV) war am Montag im Ausschuss für Stadtplanung, Infrastruktur und Umwelt zu Gast.

»In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal Beschwerden bekommen, dass Blühstreifen an den Straßen gemäht wurden«, sagte Fachbereichsleiterin Inge Nienhüser. Sonst sei es immer andersherum gewesen. In ihrem beruflichen Alltag merke sie, dass ein Wertewechsel stattfinde und der Ruf nach öffentlichen Blühstreifen immer größer werde. »Und das ist gut so«, erklärte Jochen Höner. Würden die Grünstreifen konsequent kurz gehalten, sei das kontraproduktiv für die Reproduktion von Insekten.

Festen Mäh-Rhythmus verschieben

Bislang habe es ab Mai einen festen Mäh-Rhythmus gegeben, erklärte Inge Nienhüser. Mittlerweile versuche man im Rahmen der personellen Möglichkeiten, den Mäh-Zeitpunkt so weit wie möglich nach hinten zu verschieben, um den Pflanzen Gelegenheit zu geben, Samen auszubilden. Allerdings, geschehe dies nur an Stellen, wo die Verkehrssicherheit durch das wachsende Gras nicht gefährdet ist – unter anderem wurde an der Kleinbahntrasse später gemäht als geplant.

Jochen Höner begrüßte dieses Umdenken, denn »trockene Blüten sind ein perfekter Rückzugsort für Insekten«, erklärte er. Er riet der Verwaltung, die Grünstreifen intervallmäßig zu mähen, sodass die Insekten immer Nahrung finden würden. Und auch die Auswahl des Mähers spiele eine Rolle. Kreiselmäher, die die gemähten Halme ganz lassen, seien so genannten Schlegelmähern vorzuziehen, die das Gras mulchen.

Biotopvernetzung ist wichtig

Dass diese so genannte Biotopvernetzung – die Schaffung eines Netzes von Einzelbiotopen – wichtig ist, hat Höner auf seinem Hof in Besenkamp gesehen. »In diesem Jahr hatten wir deutlich mehr Schwalben. Ein Paar hat sogar dreimal gebrütet.« Das führt er darauf zurück, dass Insekten in den Blühstreifen viel Nahrung finden. Direkt neben seinem Hof hat er einen sechs Meter breiten Blühstreifen angelegt. »Eigentlich besteht eine Mähverpflichtung. Ab August müssen Blühstreifen gemäht werden«, sagte Höner.

In Absprache mit dem Kreis könne er seinen Streifen nun etwas länger stehen lassen, um einen Rückzugsort für Insekten und Bodenbrüter zu schaffen. Er plädierte dafür, in der Bevölkerung und auch bei seinen Berufskollegen für die positiven Effekte des späten Mähens zu werben. »Gartenbesitzer müssen sich dann aber auch damit arrangieren, wenn sich Löwenzahn in ihren Garten versäht«, sagte Höner.

Harald Wurm (Bündnis 90/Die Grünen) lobte das Umdenken der Stadt. »Es ist gut, dass man auch mit einfachen Mitteln schon viel bewirken kann.« Bürgermeister Thomas Meyer forderte die Ausschussmitglieder auf, dieses Verhalten auch öffentlich zu vertreten und zu erklären.

Kommentar

Die Stadt Enger macht es vor und alle Gartenbesitzer sollten sich ein Beispiel nehmen. Viele Landwirte kümmern sich bereits um den Insektenschutz. Dennoch liegt er nicht in ihrer alleinigen Verantwortung. Wie Landwirt Jochen Höner erklärte, würden etwa 55 Prozent der Flächen im Kreis Herford landwirtschaftlich bearbeitet. Das bedeutet, dass die anderen 45 Prozent in privater oder städtischer Hand liegen.

Jeder Gartenbesitzer sollte sich überlegen, ob es wirklich wichtig ist, den Rasen täglich mit dem Mähroboter kurz zu halten oder ob man nicht den Bienen in Klee oder Löwenzahn Nahrung bieten kann. Statt Steinbeete anzulegen, könnten Stauden gepflanzt werden, in denen Insekten Rückzugsorte finden. Ohne großen Aufwand kann viel getan werden.

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