Mi., 09.10.2019

Horst Raack kreiert ausgefallene Roben – Ausstellungseröffnung am 13. Oktober Venezianisches Flair in der Gerberei

Horst Raack ist der Kopf der Kostümmanufaktur Costumi, die mit ihren kunstvoll gefertigten Gewändern schon mehrfach für Aufsehen beim venezianischen Karneval sorgte.

Horst Raack ist der Kopf der Kostümmanufaktur Costumi, die mit ihren kunstvoll gefertigten Gewändern schon mehrfach für Aufsehen beim venezianischen Karneval sorgte. Foto: Dembert

Von Daniela Dembert

Enger(WB). Fantastisch, geheimnisvoll, dieser Welt entrückt und doch einer vergangenen Epoche entsprungen wirken die Werke der Engeraner Kostümmanufaktur Costumi.

Für kommenden Sonntag, 13. Oktober, lädt das Gerberei-Museum um 11.30 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung »Eine zweite Haut« mit mehr als einem Dutzend Kostümen, erdacht und gefertigt von Horst Raack.

Insgesamt sechsmal wurden die Maskeraden aus der Widukindstadt bereits beim Wettbewerb »La Maschera pui bella« des Venezianischen Karnevals prämiert , zuletzt im Februar diesen Jahres.

»Kinder des Lichts« ist der Titel des Ensembles, bestehend aus drei Kostümen, mit denen Horst Raack, Ehemann Jochen Schlüter und eine gemeinsame Freundin in die Stadt der Kanäle reisten.

Nähen als Mittel zum Zweck

Angefangen habe alles vor einigen Jahren, als er mit seinem Mann zum Karneval nach Venedig reiste, blickt der 48-Jährige zurück. »Wir waren fasziniert und haben beschlossen, im kommenden Jahr teilzunehmen.« 2009 wurden Costumi-Kreationen erstmalig mit einem Preis bedacht; ein Ritterschlag für den Autodidakten. »Ich bin Goldschmied von Beruf. Das filigrane, handwerkliche Arbeiten ist mir vertraut«, sagt Raack.

Auch im Kostüm des Sonnenphönix steckt viel Detailarbeit Foto: Dembert

Allerdings sei Nähen nie seine Passion gewesen. »Eher ein Mittel zum Zweck und zuweilen notwendiges Übel, um meine Kreationen zu realisieren«, gesteht er. Mit einer Nähmaschine vom Flohmarkt habe dann alles angefangen. Raack: »Mein erstes Kostüm bestand aus alten Vorhängen, die ich eingefärbt habe.«

Welt der Selbstdarsteller fasziniert

Die fantasievollen und edel anmutenden Kunstwerke bestünden aus ganz unterschiedlichen Materialien. »Da ist vom Billigartikel aus dem ein-Euro-Shop über Flohmarktfunde bis zur handgewebten, asiatischen Seide alles dabei.« Die Gewänder sind Bühnenoutfits und höfischer Kleidung des 18. Jahrhunderts nachempfunden und werden dominiert von Seide, Brokat, Spitze, Mühlsteinkrägen und opulenten Knöpfen. Teils verwendet Raack Originalschnitte aus dieser Zeit.

Die Welt der Selbstdarsteller und des Überflusses bei Hofe als Paralleluniversum zum Leben des Nichtadels fasziniert den gebürtigen Lipper. Aber: »Ich kopiere nicht einfach. Meine Kreationen haben immer etwas Eigenes. Das wurde von der Jury in Venedig auch positiv gewertet«, sagt der Maskeraden-Liebhaber. So sind es beim Kostümensemble Teatime beispielsweise Geschirrteile, die die Kopfbedeckung zieren.

Schwierige Materialsuche

Etwa zwei Monate beträgt die reine Fertigungszeit eines Kostüms, die Ideenfindung nicht eingerechnet. Schwierig gestalte sich häufig die Suche nach dem richtigen Material. »Die dauert manchmal Monate bis Jahre.«

Zehn bis 15 Kilogramm wiegt ein Kostüm. Besonders anstrengend zu tragen sind die ausgefallenen Hüte. Auftragsarbeiten übernimmt Costumi nicht, aber über eine Agentur ist es möglich, die prunkvollen Gewänder beispielsweise für Walkingacts zu buchen.

Eine Einführung in die Ausstellung wird Martina Chudzicki den Besuchern am Sonntag geben.

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