Mo., 14.10.2019

Horst Raack zeigt seine venezianischen Roben in der Gerberei Sagenhafte Liebe zum Detail

Horst Raack stellt in der Gerberei 16 seiner handgefertigten Kostüme aus. Die Eigenkreationen sind inspiriert durch die Mode des 18. Jahrhunderts.

Horst Raack stellt in der Gerberei 16 seiner handgefertigten Kostüme aus. Die Eigenkreationen sind inspiriert durch die Mode des 18. Jahrhunderts. Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Enger (WB). Sie wirken glamourös, zeugen vom Prunk einer vergangenen Epoche und versprühen zugleich geheimnisvolle Verspieltheit. 16 Kostüme der Engeraner Manufaktur Costumi sind derzeit in der Galerie der Gerberei zu sehen. Am Sonntagvormittag wurde die Ausstellung vor zahlreichen Besuchern feierlich eröffnet.

Gefertigt sind die ausladenden, mit sagenhafter Detailliebe gestalteten Kleider und weit ausgestellten Gehröcke von Horst Raack in seinem winzigen Atelier in Enger . Eine Einführung in das Werk des Autodidakten gab Martina Chudzicki, die als Journalistin schon mehrfach über die Erfolge des Kostümdesigners in den Wettbewerben zum besten Kostüm beim venezianischen Karneval berichtet hatte.

Mit Eigenkreation bei venezianischen Karneval

Schon beim ersten Besuch des Karnevals in der Lagunenstadt habe die Atmosphäre Raack und seinen späteren Ehemann Jochen Schlüter in ihren Bann gezogen, berichtet Chudzicki. Für den zweiten Besuch habe der gelernte Goldschmied beschlossen, mit einer Eigenkreation teilzunehmen. »Dass er vom Nähen wenig Ahnung hatte, hat Horst Raack nicht entmutigt, denn er hat Ideen«, erzählte die Referentin.

Beim Publikum in den Straßen Venedigs seien die opulenten Fusionen aus Fantasie und Historie so gut angekommen, dass Raack sich entschloss mit ihnen am Wettbewerb »La Maschera pui bella«, der offiziellen Kostüm-Prämierung durch eine Jury, teilzunehmen. Der Erfolg blieb nicht aus und spornte den Hobby-Schneider weiter an. Die positiven Rückmeldungen hätten »durchaus Suchtpotenzial«, wie Raack selbst gestand. »Setzten ihn aber auch unter Druck, denn sein Ansporn ist es, sich nicht von einem auf das andere Jahr selbst zu kopieren«, so Chudzicki.

»Kostüme sind Maskerade und zweite Haut«

Das Hobby forderte Zeit und Raum, der Beruf jedoch auch. Seit langem beruflich unzufrieden, sei es Horst Raack zunehmend schwerer gefallen, seiner Arbeit nachzugehen. Martina Chudzicki zeichnete einfühlsam das Bild eines kreativen Kopfes, der, ausgelaugt von der Routine der Goldschmiede, plötzlich auch in seinem Hobby keine Entspannung mehr gefunden hat und einen psychischen Zusammenbruch erlitt. »Kostüme«, so habe Raack selbst gesagt, »können zweierlei sein: eine Maskerade, die das wahre Ich verbirgt, oder eine zweite Haut, die das Innerste nach außen kehrt«, sagte Chudzicki.

Was der 48-Jährige mit seiner Ausstellung allen Menschen mitgeben möchte, die eine Leidenschaft hegen, formuliert er so: »Einfach machen und sich ausprobieren!« Wie häufig er schon danach gefragt worden ist, warum er sein Hobby nicht zum Beruf mache, kann Horst Raack nicht beziffern. In jedem Fall solle das Hobby eines bleiben, ihm Spaß und Ausgleich sein und keinesfalls zu einer pflichtmäßigen Routine werden.

Ausstellung bis 3. November

Die Ausstellung ist der Auftakt zu einer Reihe, die im kommenden Jahr in Spenge fortgesetzt wird, und ist in der Gerberei noch bis zum 3. November zu sehen.

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