Demonstration gegen geplanten Bau eines Hühnermastbetriebs in Westerenger
Aktivisten fordern Agrarwende

Enger (WB/dd). Erst seit dem 5. Dezember ist sie aktiv. Trotzdem hat die Bürgerinitiative Engeraner Land innerhalb kürzester Zeit 150 Menschen mobilisiert, die am Samstagvormittag an einer Demonstration gegen den geplanten Bau eines Hühnermastbetriebs in Westerenger teilgenommen haben.

Sonntag, 15.12.2019, 18:02 Uhr aktualisiert: 15.12.2019, 18:20 Uhr
Mit Transparenten, Flaggen und Sprechchören machen die etwa 150 Demonstranten ihre ablehnende Haltung gegen eine Hühnermastanlage in Enger deutlich. Foto: Daniela Dembert
Mit Transparenten, Flaggen und Sprechchören machen die etwa 150 Demonstranten ihre ablehnende Haltung gegen eine Hühnermastanlage in Enger deutlich. Foto: Daniela Dembert

Der Demozug setzte sich von der Skaterbahn aus entlang der Wertherstraße in Bewegung, Richtung Hiligensiekweg bis zur Straße Am Wiesenbach, von wo aus der Blick frei ist auf die Fläche, auf der die Mastanlage entstehen soll.

40.000 Tiere

In zwei Ställen sollen insgesamt 40.000 Tiere pro Mastzyklus gehalten werden. Dagegen sprechen sich die Aktivisten mehrerer Gruppen, unter anderen des BUND, des Nabu, der Fridays und der Parents for Future aus Enger, Bünde, Herford und Bielefeld sowie viele Einzelpersonen deutlich aus.

Es sei schlicht nicht hinzunehmen, dass in Herford der Klimanotstand ausgerufen werde, aber der Bau einer solchen Anlage trotzdem erlaubt sei, konstatierte die Hauptinitiatorin Mareike Glatzel.

Eine Grundsatzfrage

Dem Bauern, der die Massentierhaltung erwägt, um den Fortbestand des Betriebes für seinen Sohn zu sichern, macht die Initiative keinen direkten Vorwurf. „Der handelt nach gültigem Recht“, so Glatzel. Vielmehr gehe es um eine Grundsatzfrage. Massentierhaltung sei nicht zukunftsfähig. „Wir fordern deshalb von der Politik eine Agrarwende, die es den Bauern ermöglicht, eine enkeltaugliche Landwirtschaft zu führen und auf Klasse statt auf Masse zu setzen!“, betonte die Umwelt- und Tierschützerin.

Auch Heinz-Jürgen Uffmann vom BUND sieht grundlegende Probleme in der Agrarpolitik: „Die Verteilung von Fördergeldern ist ungerecht: 80 Prozent der Subventionen verteilen sich auf 20 Prozent der Agrarproduzenten.“

Problem Exkremente

Eines der größten Probleme bei der Mast seien die Exkremente. Dort, wo zu viel Mist anfalle, sei dies kein Dünger mehr sondern Sondermüll, unterstrich das BUND-Mitglied. Folge überdüngter Felder sei eine hohe Belastung des Bodens und damit auch des Grundwassers mit Nitrat.

Im konkreten Fall des geplanten Mastbetriebs in Enger sehen die Aktivisten neben einer ethisch nicht vertretbaren Haltung zigtausender Tiere ein Problem in der Nähe zum Landschaftsschutzgebiet. „Wie kann man beim Bau einer solchen Anlage von ‚Landschaftsschutz‘ sprechen?“, fragen Mareike Glatzel und die Mitbegründer der Initiative, Daniela Bultmann, Anja vor der Brügge-Schütte und Katharina Urban.

Mahnwache am Rathaus

„Erschreckend ist, dass die wenigsten Engeraner überhaupt von dem Bauantrag wissen“, findet Mareike Glatzel.

Am heutigen Montag will die Initiative Engeraner Land von 16.45 bis 17.30 Uhr eine Mahnwache vor dem Rathaus veranstalten, um sich im Vorfeld der Ratssitzung deutlich zu positionieren. Auch sammeln die Aktivisten Unterschriften gegen den Mastbetrieb.

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