So., 16.02.2020

„Cembaless“ überzeugen durch Leichtigkeit, Kreativität und Humor Barockmusik ganz ohne Cembalo

Sie spielen barocke Kompositionen ganz ohne Cembalo: das Ensemble „Cembaless“, bestehend aus Shen-Ju Chang (von links), Stefan Koim, Syavash Rastani, Elisabeth von Stritzky, David Hanke, Annabell Opelt und Robbert Vermeulen, begeistert mit frischen Arrangements alter Musik.

Sie spielen barocke Kompositionen ganz ohne Cembalo: das Ensemble „Cembaless“, bestehend aus Shen-Ju Chang (von links), Stefan Koim, Syavash Rastani, Elisabeth von Stritzky, David Hanke, Annabell Opelt und Robbert Vermeulen, begeistert mit frischen Arrangements alter Musik.

Von Daniela Dembert

Enger  (WB). Das gibt es nicht alle Tage: Die Besucher des Curzweyl Cabinetts im Widukind-Museum lassen sich animieren und stimmen ein in den Gesang des Ensembles auf der Bühne. Die sieben Musiker von „Cembaless“ bescherten den Gästen ein Konzerterlebnis, das nachhaltig in Erinnerung bleiben dürfte.

Angenommen hat sich das Septett der Musik des 17. Jahrhunderts, in deren Kompositionen das Cembalo stark vertreten ist. Da „Cembaless“ in ihrer Besetzung nicht über dieses Instrument verfügen, dürfte der Ensemble-Name erklärt sein.

„Besonderen Wert legen die Musiker auf eigene Arrangements. Sie überzeugen, dass auch moderne Hip-Hop-Beats sehr wohl zur Musik des Barock passen“, sagte Museumsleiterin Regine Krull in ihrer Begrüßung. Nebenbei erwähnt sei „Cembaless“ das jüngste der in diesem Jahr im Curzweyl Cabinett auftretenden Ensembles.

Alte Musik, alte Instrumente - frischer Klang. „Cembaless“ setzt sich zusammen aus Blockflötistin Annabell Opelt, Barockgitarrist und Renaissancelautist Stefan Koim, Viola-da-Gamba-Spielerin Shen-Ju Chang, Theorbist Robbert Vermeulen, Sopranistin Elisabeth von Stritzky, Blockflötist David Hanke und Percussionist Syavash Rastani, die neben ihren multikulturellen Einflüssen auch mit einer enormen Portion unverbrauchter Leichtigkeit und Kreativität punkten.

Ungemein energetisch und leidenschaftlich sind Gesang und Spiel der jungen Musiker, die allesamt als Konzertsolisten schon international bei namhaften Festivals aufgetreten sind. „Alle Stücke, die sie heute Abend hören, sind nicht in dieser Weise überliefert. Es sind unsere Interpretationen, unser Kontext, in dem wir die Kompositionen sehen“, erklärte Opelt. Dem entsprechend haben die sieben ihrem Programm den Titel „Passacaglia della Vita“ gegeben. Die Passacaglia ist ein Variationstanz, der im Barock gern symbolisch für Wiederkehrendes, für einen Kreislauf genommen wurde. „Daher ist es ein schöner Kunstgriff, sie für das Leben stehen zu lassen“, erläuterte Opelt. Alle Facetten des Lebens möchte das Ensemble künstlerisch vertont spiegeln. Dabei gehen die Musiker keinesfalls respektlos mit den jahrhundertealten Kompositionen um, sondern entstauben sie, geben einen lebhaften Eindruck davon, wie sie gedacht gewesen sein könnten.

„Cembaless“ brechen die steife Etikette des Kammerkonzerts auf, überraschen mit Einlagen wie dem Verschenken Iranischer Gräser an die Damen (Valentinstag sollte Anlass genug sein!) und dem anschließenden Musizieren auf dem zuvor als Vase genutzten Tongefäß.

Die Theorbe falsch gestimmt? „Auf der USA-Tournee passiert uns das sicher nicht!“, feixt Syavash Rastani.

„Ein wunderbarer Abend. So spritzig, lebensfroh und voller sichtbarer Spielfreude!“, findet Besucherin Rita Griesmeyer.

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