So., 23.02.2020

Kabarettabend mit Dagmar Schönleber Respekt als Schlüssel zur Glückseligkeit

Dagmar Schönleber spielt beim Karnevalskabarett in Spenge vor ausverkauftem Haus. Gerne nimmt die gebürtigen Lemgoerin Musik in ihr Programm auf und beweist sowohl Talent als Rapperin wie als Liedermacherin.

Dagmar Schönleber spielt beim Karnevalskabarett in Spenge vor ausverkauftem Haus. Gerne nimmt die gebürtigen Lemgoerin Musik in ihr Programm auf und beweist sowohl Talent als Rapperin wie als Liedermacherin. Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Spenge (WB). „Respekt und Disziplin – beides hat mit Werten zu tun. Manchmal auch nur mit den Blutwerten!“ Dagmar Schönleber stemmt die Hände in die Hüften und zieht vom Leder. Denn mit dem Respekt ist’s eine schwierige Sache.

Die Kölnerin hat am Freitagabend ihr aktuelles Programm „Respekt“ beim 9. Spenger Karnevalskabarett in der Aula der Grundschule Spenge/Hücker-Aschen vorgestellt. Das Kulturamt und die Stadtbücherei hatten dazu geladen. Und der Saal war voll.

Vielschichtig sind Schönlebers Betrachtungen: Was ist Respekt? Wo ist er angebracht? Wie zollt man ihn? Und wem? Die Annahme liegt nah, dass die gegenseitige Achtung voreinander eine Errungenschaft der Zivilisation im Zuge der Kommunikation ist. „In der Steinzeit gab’s die Keule. Sprache war noch nicht erfunden. Also hatte der mit der größten und schärfsten Keule Recht“, stellt sie fest. So viel zu „Früher war alles besser“.

„Angst vor Fremdem ist ein Hauptauslöser für Panik und Intoleranz“, urteilt die Diplom-Sozialarbeiterin und macht sich als Präventivmaßnahme direkt zu Beginn ihrer Show mit dem Publikum der ersten Reihe bekannt.

„Bürger wünschen sich respektvollen Umgang“

Repräsentativen Umfragen zufolge wünscht sich der Großteil der Bundesbürger zur Glückseligkeit einen respektvollen Umgang miteinander. Verrückt eigentlich, dass es dann nicht einfach läuft. Aber schon Schiller wusste: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Und so muss sich auch die Kabarettistin einen Persönlichkeitswandel eingestehen: „Eigentlich bin ich eher Punk, aber in mir wächst stetig der Wunsch nach Ordnung. Das macht mir Sorgen“, gesteht sie kulleräugig. Aber es ist ja auch nur allzu nachvollziehbar, dass man sich auf die Lauer legt, um herauszufinden, wer die Altpapiertonnen der Hausgemeinschaft mit nicht gefalteten Kartons verstopft.

Auch für die ihrer Meinung nach zu realitätsfremden Liebeslieder der deutschen Popmusik hat sie kreative Vorschläge in Petto, die der Wertschätzung weit effektiver Ausdruck verleihen dürften als Mark Forsters „Chöre“ und „Konfettiregen“.

Schönleber zeigt auf, wo es hapert

Schönleber entlarvt den Gartenzaun-Nazi in jedem von uns, zeigt aber auch ganz ohne Sarkasmus auf, wo es hapert in der Beziehung, in der Erziehung, bei der Gleichberechtigung und der Integration – die Gitarre immer griffbereit und zu einem Lied aufgelegt. Vom Publikum erntet sie neben Lachen und Applaus manch zustimmendes Kopfnicken.

Neues Programm im Oktober

„Respekt“ ist das fünfte Soloprogramm der Kabarett-Powerfrau, ein neues mit Titel „Die Fels*in der Brandung“ feiert im Oktober Premiere. „In meinen Programmen geht es eigentlich immer um das Miteinander“, erzählt die gebürtige Lemgoerin im Gespräch.

Für „Respekt“ habe sie ein Schlüsselerlebnis in der Straßenbahn gehabt. „Als eine Schwangere in die Bahn stieg und ihr ein Teenager, dem ich es der Optik nach nicht zugetraut hätte, seinen Platz anbot, hat mich das sehr gerührt“, erzählt sie. Ihr Erstaunen habe sie ins Grübeln gebracht.

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