Hausärzte Dr. Hufendiek-Grote und Mechthild Schunk haben Nachfolger gefunden
„Wir können beruhigt in Rente gehen“

Enger (WB). In Zeiten des Hausärztemangels ist das keine Selbstverständlichkeit: Dr. Rüdiger Hufendiek-Grote (65) und Mechthild Schunk (63), die 27 Jahre gemeinsam in der Praxis am Kirchplatz in Enger tätig waren, haben zwei Nachfolger gefunden. Um ihre Patienten kümmern sich künftig Dr. Christoph Becker und Isabel Miksch.

Freitag, 28.02.2020, 06:00 Uhr
Die Hausärzte Dr. Rüdiger Hufendiek-Grote und Mechthild Schunk (vorne) gehen in den Ruhestand. Ihre Praxis übernehmen Dr. Christoph Becker, der bereits seit fünf Jahren mit ihnen zusammenarbeitet, und Isabel Miksch. Sie ist seit Januar dabei. Foto: Ruth Matthes
Die Hausärzte Dr. Rüdiger Hufendiek-Grote und Mechthild Schunk (vorne) gehen in den Ruhestand. Ihre Praxis übernehmen Dr. Christoph Becker, der bereits seit fünf Jahren mit ihnen zusammenarbeitet, und Isabel Miksch. Sie ist seit Januar dabei. Foto: Ruth Matthes

Hospitanz überzeugt

„Wir haben zunächst über die Praxisbörse und die Kassenärztliche Vereinigung versucht, Nachfolger zu finden, doch das war aussichtslos“, blickt Dr. Hufendiek-Grote zurück. Von Dr. Beckers möglichem Interesse erfuhr er schließlich über gemeinsame Bekannte. „Ich war damals nach Stationen im Lukas-Krankenhaus Bünde und der medizinischen Hochschule Hannover in der Herzklinik Bad Oeynhausen tätig“, berichtet Dr. Becker (40). „Ich hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen, einmal etwas Neues kennenzulernen.“ Als dann das Angebot aus seiner Heimatstadt Enger kam und die dreitägige Hospitanz ihn überzeugt hatte, stieg er im Sommer 2015 gerne in die Praxis ein.

In Ruhe eingearbeitet

„Wir waren froh, ihn in Ruhe einarbeiten und langsam kürzer treten zu können“, erzählt Schunk. Als dann mit Isabel Miksch auch eine Nachfolgerin gefunden war, konnten die beiden aufatmen: „Wir können nun beruhigt in Rente gehen, unsere Patienten sind versorgt und wir haben auch keinen Aufnahmestopp wie Kollegen anderenorts“, erklärt Dr. Hufendiek-Grote.

Kommentar

Den Medizinern der Arztpraxis am Kirchplatz ist etwas gelungen, das sich in Herford viele Kollegen wünschen: Sie haben Nachfolger gefunden und einen reibungslosen Übergang organisieren können. Das Beispiel macht deutlich, dass es nicht reicht, sich auf die Praxisbörse und die Kassenärztliche Vereinigung zu verlassen. Eigeninitiative und offene Ohren sind gefragt. Es gibt junge Menschen, die den Klinikalltag hinter sich lassen und selbstständig arbeiten möchten. Um sie zu locken, braucht es aber auch ein fit­tes Team und eine moderne Ausstattung – und eine große Dosis Glück. Ruth Matthes

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Isabel Miksch wurde von Dr. Becker angesprochen. Die beiden hatten bereits im Lukas-Krankenhaus zusammengearbeitet. „Ich war seit mehr als 20 Jahren in der Klinik tätig, zuletzt in der Pneumologie und Kardiologie des Lukas-Krankenhauses, und wollte mich verändern“, sagt die 48-Jährige. „Ich wollte selbstbestimmt arbeiten.“

Arbeit hat sich gewandelt

Schon ihre Mutter war Hausärztin und so wusste sie, was auf sie zukommt. „Wenn auch der Alltag eines Hausarztes damals und heute kaum vergleichbar ist“, wie sie inzwischen weiß. „Damals gab es keine zentrale Notfallpraxis, es wurden viel mehr Hausbesuche gemacht und die Konkurrenz unter den Ärzten war groß.“

Auch Dr. Hufendiek-Grote und Mechthild Schunk können ein Lied von den Veränderungen singen. „Als ich vor 30 Jahren bei Dr. Helbig einstieg, war der Beruf noch ein ganz anderer“, sagt der 65-Jährige. „Die Arbeitsbedingungen und die technischen Möglichkeiten sind nicht mehr zu vergleichen. Wenn ich an die Ul­traschallgeräte der 80er Jahre denke, frage ich mich, wie wir damals etwas erkannt haben.“ Die EDV erleichtere die Arbeit, aber gleichzeitig steige die Arbeitsbelastung, da es weniger niedergelassene Ärzte gebe. „Außerdem kommen die Menschen heute viel früher aus der Klinik“, ergänzt Schunk. „Dafür ist eine Herz-OP mit 70 Jahren kein Problem mehr“, sagt Schunk.

Dr. Hufendiek-Grote hat seine Arbeit sehr gerne gemacht. Die große Bandbreite der Erkrankungen mache sie sehr abwechslungsreich. „Es war schön, die Menschen über einen langen Zeitraum hinweg zu betreuen“, ergänzt Schunk.

Die beiden packt die Wehmut, wenn sie an den Abschied Ende März denken. Doch Dr. Hufendiek-Grote ist sich sicher: „Auch der nächste Lebensabschnitt hat seine Reize. Mit meiner großen Familie mit sieben Enkeln wird es bestimmt nicht langweilig.“

Hausärzteversorgung

Nach den Daten im Bundesarztregister (Mai 2019) gibt es in Deutschland nirgendwo weniger Hausärzte als in Westfalen-Lippe – nämlich nur 59,9 auf 100.000 Einwohner. Bundesweit gab es Ende 2018 mit 50,4 am wenigsten Hausärzte im Kreis Herford. Hier wurden durchschnittlich 1984 Patienten von einem Arzt behandelt.

Nach Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe gibt es im Mittelbereich Herford, zu dem auch Enger, Spenge und Hiddenhausen gehören, eine Versorgungsquote von 79 Prozent. 100 Prozent wären optimal. Ab 75 Prozent spricht man von einer Unterversorgung. Da unter den noch praktizierenden Hausärzten auch einige über 60 Jahre alt sind, hat der Kreis Herford ein Förderprogramm für die Ansiedlung von Hausärzten aufgelegt.

In Enger gibt es nach Informationen von Dr. Rüdiger Hufendiek-Grote insgesamt sieben Praxen, darunter einige Gemeinschaftspraxen. In den vergangenen Jahren seien zwei Kollegen ohne Nachfolger in den Ruhestand gegangen. Neben ihm und seiner Kollegin Mechthild Schunk seinen noch zwei weitere Hausärzte über 60 Jahre alt.

 

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