Wer schießt am Gut Bustedt in Hiddenhausen auf Vögel? – Tier muss eingeschläfert werden
Kanadagans mit Armbrust erlegt

Hiddenhausen/Enger (WB). Die Kanadagans muss höllische Schmerzen haben. Apathisch und völlig entkräftet liegt sie in der mit Stroh ausgelegten Plastikwanne. Der 45 Zentimeter lange Pfeil einer Armbrust hat den Vogel durchbohrt, die messerscharfe Spitze ragt aus dem Oberkörper. Gleich wird sie von ihren Leiden erlöst.

Montag, 16.03.2020, 07:16 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 10:36 Uhr
Noch schlägt das Herz der Kanadagans, aber in wenigen Minuten wirkt das hoch dosierte Narkosemittel. „Wir können sie nur noch von ihren Qualen erlösen“, sagt Tierarzt Dr. Carsten Plischke. Foto: Moritz Winde
Noch schlägt das Herz der Kanadagans, aber in wenigen Minuten wirkt das hoch dosierte Narkosemittel. „Wir können sie nur noch von ihren Qualen erlösen“, sagt Tierarzt Dr. Carsten Plischke. Foto: Moritz Winde

Dr. Carsten Plischke hat schon viele schlimme Dinge in seiner Berufslaufbahn gesehen. Immer wieder machten sich Leute einen Spaß daraus, auf wehrlose Tiere zu schießen. Dieser Vorfall aber geht dem erfahrenen Tierarzt aus Enger an die Nieren. „Es ist natürlich etwas anderes, ob ich eine alterskranke Katze einschläfern muss oder ein eigentlich gesundes Tier. Diese Gans stand mitten im Leben“, sagt der 51-Jährige, als er die Spritze mit dem hoch dosierten Narkosemittel aufzieht.

Operation nicht mehr sinnvoll

Am Mittwoch wurde der abgeschossene Vogel am Gut Bustedt in Hiddenhausen entdeckt. Aber erst einen Tag später konnten ihn Mitarbeiter des Biologiezentrums sichern, nachdem die verwundete und mittlerweile stark geschwächte Kanadagans Schutz bei den Ziegen gesucht hatte. Dann ging’s sofort in die Praxis. Schnell wurde jedoch klar: Der erwachsene Vogel hat keine Überlebenschance. Dr. Carsten Plischke: „Das Röntgenbild zeigt, dass der Pfeil den Magen-Darm-Trakt, die Leber und die Lunge durchschlagen hat. Eine Operation hätte keinen Sinn gehabt.“

Der Pfeil hat innere Organe zerfetzt.

Der Pfeil hat innere Organe zerfetzt. Foto: Moritz Winde

Das Tier wurde also bei lebendigem Leib regelrecht aufgespießt, viele lebenswichtige Organe wurden getroffen. „Anders als zum Beispiel bei einem Treffer direkt ins Herz hätte ihr Todeskampf vermutlich mehrere Tage gedauert. Die Gans wäre langsam innerlich verblutet. Sie hatte bereits eine Lungen- und Bauchfellentzündung“, sagt der Mediziner, der seit 2007 die Praxis Widukind an der Wertherstraße führt. Um der Kanadagans diese Qualen zu ersparen, ist die Einschläferung das Einzige und das Beste, was das Team noch tun kann.

Anzeige wird erstattet

Holger Stoppkotte, stellvertretender Leiter auf Gut Bustedt, ist geschockt über den Vorfall, spricht von Umweltkriminalität. „Das ist ein starkes Stück. Wir werden Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstatten. Na klar wissen wir, dass dies meist im Sande verläuft. Trotzdem wollen wir zeigen: So etwas ist nicht hinnehmbar.“

Der Naturschützer hat eine Vermutung, was das Motiv für den Abschuss sein könnte. „Die Kanadagänse sind sehr laut. Das scheint manchen Leuten auf die Nerven zu gehen. Unterschiedliche Toleranzgrenzen können zu unterschiedlichen Maßnahmen führen.“ Nach Stoppkottes Angaben nimmt die Anzahl der Kanadagänse, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordamerika ist, seit Jahren zu. Am Biozentrum tummeln sich geschätzt etwa 30 Vögel. Immer mal wieder gibt es Überlegungen, den Bestand der größten wild lebenden Gänseart in Deutschland zu dezimieren, da sie als Krankheitsüberträger für zahlreiche Keime gelten.

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