Robin Gerdsmeier kann seine Patienten vorerst nicht behandeln
Warten auf Schutzkleidung

Enger/Spenge (WB). Wer auf Physiotherapie angewiesen ist, darf diese auch weiterhin wahrnehmen – zumindest in der Theorie. Aktuell kann Robin Gerdsmeier seine Patienten in seinen Praxen in Enger, Herford, Bünde und Bielefeld nicht behandeln, es fehlt an der nötigen Schutzkleidung.

Mittwoch, 25.03.2020, 07:00 Uhr
So wie auf diesem Archivbild kann Robin Gerdsmeier seine Patienten aktuell nicht behandeln. In dieser Woche bleiben die Praxen in Enger, Herford, Bünde und Bielefeld zu. Foto: Christina Bode
So wie auf diesem Archivbild kann Robin Gerdsmeier seine Patienten aktuell nicht behandeln. In dieser Woche bleiben die Praxen in Enger, Herford, Bünde und Bielefeld zu.

„Laut der Verordnung zur Verhinderung von Neuinfektionen dürfen wir weitermachen, wenn Patienten eine Verordnung vom Arzt haben, die die medizinische Notwendigkeit der Behandlung belegt“, erklärt Robin Gerdsmeier. In der Verordnung heiße es aber auch, dass strenge Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden müssen. Und genau da liegt das Problem.

Schutzmasken und Kittel fehlen

„Wir tun schon viel“, sagt Gerdsmeier. So würden nach jedem Patienten Bänke und Türklinken desinfiziert, in den Praxen seien Desinfektionsspender aufgestellt, Stühle im Wartebereich wurden auseinandergerückt und der direkte Kontakt so gut es geht vermieden. „Es fehlt aber vorne und hinten an Schutzmasken und Kitteln“, sagt der Physiotherapeut. Der Vorrat sei aufgebraucht und solange keine neue Lieferung komme, müsse er seine vier Praxen schließen. „Ich habe die leise Hoffnung, dass Donnerstag oder Freitag eine Lieferung kommt, denn ich habe glücklicherweise bereits vor einiger Zeit Nachschub bestellt“, hofft Gerdsmeier.

Wenn dem so sei, könne er am Montag mit der Therapie weitermachen. Bis dahin ist die Praxis über einen Anrufbeantworter zu erreichen. „Wir hören jeden Anruf ab und rufen im Notfall auch zurück“, sagt Robin Gerdsmeier.

Beratung per Videochat

Allen Patienten, die nach einer Operation früher als geplant aus dem Krankenhaus entlassen werden und die dort noch nicht die nötige Therapie bekommen haben, bietet er Videochats an. „In unserer Praxis in Enger haben wir einen Raum mit Kameras ausgestattet und können von dort aus Übungen zeigen.“

Gerdsmeier weiß, dass viele Kollegen das gleiche Problem haben. „Wir sollten uns aber alle an die Regeln halten“, appelliert er.

Mitarbeiter sind zu Hause

Unter schwierigen Bedingungen arbeiten aktuell auch Elke und Uwe Düspohl vom Physio-Punkt am Spenger Lönsweg. „Wir haben unsere sechs Mitarbeiter vorsorglich nach Hause geschickt. Mein Mann und ich halten aktuell die Stellung und führen die notwendigen Behandlungen durch“, sagt Elke Düspohl. Auch sie habe die Erfahrung gemacht, dass derzeit keine Möglichkeit besteht, an Nachschub bei Materialien zu kommen. „Wir können nichtmal Einmalhandschuhe bestellen. Zum Teil bekommt man noch nicht einmal Bestellbestätigungen“, sagt sie. 70 Prozent der Patienten hätten ihre Behandlungen schon von alleine abgesagt.

„Im Gegensatz zu vielen kleinen Praxen können zunächst von unseren Rücklagen leben, aber für uns als Freiberufler wird es schwierig, Unterstützung einzufordern“, vermutet Düspohl. „Die Bundesregierung will am Freitag über einen Rettungsschirm abstimmen. Heilmittelerbringer wie wir Physiotherapeuten es sind, wurden darin bislang noch nicht berücksichtigt“, ist Robin Gerdsmeier enttäuscht.

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