Bestatter, Pfarrer und Floristen bedauern veränderte Bedingungen bei Beerdigungen
„Allein mit der Trauer“

Enger/Spenge (HK). Der Schmerz, den Menschen empfinden, wenn sie einen geliebten Menschen verlieren, ist oft unbeschreiblich. Um so schlimmer ist es, wenn nicht einmal einen trostspendende Umarmung oder ein Händedruck möglich sind. Abstand ist aktuell auch bei Beerdigungen das oberste Gebot.

Mittwoch, 22.04.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 16:30 Uhr
Bei den Trauerfeiern im Freien dürften maximal 20 Leute dabei sein.„Da hat die Stimme manchmal keine Chance“, sagt Pfarrer Ulrich Gressog aus Lenzinghausen. Foto: dpa
Bei den Trauerfeiern im Freien dürften maximal 20 Leute dabei sein.„Da hat die Stimme manchmal keine Chance“, sagt Pfarrer Ulrich Gressog aus Lenzinghausen. Foto: dpa

Bestatter, Pfarrer und Floristen versuchen, die Angehörigen so gut es geht zu begleiten. Einig sind sich aber alle darin, dass es kaum Möglichkeiten gibt, den Trauernden wirklich zu helfen. „Abstand und begrenzter Personenkreis, das ist genau das, was es so schwierig macht“, sagt Pfarrer Eckardt Koch von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Enger.

Umarmung untersagt

Catrin Richter von Richter-Bestattungen in Enger beobachtet, dass das Kontaktverbot die gravierendste Einschränkung in Zeiten der Corona-Pandemie ist. „Eine Umarmung, ein Händeschütteln – das, was Trost ausmacht, ist untersagt“, beklagt sie. „Es ist schlimm, mit anzusehen, dass die Angehörigen allein sind. Trauer, die sonst auch während einer Trauerfeier durch die Teilnahme von Freunden und Bekannten auf mehrere Schultern verteilt wird, muss die Familie nun allein tragen.“ Nach den Vorgaben der Landeskirche dürfen nur Verwandte ersten Grades an einer Beerdigung teilnehmen.

In Enger, so beschreibt Richter weiter, habe man aber das große Glück, dass Trauerfeiern in Kapellen stattfinden können. „Die sind bei uns groß genug, dass die Menschen Abstand halten können.“ Auch wenn es zu Lockerungen kommen wird, so glaubt die Bestatterin, werde es bei Beerdigungen keine großen Veränderungen geben.

Nicht mal ein Kaffeetrinken

Catrin Richter erlebt, dass die Trauernden aktuell mit der Situation ganz anders umgehen müssen. „Wir begleiten die Angehörigen auf ihrem schweren Weg“, sagt Richter. Und es schmerzt sie, nicht so wie sonst Trost spenden zu können. „Was jetzt geschieht, wird immer eine Kante bleiben. Der Beistand, der jetzt fehlt, die Art des Abschiednehmens wird bei den Hinterbliebenen haften bleiben. Man darf ja nicht mal gemeinsam Kaffee trinken, um sich gegenseitig zu stärken. Es ist schwer, das zu verarbeiten“, meint Richter.

Trost spenden bei den veränderten Bedingungen ist auch für die Pfarrer nicht ganz einfach. Pfarrer Koch verzichtet ganz auf Hausbesuche bei den Angehörigen, er trifft sich mit ihnen im Gemeindehaus. „Trauergespräche am Telefon lehne ich allerdings ab. Hier geht es um ganz Persönliches, das ist schon im Gemeindehaus schwierig. Vor allem für Ältere“, meint der Pfarrer.

Trauergespräche auch zu Hause

Pfarrer Andreas Günther von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Spenge und seine Kollegen müssen Trauerfeiern im Freien abhalten. „Wir versuchen, das so gut wie möglich zu gestalten. Jetzt, da das Wetter besser ist, ist das einfacher“, sagt der Pfarrer. Er ermöglicht Freunden und Angehörigen eines Verstorbenen, den Sarg zu tragen, so dass sie bei der Feier dabei sein können. Zu Trauergesprächen besucht Günther die Angehörigen zu Hause. „Natürlich achten wir dabei streng auf den nötigen Abstand.“

Pfarrer Ulrich Gressog aus Lenzinghausen bemüht sich, die Menschen schon in den Trauergesprächen auf die veränderten Bedingungen vorzubereiten. Er trifft sich mit ihnen im Gemeindehaus, geht aber auch zu ihnen nach Hause. „Ich achte auf Distanz, aber das ist ein ganz komisches Gefühl“, sagt Gressog.

Maximal 20 Gäste

Bei den Trauerfeiern im Freien dürften maximal 20 Leute dabei sein. „Da hat die Stimme manchmal keine Chance.“ Er ist dankbar, dass es inzwischen Verstärker gibt. Aus der Box erklingt häufig auch Musik. Schließlich falle ein Orgelspiel aus. Und gesungen werde bei Beerdigungen ohnehin immer weniger. An seiner Ansprache habe sich nichts geändert. „Ich erinnere an den Menschen, an das, was er den Angehörigen bedeutet hat. Und das ist drinnen wie draußen gleich.“

Floristin Anke Rudel bekommt Aufträge für Kränze von Freunden von Verstorbenen. „Das ist eine tolle Geste. So können Freunde teilhaben, auch wenn sie nicht zur Beerdigung kommen dürfen.“

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