An der Jöllenbecker Straße in Enger gilt in der Schutzzone Tempo 50, aber viele ignorieren es
Krötensammler leben gefährlich

Enger (WB). Als Christoph Radke am Sonntagmorgen gerade den letzten Kröteneimer kontrolliert, hält ein Radfahrer neben ihm: „Und? Was gefunden?“, will er wissen. „Nein, heute nicht. Es ist viel zu trocken“, antwortet Radke. „Egal. Ich finde es super, dass Sie sich kümmern“, lobt der Radfahrer und zieht weiter.

Mittwoch, 29.04.2020, 12:06 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 12:10 Uhr
Wenn Christoph Radke den Krötenzaun entlang der Jöllenbecker Straße kontrolliert, kommen ihm Autos manchmal bedrohlich nah. Während der Wanderungszeit der Tiere gilt hier zum Schutz der ehrenamtlichen Mitarbeiter seit zwei Jahren Tempo 50 statt Tempo 70. Doch längst nicht jeder Autofahrer hält sich daran. Foto: Peter Monke
Wenn Christoph Radke den Krötenzaun entlang der Jöllenbecker Straße kontrolliert, kommen ihm Autos manchmal bedrohlich nah. Während der Wanderungszeit der Tiere gilt hier zum Schutz der ehrenamtlichen Mitarbeiter seit zwei Jahren Tempo 50 statt Tempo 70. Doch längst nicht jeder Autofahrer hält sich daran. Foto: Peter Monke

Das Einsatzgebiet von Christoph Radke ist ein gut 500 Meter langes Stück der Jöllenbecker Straße in der Senke zwischen Pödinghausen und Jöllenbeck. Etwa alle zehn Meter steht ein Kröteneimer. „Im Moment sind wegen der Trockenheit aber nicht alle offen. Deshalb geht es etwas schneller“, erklärt der Diplom-Biologe.

Gut eine halbe Stunde braucht er dann für seine Runde – immer in den Morgenstunden, bevor die Sonne den Tieren in den Eimern zu stark zusetzen würde. Wenn der Hauptstrom der Krötenwanderung unterwegs ist – vor allem bei warmen und gleichzeitig feuchten Wetterlagen – können es aber auch mal anderthalb Stunden Arbeit sein. Dann wird auch am Abend nochmal jeder Eimer kontrolliert.

37.819 Tiere im Jahr 2018

Mehrere Zehntausend Tiere sind in manchen Jahren unterwegs. Für den Zaun an der Jöllenbecker Straße werden Zahlen seit 2016 erfasst. Das bisher stärkste Jahr war 2018 mit 37.819 Tieren. In diesem Jahr konnten bislang 1481 Tiere gezählt werden. „Aber die Rückwanderung von den Laichgebieten hat gerade erst begonnen. Und in guten Jahren kommt da ja noch jede Menge Nachwuchs an“, sagt Christoph Radke.

In den Eimern landen fast ausschließlich Erdkröten. Es gibt aber auch ein paar Gras- und Teichfrösche sowie Teich- und Bergmolche, denen über die Straße geholfen werden muss. Sogar der sehr seltene Kammmolch konnte nachgewiesen werden. Bislang aber nur ein einziges Mal.

„Es ist auf jeden Fall ein Amphibien-Hotspot, den es ohne Zaun vielleicht schon nicht mehr gäbe“, sagt Christoph Radke, der bei seiner ehrenamtlichen Arbeit von fünf Mitstreitern unterstützt wird. Denn auf der stark befahrenen Jöllenbecker Straße hätten die Tiere während der Wanderung keine Chance.

Zum Schutz der Krötensammler gilt seit zwei Jahren Tempo 50 statt Tempo 70 entlang der Schutzzone – was längst nicht jedem Autofahrer gefällt. „Hier wird von manchen schon ganz schön gebrettert“, erzählt Christoph Radke. „Manche erschrecken sich richtig, wenn wir in der Kurve mit unseren Warnwesten plötzlich ins Sichtfeld geraten. Es gibt aber auch welche, die uns einen Vogel zeigen.“

Fester Krötentunnel als langfristige Lösung

Abhilfe könnte langfristig ein fester Krötentunnel unter der Jöllenbecker Straße schaffen. Doch eine solche Baumaßnahme ist teuer. Und da die Schutzzone in einem Grenzgebiet liegt – und es sich noch dazu um eine Landesstraße handelt – müssten sich die Städte Enger und Bielefeld sowie der Kreis Herford und Straßen NRW am Ende einig sein.

„Wenn die Straße irgendwann mal saniert werden muss, wäre es schön, wenn man einen Krötentunnel mit einplant“, meint Christoph Radke. Langfristig könne man so sogar Geld sparen, denn: „Auf- und Abbau des Krötenzauns verursachen jedes Jahr ja auch Kosten.“

 

Kommentar

Die Jöllenbecker Straße zwischen Pödinghausen und Jöllenbeck ist seit Jahren eine Raserstrecke. Die Senke verleitet Autofahrer in beide Fahrtrichtungen dazu, kräftig aufs Gaspedal zu drücken. Da die Strecke kurvig ist, ein riskantes Verhalten – vor allem wenn die Fahrbahn nass, mit Laub bedeckt oder gar vereist ist. Immer wieder gibt es schlimme Unfälle

Anwohner des angrenzenden Wohngebietes Vorm Sonnenbrink setzen sich seit Jahren für eine Drosselung der Geschwindigkeit an dieser Stelle ein und erreichten, dass statt Tempo 100 jetzt normalerweise Tempo 70 gilt. Doch schon das ignorieren viele Autofahrer.

Wer sich der Natur nicht unbedingt positiv verbunden fühlt, mag Tempo 50 auf einer breiten Hauptverkehrsader wegen der Krötenwanderung als Zumutung empfinden. Doch der Schutz der ehrenamtlichen Helfer sollte den Zeitverlust weniger Sekunden aufwiegen.

Ein Kompromiss könnte in einer zeitlichen Beschränkung des Tempolimits auf die Morgen- und Abendstunden liegen – dann, wenn die Krötensammler auch wirklich unterwegs sind.

 

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