Wie das Widukind-Gymnasium und die Realschule Enger ins Schuljahr starten
Putzen, lüften, Maske tragen

Enger (WB). Der Start ins neue Schuljahr am kommenden Mittwoch wird eine Herausforderung – für Schüler wie Lehrer. Denn nach den Vorgaben des Landes NRW müssen die Jungen und Mädchen nicht nur auf dem Schulgelände Maske tragen, sondern auch im Unterricht. Für die Lehrer heißt es: immer wieder desinfizieren, lüften – und nebenbei noch den Stoff der vergangenen Monate aufholen.

Sonntag, 09.08.2020, 05:03 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 05:10 Uhr
Beatrix Diel, kommissarische Leiterin der Realschule Enger, bei einer der Tätigkeiten, die sie und ihre Kollegen weiter begleiten werden: Nach jeder Stunde muss desinfiziert und gelüftet werden. Der Mund-Nasen-Schutz ist auch im Unterricht Pflicht. Fotos: Ruth Matthes

Beatrix Diel, kommissarische Leiterin der Realschule Enger, und Dr. Ulrich Henselmeyer, Direktor des Widukind-Gymnasiums (WGE), sind froh, wieder unterrichten zu können, wissen aber auch um die enorme Belastung, die auf alle zukommt: „Das Maskentragen ist komplett unangenehm, pädagogisch schlecht, aber die Gesundheit geht vor“, fasst es Diel zusammen.

Einmal durchatmen

Verschnaufpausen soll es aber geben: „Damit die Kinder angesichts der Hitze, die angesagt ist, auch mal durchatmen können, haben wir beschlossen, dass sie nach dem regelmäßigen Händewaschen auf den Flur gehen und dort einmal ohne Maske Luft holen können“, sagt Diel. Am WGE ist das nicht geplant, „doch wir werden, wenn wir den Eindruck haben, dass es nötig ist, mit den Schülern auch an die Luft gehen, wo sie auf Abstand den Schutz ablegen können“, erklärt Henselmeyer.

Glücklicherweise sei das Gymnasium mit vier Hektar Außengelände so groß, dass allen Stufen für die Pause bestimmte Bereiche zugewiesen werden konnten, damit sie sich nicht durchmischen. „Ganz vermeiden lässt sich das jedoch leider nicht, denn spätestens im Nachmittagsbereich kommen im Ganztag wieder Kinder verschiedener Klassen zusammen“, bedauert Henselmeyer.

Lehrplan bleibt

In der Realschule fallen die AGs am Nachmittag aus, die Mensa-Zeiten werden entzerrt. Zu einer Mischung verschiedener Klassen kommt es aber im Bereich der Differenzierung ab Klasse 7. „Das Ministerium hat angeordnet, dass der Differenzierungsunterricht weiter stattfindet“, erklärt Diel.

Sie bedauert, dass aus Düsseldorf „keine Entschlackung“ der Lehrpläne gekommen ist. „Ich hätte es gut gefunden, wenn wir in den ersten drei Wochen erst einmal alle Schüler auf einen Stand hätten bringen können und dafür eine Klassenarbeit weniger geschrieben hätten“, sagt sie.

Ungleiche Chancen

„Denn die Voraussetzungen der Kinder für das Homeschooling sind ganz unterschiedlich. Einige sind bestens ausgestattet und werden von ihren Eltern unterstützt, andere müssen sich mit schlechten Endgeräten selbst durch das digitale Lernen kämpfen.“ Daher habe es für einige Schüler während der Zeit der Schulschließung auch eine Art Notbetreuung in der Schule gegeben. „Was fehlt, müssen wir aufholen“, betont Diel. Sie hoffe, Lehrer, die durch den Wegfall der AGs frei würden, für diese Förderung einsetzen zu können.

„Auch bei uns ist der Stand der Schüler sehr unterschiedlich. Wenn bestimmte Grundlagen fehlen, kann man nicht einfach weitermachen. Wir werden beim Stoff Prioritäten setzen müssen“, urteilt Henselmeyer.

Klassenfahrten

Was die Digitalisierungs-Fortbildungen für die Lehrerinnen und Lehrer angeht, werde von Seiten des Landes auch wenig angeboten, bedauert Diel: „Wir werden uns jetzt selbst auf den Weg machen und ein Konzept für guten digitalen Unterricht erarbeiten“, kündigt sie an. „Die Ausstattung alleine macht es schließlich nicht.“

Klassenfahrten innerhalb Deutschlands seien vom Ministerium erlaubt worden. „Bei uns fahren in Kürze die 8. Klassen. Voraussetzung dafür war, dass uns alle Anbieter bestätigen, dass sie die Corona-Schutzbestimmungen einhalten“, so Diel.

Gesundheit

Wer es für seine Kinder als nicht zumutbar empfindet, mit Maske zu lernen (siehe Leserbrief unten) könne sie nur dann vom Unterricht fernhalten, wenn gesundheitliche Gründe dafür vorlägen, so Henselmeyer. „Möglichst nach Absprache mit dem Arzt sind sechs Wochen ohne Attest möglich. Der Stoff muss trotzdem erarbeitet werden.“

Henselmeyer hofft, dass die strengen Maßnahmen, die bis zum 31. August begrenzt sind, danach abgemildert werden. Er wisse, dass das Maskentragen für alle eine unglaubliche Belastung ist, doch er erinnert daran, dass es Berufe gibt, in denen die Mitarbeiter ebenfalls stundenlang einen Mundschutz tragen müssen: „Es ist unangenehm, aber möglich.“

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