Vor der Stichwahl in Enger: Thomas Meyer (SPD) und Philip Kleineberg (CDU) im Interview
Wer gewinnt das Rennen ums Rathaus?

Enger (WB). Am Sonntag entscheidet sich, wer die Stadt Enger in den nächsten fünf Jahren als Bürgermeister führen wird. Bei der Kommunalwahl am 13. September hatten weder Bürgermeister Thomas Meyer (SPD, 46,4 Prozent) noch Herausforderer Philip Kleineberg (CDU, 37,8 Prozent) die absolute Mehrheit der Stimmen holen können. Im Interview äußern sich beide noch einmal zu Themen, die die Engeraner aktuell bewegen. Die Fragen stellte Christina Bode.

Freitag, 25.09.2020, 05:20 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 09:24 Uhr
Der Herausforderer des Bürgermeisters Thomas Meyer (SPD), CDU-Kandidat Philip Kleineberg (links), erhielt am 13. September 3485 Stimmen. Für Amtsinhaber Thomas Meyer votierten 4269 Engeraner. Fotomontage: Picht Foto:
Der Herausforderer des Bürgermeisters Thomas Meyer (SPD), CDU-Kandidat Philip Kleineberg (links), erhielt am 13. September 3485 Stimmen. Für Amtsinhaber Thomas Meyer votierten 4269 Engeraner. Fotomontage: Picht

Im ersten Wahlgang hat keiner von Ihnen die absolute Mehrheit der Stimmen geholt. Hätten Sie mit einer Stichwahl gerechnet?

Thomas Meyer: Bei drei Bewerbern muss man immer mit einer Stichwahl rechnen. Und es haben nur gut 300 Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt, das ist ein gutes Ergebnis, das ich als Rückenwind in die Stichwahl mitnehme. Am kommenden Sonntag wird neu gewählt und entschieden und dann gilt es: Wer gewinnt, wird in den kommenden 5 Jahren die Geschicke der Stadt wesentlich mitgestalten. Daher bitte ich alle Mitbürger*innen, sich an der Stichwahl zu beteiligen und um ihre Stimme. Dann kann ich meine Arbeit zum Wohle der Stadt gemeinsam mit ihnen fortsetzen.

Philip Kleineberg: Eine Stichwahl gegen einen Amtsinhaber ist eine Überraschung und ein großer Erfolg für mich. Wir haben auf eine Stichwahl gehofft, aber nicht unbedingt damit gerechnet. Die Stichwahl gibt mir aber die Möglichkeit, mein Programm noch einmal fokussiert in den Mittelpunkt zu stellen. Die vergangenen Tage waren sehr intensiv und haben mir gezeigt, dass der Wunsch nach einem Aufbruch und Wechsel in Enger sehr deutlich spürbar ist.

Die Grünen

Die Grünen haben bei der Kommunalwahl ein sehr gutes Ergebnis erreicht und belegen künftig acht Plätze im Stadtrat. Können Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen? Wenn ja, in welchen Bereichen?

Meyer: Als Bürgermeister und Vorsitzender des Stadtrates arbeite ich immer mit allen demokratisch gewählten Parteien gut zusammen. Ich bin ein politischer Mensch, in meiner Arbeit aber nicht parteipolitisch. Es ist mir wichtig, für alle Mitbürger, somit zum Wohle der Stadt, als Ganzes zu arbeiten. Thematisch gibt es zu den „Grünen“ eine große Nähe, sei es beim Klimaschutz, dem mir wichtigen Thema des Wohnens für alle Einkommens- und Lebenssituationen, der zukünftigen Mobilität, der Erneuerung der Innenstadt oder auch der Beteiligung der Mitbürger an wichtigen Entscheidungen. Dem Thema „Klimaschutz“ werde ich zukünftig neben Beirat und Klimaschutzmanager eine noch stärkere Bedeutung geben zum Beispiel durch ein eigenes Beschlussgremium.

Kleineberg: Mit den Grünen haben wir in der Vergangenheit schon Schnittmengen gehabt. Ich denke da vor allem an den Bereich „Stadtplanung“ und „nachhaltige Entwicklung der Stadt“, hier sind wir nicht weit auseinander. Auch der Bereich öffentlicher Nachverkehr und Mobilität der Zukunft ist ein Eckpfeiler unseres Programms, hier kann sicher gemeinsam viel bewegt werden. Darüber hinaus bin ich sicher, dass sowohl die Grünen als auch die CDU ein sehr großes Interesse an der Weiterentwicklung unserer schönen Stadt haben, somit lassen sich ganz sicher weitere Anknüpfungspunkte für eine gute und stabile Zusammenarbeit in der neuen Legislaturperiode finden.

Prioritäten

Welches Thema würden Sie zu Beginn der neuen Amtszeit als erstes angehen?

Meyer: Da sind viele Themen gleichrangig wichtig, sie müssen parallel mit Nachdruck verfolgt werden. Zum einem werde ich die Entwicklung des Wohn- und auch des Gewerbegebiets am Sieler Weg als städtisches Projekt unter starker Beteiligung der Mitbürger*innen, insbesondere der Anwohner voranbringen. Für die Erneuerung des Ortskerns in den kommenden Jahren werde ich schnellstmöglich einen Planungs- und Realisierungswettbewerb anstoßen, der die Innenstadt aus Sicht der „Nutzer“ als Ganzes sieht und Aspekte wie Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität, Verkehr und Stellflächen für Autos und Fahrräder berücksichtigen soll. Die überzeugendste Planung wird dann schrittweise umgesetzt. Ich werde weitere Kita-Plätze schaffen, die Digitalisierung aller Schulen weiter voranbringen, die Umsetzung des Radweges an der Nordhofstraße nach Westerenger/Dreyen anstoßen und die Neubaufrage für die Grundschule Enger klären. Dies sind nur einige Beispiele.

Kleineberg: Die Schulwegsicherheit im Bereich der Grundschule muss unverzüglich verbessert werden. Die Schaffung einer Sportanlage am Gymnasium für Schüler, Vereine und Hobbysportler muss ebenfalls schnell angegangen werden. Der drängende Sanierungsstau an den Schulen muss energisch beseitigt werden. Hierzu gehört es, auch den Erhalt und die Weiterentwicklung der Grundschule Enger-Mitte in den Fokus zu nehmen. Im Wahlkampf ist von den Kandidaten in den Wahlbezirken oft berichtet worden, dass die Bürger sich durch die Verwaltung uninformiert fühlen. Ich werde also eine Bürgerversammlung zum Thema Straßensanierung der Jöllenbecker und der Bielefelder Straße veranstalten. Auch die Anlieger am Sieler Weg im Hinblick auf das geplante Neubaugebiet müssen vor Beschlüssen besser angehört werden.

Heckewerthgelände

Wie sind Ihre Visionen für das Heckewerthgelände?

Meyer: Ich arbeite daran, eine nachhaltige Bebauung der Fläche zu realisieren. Hier geht es um eine wirklich langfristig positive Entwicklung und Auswirkung auf die Innenstadt und nicht um Schnellschüsse. Eine Nutzung von Dienstleistung, möglicherweise Ärzten und qualitätsvoller Gastronomie, ergänzt durch Wohnungen in oberen Etagen ist für mich attraktiv und erscheint nach neueren Gesprächen umsetzbar. Auch ansprechender Einzelhandel, wozu ich auch einen Drogeriemarkt zähle, gehört für mich natürlich dazu. Das Ganze eingebunden in den Stadtentwicklungsprozess und hochwertig gestaltet. Da es sich bei dem Grundstück ja um eine Privatfläche handelt, sind die Eigentümer „mit im Boot“.

Kleineberg: Am besten eine Kombination aus Einzelhandel und Gastronomie. Ein Pflegeheim oder eine Umnutzung zu Wohnungen, bringt gar nichts und bedeutet den Verlust einer der letzten Entwicklungsflächen im Innenstadtbereich. Dazu möchte ich Gespräche mit der Eigentümerfamilie und Investoren führen, um die beste Lösung für Enger und alle Beteiligten zu finden. Ich möchte, dass diese Wunde im Herzen von Enger endlich geschlossen wird.

Barmeierplatz

Im Rahmen des neuen ISEK soll der Barmeierplatz umgestaltet werden. Wie könnte das konkret aussehen?

Meyer: Der Barmeierplatz steht bei der Innenstadtgestaltung im Mittelpunkt und muss vorrangig neu „gedacht“ und gestaltet werden. Ausgehend von seiner Gestaltung und Nutzung ergeben sich Auswirkungen auf die umliegenden Straßen und Plätze. Verkehr und auch Stellplätze könnten reduziert werden bzw. entfallen, die Parkpalette muss aber erreichbar bleiben, was von der Bahnhofstraße Stand heute aufgrund der Eigentumsverhältnisse nicht ermöglicht werden kann. Die Aufenthaltsqualität muss ganzjährig steigen und so muss er auch genutzt werden. PKW-Stellplätze müssen anderswo innenstadtnah Platz finden. Ich schlage einen Gestaltungswettbewerb für Planungsbüros vor, der den gesamten Ortskern in den Blick nimmt und ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Innenstadt zum Ziel hat. Die Umsetzung wird dann schrittweise erfolgen.

Kleineberg: Ich sehe hier ein Maßnahmenpaket: Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch Reduzierung des Durchgangsverkehrs, ggf. eine Einbahnstraßenregelung, Schaffung eines echten Platzes, im Innenstadtbereich, wo Menschen die Möglichkeit für ein echtes Miteinander haben, Parkmöglichkeiten auf ein Minimum reduzieren, Verlegung des Wochenmarktes, Gastronomie unterstützen und eine Begrünung des Areals.

Gartenhallenbad

Warum ist es für Enger wichtig, das Gartenhallenbad neu zu gestalten?

Meyer: Das Gartenhallenbad ist für viele Mitbürger*innen und nicht nur für mich eine ganz wichtige Einrichtung in unserer Stadt. In Enger kann jedes Kind schwimmen lernen. Das wird mit mir auch so bleiben. Als Familienbad im besten Sinne ermöglicht es zu günstigen Preisen ortsnah Schwimmen und Planschen, Spielen oder Ausspannen. Dazu wird die jetzt geplante Erweiterung wesentlich beitragen mit einem Multifunktions- und Ruhebereich und dem eigenen Kinderbecken innerhalb des Gebäudes. Damit lasse ich das Bad modern und zukunftsfähig gestalten, auch für die Nutzung durch Sportvereine, die Schwimmschule und nicht zu vergessen das Schulschwimmen, das mir sehr am Herzen liegt.

Kleineberg: Das Gartenhallenbad ist wichtig für Enger, da eine Kommune auch Freizeiteinrichtungen vorhalten muss, daneben bietet die Liegefläche und das Außenbecken vor allem im Sommer hohe Aufenthaltsqualität. In Zeiten, in denen immer mehr Kinder nicht mehr schwimmen lernen, erfüllen Hallenbäder auch eine wichtige pädagogische Funktion – hier ist vor dem Hintergrund steigender Zahlen von Badeunfällen dringender Handlungsbedarf, den ich gern unterstützen möchte. Ein Kinderbereich und ein Ruhebereich fehlen aber einfach und die vorgestellten Pläne ermöglichen eine Verbesserung ohne größere Umbauten des Bestandes. Die Schaffung einer Beach-Bar im Außenbereich nach Vorbild des Aloha-Beach-Clubs würde außerdem das gastronomische Angebot in Enger erheblich aufwerten. Dazu sollte geprüft werden, ob auch die mittlerweile nicht mehr den Hygienevorschriften entsprechenden Sanitärräume, die vom SV Enger-Westerenger genutzt werden, mit saniert werden können.

Sieler Weg

Aktuell fehlen in Enger 50 Kindergartenplätze. Diese könnten – in Zusammenspiel mit zusätzlichem Wohnraum - in einer neuen Kita im geplanten Baugebiet am Sieler Weg entstehen. Wie stehen Sie zu diesen Plänen?

Meyer: Die Schaffung weiterer Kita-Plätze in der Stadt werde ich umsetzen. Eine Wohnentwicklung an dieser Stelle, neben der zeitgleichen Bereitstellung einer Gewerbefläche, ist mir sehr wichtig. Aber nicht irgendeine! Neben verschiedenen Wohnformen wie Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern sowie (Miet-)Geschosswohnungen steht im Vordergrund eine nachhaltige, ökologische Gestaltung mit großzügigen Grünflächen, dem Erhalt der Baumallee an der Hühnerrottstraße, dem Verbot von Schottergärten, regenerativer Energieversorgung u.v.m. Auch eine Kita im Wohnquartier gehört dazu. Es geht aber vor allem um die Schaffung barrierearmen und bezahlbaren (Miet-)Wohnraums, der für kleinere und große Haushalte in dafür benötigter Größe in unserer Stadt schlicht fehlt, aber nachgefragt wird.

Kleineberg: Das ist nur die halbe Wahrheit! Wenn am Sieler Weg gleichzeitig 100 Wohneinheiten entstehen, dann wird die dort geplante Kita die Kinder, die in dieses Wohngebiet ziehen, schon kaum aufnehmen können. Die 50 Plätze fehlen dann weiter. Dieser Fakt ist von der CDU mehrfach betont worden, die vorhandene Infrastruktur muss Neubürger auch verkraften können. Die immer neue Ausweisung von Neubaugebieten schafft eben auch Probleme und das muss mehr Beachtung in ganzheitlichen und langfristigen Planungen finden.

Klimaschutz

Mit welchen Themen sollte sich der neu gegründete Klimabeirat befassen?

Meyer: Der Klimabeirat wird sich bei der Themenvielfalt seine Schwerpunkte selbst setzen. Der Beirat berät Verwaltung und Stadtrat unabhängig und ohne Vorgaben. Er wird klimaschutzrelevante Themen behandeln und die Arbeit des Klimaschutzmanagers u.a. bei der Aufstellung des Klimaschutzkonzepts begleiten, sich aber auch mit Mobilität, Stadtplanung oder Gebäudemanagement befassen. Das mit Experten besetzte Gremium soll sich als Impulsgeber verstehen für Maßnahmen und Projekte beim Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung.

Kleineberg: Der Klimaschutzbeirat muss sich mit Klimaschutz in Enger beschäftigen und Vorschläge, die hier in Enger umsetzbar sind, machen. Diese können dann in den gewählten politischen Gremien diskutiert werden. Sinnvolle Aspekte werden wir aufgreifen und hoffentlich auch zeitnah umsetzen können. Der Beirat ersetzt aber nicht den Rat mit seinen Ausschüssen, dieser hat stets das letzte Wort und ist das von den Bürgern gewählte Entscheidungsgremium, wo über die konkrete Zukunft von Enger entschieden wird.

Der Richtige

Warum wären Sie der richtige Bürgermeister für die Stadt Enger?

Meyer: Ich bin ehrlich, kann gut zuhören, kann Entscheidungsprozesse moderieren und ausgleichend wirken. Ich gebe gerne Ideen und Ziele vor, diskutiere dann, wäge unterschiedliche Auffassungen ab und treffe anschließend Entscheidungen. Ich habe als Diplom-Verwaltungsbetriebswirt mit über 25-jähriger Berufserfahrung die erforderliche Fachkompetenz, um eine Stadtverwaltung mit ihren zahlreichen Aufgaben wie Schule, Kinderbetreuung, Sport und Freizeit, Stadtentwicklung sowie Klimaschutz, Mobilität und Finanzen auch rechtlich verantwortungsvoll zu steuern. Auch habe ich als 49-jähriger verheirateter Familienvater von 2 Kindern ausreichend Lebenserfahrung für das Bürgermeisteramt. Ich bin bürgernah, nehme meine Mitmenschen ernst und bei Entscheidungen mit. Zuhören, abwägen, entscheiden - das trifft es wohl ganz gut.

Kleineberg: Enger ist in den vergangenen Jahren vor allem verwaltet worden. Wirklich zukunftsweisende Gestaltungen mit echt neuen Impulsen hat es nicht gegeben. Wirtschaftsförderung ist nicht oder kaum sichtbar betrieben worden, neue Ideen für die Innenstadt sind nicht eingebracht worden und die Ortsteile werden immer mehr zu reinen Schlafstädten. Eine Anbindung an das Zentrum von Enger wird offenkundig nicht forciert. Das wird leider alles irgendwie passiv hingenommen. Enger braucht einen Bürgermeister, der agil ist, neue Ideen und Anregungen einbringt und Bürger aber auch seine direkten Mitarbeiter in der Stadtverwaltung begeistern und mitnehmen kann. Ich bin sicher, dass nur so eine Aufbruchstimmung entsteht, die Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung von Enger ist. – Meine Stärke ist es Menschen zu begeistern und greifbare Ziele in die Wirklichkeit umzusetzen ohne leere Versprechungen zu machen. Enger hat Potential, das endlich wieder gehoben werden muss.

 

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