Evangelisches Jugendzentrum Enger: Nachfolge tritt Tina Obermeier an
Bernd Rammler 35 Jahre Leiter des „Zebra“

Enger  (WB). 35 Jahre lang ist Bernd Rammler das Gesicht des evangelischen Jugendzentrums (JZ) in Enger gewesen – und wird es auch weiterhin bleiben. Allerdings will der 59-Jährige jetzt etwas kürzer treten und die Leitung an Diplom-Pädagogin Tina Obermeier abgeben.

Donnerstag, 01.10.2020, 05:30 Uhr
Seit 35 Jahren leitet Bernd Rammler das Evangelische Jugendzentrum „Zebra“ in Enger. Foto: Daniela Dembert
Seit 35 Jahren leitet Bernd Rammler das Evangelische Jugendzentrum „Zebra“ in Enger. Foto: Daniela Dembert

Die Vorbereitung auf den Ruhestand? „Jetzt doch noch nicht!“, winkt der Diakon ab. Vielmehr wolle er sich mehr auf den Arbeitsbereich Coaching konzentrieren, um in einem Jahr einen Teil seiner Stunden an die Kollegin abzutreten.

Rückblick

Jetzt wird aber erstmal mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern und Besuchern auf die vergangenen 35 Jahre angestoßen. „Als ich nach Enger kam, gab es nur die teiloffene Tür. Das haben wir ausgebaut. Klasse fand ich, dass man mir Zeit und Raum gegeben hat, mich konzeptionell auszuprobieren“, erzählt Bernd Rammler.

Der Pädagoge setzt auf Mitbestimmung: „Man muss Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, einen Bereich zu finden, in den sie sich einbringen können.“

Freitagsdisko

Ein Höhepunkt sei 1988 die Entstehung der Freitagsdisko gewesen. „Wir haben alles selber gemacht: das DJ-Pult, Deko, die Bänke. Zeitweise waren etwa 25 Ehrenamtliche im Disko- und Thekenteam eingebunden“, blickt er gern zurück. Sogar einen Shuttle-Bulli habe es gegeben.

Auch Reisen für Jugendliche und junge Erwachsene hat Rammler organisiert. „Das sollte nicht einfach Bespaßung im Urlaubsland sein. Auch hier ging’s um Teamwork, darum, für einen Aufgabenbereich verantwortlich zu sein und um das Erleben.“

Gegen Rassismus

Über allem, was im Jugendzentrum passiert steht die Maxime „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Sich für etwas einzusetzen heiße, sich im Leben zu positionieren, eine Haltung einzunehmen, findet der Pädagoge. Dabei habe er junge Menschen begleiten wollen.

In den 90er Jahren lag ein Schwerpunkt auf der Arbeit gegen Rassismus. Aus dieser ist auch der Name „Zebra“ hervorgegangen. Rammler erklärt’s: „Das Zebra war das Symbol für die Gewaltakademie Villigst, die ich 2002 mit gegründet habe. Es ist nicht schwarz oder weiß, sondern beides. Wir haben das für uns aufgegriffen, aber unser Zebra sollte bunt sein.“ Unlängst hat Bernd Rammler durch das Engeraner Manifest gemeinsam mit den Kollegen vom städtischen Jugendzentrum Kleinbahnhof den friedlichen Kampf gegen Rassismus wieder verstärkt.

Inklusion

Nicht immer sei es für ihn und das Jugendzentrum gut gelaufen, blickt der Diakon zurück. 2010 sei die Nachricht über den Verkauf des Gebäudes ein finsterer Moment gewesen. „Wir hatten lange Zeit keine Idee, wo wir hin sollten.“ Ein persönlicher Tiefschlag ereilte Bernd Rammler 2004 mit der Diagnose Multiple Sklerose.

Dem Gehstock folgte der Rollator, schließlich der Rollstuhl. „Natürlich hat mich mein Arbeitgeber zwischenzeitlich gefragt, ob die Situation noch zu verantworten sei. Aber letztendlich muss ich als Leiter das verantworten können. Und ich beabsichtige, noch nicht aufzugeben“, sagt Rammler mit verschmitztem Grinsen. Seinen Mitarbeitern sei es zu verdanken, dass Inklusion nicht nur eine nett gemeinte Worthülse sei.

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