Familie Möller züchtet auf ihrem Hof in Westerenger 80 Kürbissorten
Herbstlicher Alleskönner

Spenge (WB). Sie sind groß und rund, gurkenförmig oder klein und pickelig: Etwa 80 verschiedene Kürbissorten züchtet Familie Möller auf ihren Feldern in Westerenger. Jeden Herbst ist die rustikal ländlich dekorierte Deele mit ihrer bunten Kürbispracht ein Magnet für Deko-Fans und Menschen, die die Feldfrucht ihrer kulinarischen Vielseitigkeit wegen schätzen.

Samstag, 17.10.2020, 05:00 Uhr
Schlemmen Leckeres aus Kürbis: Erika Tholen (von links), Henning Möller und Anja Pohlmann-Thielking. Foto: Daniela Dembert
Schlemmen Leckeres aus Kürbis: Erika Tholen (von links), Henning Möller und Anja Pohlmann-Thielking.

Kürbis liegt im Trend, unzählige Rezeptideen vom Chutney über Püree, gefüllte Varianten, Grillkürbis bis hin zur Suppe sind in jedem Herbst den Zeitschriften und saisonalen Kochbüchern zu entnehmen.

Das war jedoch nicht immer so. Gerade im Ostwestfälischen ist der Kürbis vielen Menschen nur in einer einzigen, geliebten oder verhassten Variante bekannt: als in grobe Stücke geschnittenes, süß-sauer eingelegtes Einweckgut.

Der gelbe Zentner

„Meistens wuchs in den Gärten der ‚gelbe Zentner‘ auf dem Komposthaufen und wurde mit Zucker, Essig und Gewürzen zur Bevorratung eingekocht“, blickt Henning Möller zurück. So wirklich sei das nicht sein Fall gewesen, gesteht der Kürbisbauer. „Der Aha-Moment kam 2012 bei einem Besuch meiner Schwester in den USA, wo Kürbis zu Halloween als Deko und Speise in wahnsinnig vielen Facetten angeboten wird“, berichtet er.

In der Westerengeraner Nachbarschaft kursierten allerdings schon in Möllers frühen Kindertagen die Rezepte von Hella Pohlmann. „Meine Schwiegermutter war Hauswirtschaftslehrerin. Sie hat damals schon nach den Grundsätzen der Ernährungswissenschaftlerin Johanna Budwig gelehrt“, berichtet Anja Pohlmann-Thielking, selbst Gesundheitsberaterin. Tante Hella habe um die immunstärkende Wirkung des Kürbis gewusst, ‚der mit Folsäure, Phospor, Kalium, Eisen und den Vitaminen A, B2, B6 und C ein echter ‚Alleskönner‘ ist“, wie Pohlmann-Thielking aufzählt und ergänzt: „Auch für Low-Carb-Ernährung und bei Harnwegsleiden kommt Kürbis zum Einsatz.“

Kürbis lässt sich unkompliziert anbauen

Sie hält einige Rezepte ihrer Schwiegermutter in Ehren, darunter ein Rezeptheft vom Reichsausschuss für volkswirtschaftliche Aufklärung, in dem das Einwecken ohne Zucker propagiert wird. „Es gab in den 30er Jahren viele Gesundheitsapostel, die in dieser Richtung belehrten“, sagt Pohlmann-Thielking. Henning Möller erwägt, die Rezepte könnten in den Kriegsjahren auch einem Mangelmanagement gedient haben, da einerseits Zucker ein kostbares Gut war, der Kürbis andererseits recht unkompliziert und ertragreich anzubauen war.

Rezepte für Kürbisbrot

Aus dem Nachlass von Tante Hella stammen unter anderem Rezepte für Kürbisbrot, zwei Varianten für süß-sauer Eingelegtes und Kürbismarmelade. Noch heute bereitet Nachbarin Erika Tholen Speisen nach diesen Rezepten zu. Zum Kürbisbrot in markant gelber Färbung gibt es bei ihr eine ordentliche Portion Kürbismarmelade. „Die darf man nicht zu dünn schmieren“, findet sie. Der Brotaufstrich ist vergleichsweise mild, hat nur wenig Säure. Diese liefert auch nicht der Kürbis, sondern der Saft von frisch gepressten Zitronen und Apfelsinen.

„Außerdem koche ich jeden Herbst Kürbissuppe“, erzählt Erika Tholen. „Die lässt sich sehr gut portionieren und einfrieren.“

Tante Hellas Kürbismarmelade

Fünf Pfund Zucker, sechs Pfund Frucht

Fruchtfleisch klein schneiden, einmal aufkochen, durch ein Sieb abgießen.

Den Zucker im Topf unter Rühren schmelzen lassen bis er krumpelt, dann das Fruchtfleisch hinzufügen und kochen lassen bis zur Gelierprobe (20-30 Minuten).

Absetzen und pro drei Pfund Kürbisfrucht Saft von zwei Zitronen und ein bis zwei Apfelsinen hinzufügen. Heiß abfüllen.

 

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