Catrin Richter aus Enger: „Wenn Verstorbene mit Corona bestattet werden, gelten strenge Regeln“
Distanz vom Sterbebett bis ans Grab

Enger (WB) -

Corona hat die Trauerarbeit der Bestattungshäuser verändert. Sie ist geprägt von Schutzvorkehrungen, Bürokratie und vor allem Distanz. Ganz besonders, wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen Corona-Infizierten handelt.

Sonntag, 13.12.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 13.12.2020, 06:11 Uhr
War der Verstorbene vor dem Tod mit Corona infiziert, muss beim Abschied der Angehörigen Abstand gewahrt bleiben.
War der Verstorbene vor dem Tod mit Corona infiziert, muss beim Abschied der Angehörigen Abstand gewahrt bleiben. Foto: dpa

Dann ist eine „normale“ Bestattung nicht möglich. „Wenn wir einen Menschen abholen, der laut Papier bei seinem Tod mit Covid-19 infiziert war, müssen wir einen Ganzkörperanzug, Handschuhe, Augenschutz, Mundschutz und Schuh-Überzieher tragen. Das ist schon sehr befremdlich“, sagt Catrin Richter vom Bestattungshaus Richter mit Filialen in Enger und Herford. Wie Krankenpfleger oder Ärzte müssen sich auch die Bestatter selber schützen.

Alle, die vor dem Tod positiv auf das Virus getestet wurden, würden gleich behandelt. Dem Toten wird eine Maske, die mit Desinfektionsmittel getränkt ist, auf Mund und Nase gelegt. Eingehüllt wird er in ein desinfiziertes Leinentuch und dann in einen – ebenfalls desinfizierten – Bodybag gebettet. Das ist eine Bergungshülle. Dieser Umgang ist für Bestatter grundsätzlich nicht neu. Auch bei anderen Infektionskrankheiten wird ähnlich vorgegangen – beispielsweise bei Herpes- oder HIV-Infizierten.

Da Besuche in Krankenhäusern nur noch unter ganz bestimmten Umständen und stark eingeschränkt möglich sind, gibt es oft Angehörige, die den Verstorbenen zuvor nicht mehr sehen konnten. „Im ersten Lockdown durften wir keine corona-positiven Toten aufbahren, damit die Angehörigen Abschied nehmen können“, sagt Richter. Das habe sich aber wieder geändert. Wünschen sich die Angehörigen das Aufbahren, müssen Regeln eingehalten werden. „Der Verstorbene darf nicht berührt werden, Abstand muss gewahrt bleiben“, erklärt die 48-Jährige. Am besten wäre es, man hätte ein Glasscheibe, hinter der der Tote liege. „Aber auch das schafft eine unglaubliche Distanz“, so Richter, die sagt, dass die Zahl der Verstorbenen seit Ausbruch der Pandemie nicht spürbar angestiegen sei.

Bei den Trauerfeiern in der Widukindstadt dürfen in den größeren Kapellen in Enger-Mitte und Westerenger 40 Personen anwesend sein – unter Wahrung aller Hygieneregeln und ohne Gesang. In den kleineren Kapellen entsprechend weniger. „Mit auf den Friedhof dürfen 25 Personen kommen, auch sie müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen“, berichtet Catrin Richter. Stichwort Hygienekonzept: Auf Listen muss genau vermerkt werden, wer an den Trauerfeiern teilgenommen hat. Ein Sitzplan ist erforderlich.

„Die Arbeit ist für uns sehr viel schwieriger geworden. Es fehlt der enge Kontakt. Kein Händeschütteln, keine Umarmung – all das geht aktuell nicht“, bedauert Richter, die auch bei den Trauergesprächen eine Maske tragen muss.

„Die Angehörigen erfahren Distanz vom Sterbebett bis hin zum Grab. Es darf nicht kondoliert werden. Und die Menschen halten sich da auch dran“, hat Richter beobachtet.

Zudem entfallen die Kaffeetrinken nach den Trauerfeiern. Man trenne sich immer schon am Grab. „Eine gemeinsame Tasse Kaffee bedeutet immer, schon einen ersten Schritt auf dem neuen Weg zu gehen, der dann beginnt. Sich am Grab zu trennen und alleine heimzugehen, ist ungleich schwerer“, meint Catrin Richter.

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