Autor und Anwalt Joachim Steinhöfel greift Herforder Beamten an – Gerüchte über Flüchtlinge: WESTFALEN-BLATT checkt die Fakten
Staatsanwalt: Polizei hat nicht gelogen

Herford (WB). Thema Flüchtlinge: Der Hamburger Autor und Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel (53) hat die Herforder Polizei im Internet der Lüge bezichtigt und so einen Shitstorm gegen die Behörde ausgelöst. Den Beweis für seine Behauptungen bleibt Steinhöfel aber schuldig. 

Donnerstag, 29.10.2015, 06:30 Uhr aktualisiert: 29.10.2015, 12:25 Uhr
Autor und Anwalt Joachim Steinhöfel greift Herforder Beamten an – Gerüchte über Flüchtlinge: WESTFALEN-BLATT checkt die Fakten : Staatsanwalt: Poli...
Die Polizeiwache an der Hansastraße in Herford. Foto: Peter Schelberg

Worum geht es? Die Herforder Polizei gab am Montag bekannt, in einer Flüchtlingsunterkunft habe ein 15-Jähriger eine Mitarbeiterin einer karitativen Einrichtung sexuell bedrängt. Die Frau habe sich gewehrt und die Polizei gerufen, der Jugendliche sei vorläufig festgenommen worden.

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Joachim Steinhöfel. Foto: /

Dazu schrieb Steinhöfel am Dienstag in seinem Blog »steinhoefel.de« und auf der viel gelesenen Seite »Die Achse des Guten« (www.achgut.com) einen Beitrag unter der Überschrift »Verhöhnung der Opfer«. Darin heißt es, der Sprecher der Herforder Polizei gehöre zu jenen, die die Wahrheit vorsätzlich verfälschten, um die Öffentlichkeit zu täuschen und in Sicherheit zu wiegen. »Tatsächlich wurde die Sozialarbeiterin von einem 15-jährigen Iraker vergewaltigt und noch in der Nacht in die Notaufnahme des Krankenhauses von Bad Oeynhausen gebracht«, schrieb Steinhöfel.

Steinhöfel bleibt bei seiner Darstellung

Steinhöfel, der vor Jahren Werbung für den Media-Markt machte und bei RTL Sendungen moderierte, sagte am Mittwoch, er bleibe bei seiner Darstellung. »Bei mir hat sich jemand aus dem Umfeld des Opfers gemeldet. Meine Informationen stammen quasi aus erster Hand.«

Wer hat Recht? »Die Darstellung der Polizei ist absolut korrekt. Alles andere ist Unfug«, sagte am MittwochChristoph Mackel, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Die Vorwürfe Steinhöfels seien haltlos und spielten Rechtsradikalen in die Hände.

Weil der Täter Jugendlicher ist, wollte Mackel keine Details zur Tat sagen. Das WESTFALEN-BLATT erfuhr aber aus zuverlässiger Quelle: Der 15-Jährige soll sein Geschlechtsteil herausgeholt und die Frau zu einer sexuellen Handlung aufgefordert haben.

Landrat stellt sich vor seine Beamten

Nach Steinhöfels Frontalangriff auf die Polizei gingen am Mittwoch mehrere Mails bei der Herforder Behörde ein. In einer soll stehen, Flüchtlinge seien »Vergewaltiger und Mörder«. Die Kripo prüft deshalb, ob sich der ein oder andere Absender strafbar gemacht hat.

Der neue Landrat des Kreises Herford, Jürgen Müller (SPD), stellte sich am Mittwoch vor seine Beamten und sagte, er habe uneingeschränktes Vertrauen in die Polizei. Müller: »Das Opfer wurde inzwischen von der Kripo zum Sachverhalt befragt. Das Ergebnis dieser Vernehmung bestätigt noch einmal den Inhalt der Pressemitteilung. Mutmaßungen hinsichtlich einer Vergewaltigung entbehren jeglicher Grundlage.«

Landrat Müller sagte, es werde geprüft, ob nach den Beleidigungen im Internet und in sozialen Medien gegen die Urheber vorgegangen werde. Übersetzt heißt das wohl, dass auch eine Strafanzeige gegen Joachim Steinhöfel im Raum steht. 

Gerüchte über Flüchtlinge: der Faktencheck

Fast täglich erreichen Gerüchte über Flüchtlinge das WESTFALEN-BLATT. Hier ein kleiner Faktencheck:

Das Gerücht: Ein Flüchtling soll in der Klinik am Rosengarten in Bad Oeynhausen eine Frau vergewaltigt haben.
Die Tatsache: »Ein Patient hat sich verbal an eine Mitpatientin herangemacht. Die Rehaklinik hat ihm Hausverbot erteilt«, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer.

Das Gerücht: Flüchtlinge weigern sich, sich in Sparkassenfilialen von Frauen bedienen zu lassen.
Die Tatsache: »Das mag es vielleicht im Einzelfall mal gegeben haben. Im größeren Umfang ist uns das aber nicht bekannt«, sagt Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld.

Das Gerücht: Flüchtlinge aus der Polizeischule Stukenbrock stehlen hundertfach in einem nahen Geschäft.
Die Tatsache: »Bisher wurde ein Diebstahl bekannt – bei 150 bis 200 Kunden täglich«, sagt Inhaberin Katja Austermeier.
Wenn auch Sie ein Gerücht gehört haben: Schreiben Sie an nrw@westfalen-blatt.de. Wir checken das und berichten – so oder so.

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Seit Dezember müssen sich Ismet A. (32, vorne) und sein Bruder Ferhan (34) vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft will sie für zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahre hinter Gittern sehen. Foto: David Inderlied
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