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Fr., 30.10.2015

15-Jähriger nach Sextat drei Tage verschwunden – Ermittlungen gegen Hass-Mail-Absender – Gerüchte über Flüchtlinge: WESTFALEN-BLATT checkt die Fakten Abgetauchter Iraker wieder da

Die Polizeiwache an der Hansastraße in Herford.

Die Polizeiwache an der Hansastraße in Herford. Foto: Peter Schelberg

Von Christian Althoff

Herford (WB). Der 15-jährige irakische Flüchtling, der in Herford eine AWO-Mitarbeiterin sexuell genötigt haben soll, hat sich am vergangenen Sonntag abgesetzt. Seit Donnerstag ist er wieder da.

Der Jugendliche war in Herford in einer Unterkunft für alleinreisende minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Dort soll er am vergangenen Sonntag gegen 1.30 Uhr sein Geschlechtsteil herausgeholt und eine AWO-Mitarbeiterin bedrängt haben, sexuelle Handlungen vorzunehmen. Die Frau wehrte sich und rief die Polizei.

Jugendhilfe stellte Vermisstenanzeige 

Der 15-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Nach seiner Vernehmung wurde er noch am Sonntag in einem Haus der Evangelischen Jugendhilfe Hiddenhausen-Schweicheln untergebracht. Das soll ihm nicht gepasst haben. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen erklärte er den Mitarbeitern, er werde nicht bleiben, und lief davon. Die Jugendhilfe Schweicheln erstattete daraufhin Vermisstenanzeige bei der Polizei.

Am Donnerstag sagte Staatsanwalt Christoph Mackel, der 15-Jährige sei wieder da. »Er hat sich von sich aus gemeldet und ist jetzt an einem anderen Ort untergebracht.«

Hätte der Jugendliche versucht, in irgendeiner Stadt als angeblich gerade eingereister Flüchtling unter anderem Namen unterzukommen – er wäre nach kurzer Zeit aufgeflogen. Denn ab einem Alter von 14 Jahren müssen alle Flüchtlinge bei ihrer Registrierung ihre Fingerabdrücke abgeben. Die werden in der europaweiten Flüchtlingsdatenbank »EURODAK« gespeichert (und außerdem für alle Fälle mit der Datei des Bundeskriminalamts abgeglichen). So kann festgestellt werden, ob ein Flüchtling sich schon in einem anderen Ort gemeldet hat. So soll auch der Doppelbezug von Leistungen verhindert werden.

Johannes Steinhöfels Behauptungen

Der Fall des 15-Jährigen hatte bundesweit Aufsehen erregt, nachdem der Hamburger Anwalt und Autor Johannes Steinhöfel in seinem Internet-Blog behauptet hatte, der Jugendliche habe die Frau vergewaltigt und sie sei verletzt ins Krankenhaus gekommen. Die Polizei habe die Öffentlichkeit bewusst getäuscht, »weil die Tat von einem Flüchtling begangen wurde«.

Diese Behauptungen Steinhöfels entbehren nach Angaben von Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Kreis Herford jeder Grundlage. Sie führten allerdings dazu, dass etliche Hass-Mails bei der Herforder Polizei eingingen. In einer soll es heißen, Flüchtlinge seien »Mörder und Vergewaltiger«, in einer anderen wurde der Pressesprecher persönlich angegangen: »Friss Schweinefleisch und verrecke!«

Am Donnerstag leitete die Herforder Polizei Ermittlungsverfahren gegen einige Absender von Hass- Mails ein. Außerdem wird eine Anzeige gegen Steinhöfel geprüft.

Gerüchte über Flüchtlinge: der Faktencheck, Teil 2 ( zu Teil 1)

Das Gerücht: »In einem Flüchtlingsheim in Rüthen leben zwei geschwängerte Kinder.«
Die Tatsache: »Wir wissen nichts von so einem Missbrauch«, sagt Wolfgang Lückenkemper von der Polizei Soest.

Das Gerücht: »In Gütersloh-Spexard wurde eine 17-Jährige in einer Unterkunft vergewaltigt und ins Krankenhaus gebracht.«
Die Tatsache: »Nach unseren Recherchen ist weder eine Jugendliche noch eine Erwachsene vergewaltigt worden. Uns ist überhaupt kein Sexualverbrechen bekannt«, sagt Corinna Koptik von der Polizei Gütersloh.

Das Gerücht: »In Werther kam es zu einem sexuellen Übergriff auf ein Mädchen. Die Polizei soll einen Mann ermittelt haben, der illegal in Deutschland lebt.«
Die Tatsache: »Ein Mann versuchte am 12. Oktober, auf der Straße ein Mädchen zu küssen. Bis heute kennen wir den Täter nicht und können deshalb auch nicht sagen, ob es ein Ausländer ist«, sagt Karl-Heinz Stehrenberg von der Polizei Gütersloh.

Wenn Sie einem Flüchtlingsgerücht auf den Grund gehen wollen: Schreiben Sie an nrw@westfalen-blatt.de. Wir checken das und berichten – so oder so.

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