Serie von Automaten-Sprengungen geht trotz Festnahmen weiter
Geldautomat in die Luft gejagt

Herford/Dorsten (WB/dpa). Auch nach den jüngsten Festnahmen geht die Serie von Geldautomaten-Sprengungen offenbar weiter. In der Nacht zu Heiligabend haben Unbekannte in Herford einen Sparkassen-Geldautomaten in die Luft gejagt. Danach machten sie sich aus dem Staub.

Donnerstag, 24.12.2015, 10:07 Uhr aktualisiert: 25.12.2015, 12:51 Uhr
Serie von Automaten-Sprengungen geht trotz Festnahmen weiter : Geldautomat in die Luft gejagt
Diesen Geldautomaten haben die Täter in die Luft gesprengt. Foto: Moritz Winde

Ersten Informationen nach flüchteten die Täter ohne Beute. Offenbar hielten die Geldkassetten im Automaten der Explosion stand. Nach Angaben der Polizei hatten die Täter den in eine Hauswand eines Geschäftes an der Elverdisser Straße eingelassenen Automaten gegen 4 Uhr morgens gesprengt.

Zeugen waren durch einen lauten Knall auf die Tat aufmerksam geworden und informierten die Polizei. Sie beobachteten, dass vermutlich drei Täter in einem schwarzen Auto Richtung Herford-Elverdissen flüchteten.

Den Schaden schätzt die Polizei auf 20.000 Euro. Die Polizei bittet Zeugen, die Angaben zu den Personen oder dem Fahrzeug machen können, sich unter der Telefonnummer 05221/8880 zu meldern.

Nicht alle »Panzerknacker« kommen allerdings so glimpflich davon wie die Täter in Herford: Am Mittwoch wurden drei Männer unmittelbar vor einer Sprengung in Dorsten festgenommen. Sie sollen für 13 Fälle am Niederrhein verantwortlich sein. Wie die Staatsanwaltschaft Kleve an Heiligabend mitteilte, sitzen die drei Männer inzwischen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen das Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen und versuchten schweren bandenmäßigen Diebstahl in 13 Fällen vor.

In den vergangenen Monaten explodierten allein in NRW mehr als 60 Geldautomaten. Für einen Teil der Taten kommen nach Einschätzung der Ermittler mindestens zwei reisende Tätergruppen aus den Niederlanden in Betracht.

Nach Angaben der »Welt« flogen in diesem Jahr bundesweit bereits mehr als 134 Geldautomaten in die Luft, vor allem in NRW, Berlin und Niedersachsen. Im Vorjahr waren es laut Bundeskriminalamt (BKA) 116 Fälle.

Nach dem jüngsten Fahndungserfolg in Dorsten scheint die Polizei aber auch weiteren Tätern dicht auf den Fersen zu sein: »Wir haben an Tatmitteln DNA sichern und zuordnen können und sind guter Dinge, dass es weitere Festnahmen gibt«, sagte der Direktor des Landeskriminalamts (LKA), Uwe Jacob. »Derzeit laufen verschiedene Rechtshilfeersuchen mit den Niederlanden. Ich denke, da werden bald weitere Erfolge offensichtlich werden.«

Hinter den Geldautomaten-Explosionen steckten sehr unterschiedliche Täter, sagte Jacob. So gebe es den »Dilettanten, der es nicht schafft, eine einzige Tat zu vollenden.« Die in Dorsten festgenommenen Verdächtigen sollen mehr als ein Dutzend Geldautomaten in die Luft gesprengt haben, und sie blieben jedes Mal ohne Beute. Es gebe aber auch die hoch professionelle Tätergruppe aus den Niederlanden, sagte Jacob.

Hinter einem Teil der Explosionen soll die sogenannte Audi-Bande stecken, die in hochmotorisierten Limousinen unterwegs ist. Bei einer spektakulären Verfolgungsjagd Anfang September mit mehr als Tempo 250 konnten Verdächtige in Richtung Niederlande entkommen.

Bisher hat die Polizei in NRW bereits drei Gruppen dingfest gemacht, denen Explosionsserien zugeordnet werden: Fünf Verdächtige – zwei sind in Haft, drei untergetaucht – sollen für eine Serie von Geldautomaten-Sprengungen in Baumärkten verantwortlich sein. Eine Reihe misslungener Sprengungen sollen auf das Konto von zwei Verdächtigen aus Troisdorf gehen. Und am Mittwoch kamen die drei mutmaßlichen Panzerknacker vom Niederrhein hinzu, wobei noch offen ist, ob damit die ganze Bande zerschlagen wurde.

Bis Mitte Dezember entstanden Schäden in Höhe von schätzungsweise rund vier Millionen Euro. Sie sollen damit deutlich größer sein als die Beute, die aber inzwischen auch Millionenhöhe erreicht hat.

Jacob appellierte indirekt an Banken und Sparkassen: »Das Mittel der Wahl gegen diese Taten ist Prävention. Man kann die Automaten auf verschiedene Weise besser sichern.« Es gebe eine ganze Reihe von wirkungsvollen Schutzmaßnahmen. »Das muss nicht Farbe sein. Das können auch Matten sein, die das Luftvolumen im Automaten verringern, so dass nicht genügend Gas eingeleitet werden kann.«

In Frankreich müssen Geldautomaten mit Farbkartuschen ausgerüstet sein. Die Farbe markiert die Scheine im Fall der Fälle. Die Geldwirtschaft in Deutschland scheint davor bisher aber auch wegen der Kosten – ein vierstelliger Betrag pro Geldautomat – zurückzuschrecken.

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