Amtsgericht Herford befasst sich am Dienstag mit der »Prügelaffäre«
Polizist will aussagen

Herford (WB). Am kommenden Dienstag will das Amtsgericht Herford die sogenannte  Prügelaffäre bei der Herforder Polizei juristisch aufarbeiten. Zwei Polizisten sind angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem hauptbeschuldigten Beamten (39) vor, 2014 grundlos auf einen Autofahrer losgegangen zu sein, ihn mit der Faust geschlagen und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Dem zweiten Polizisten (36) wird Beihilfe vorgeworfen.

Donnerstag, 26.05.2016, 15:59 Uhr aktualisiert: 26.05.2016, 16:06 Uhr
Eine Szene aus dem Video der Herforder Polizei.

Rechtsanwalt Martin Lindemann, der zusammen mit seinem Sozius Tobias Diedrich den Hauptbeschuldigten verteidigt, sagte gestern, sein Mandant werde sich umfassend zu den Vorwürfen äußern. »Er wird eine Erklärung abgeben, und er wird Fragen beantworten.« Mit einem Geständnis dürfe aber niemand rechnen, sagte Lindemann.

Die Affäre kam vor einem Jahr ans Licht. Damals stand der Autofahrer vor Gericht, weil er auf die Polizisten losgegangen sein sollte. Die Richterin sah sich dann aber das Streifenwagenvideo an, und das zeigte nach Ansicht der Richterin eindeutig, dass die Übergriffe von dem Polizisten ausgingen. Daraufhin räumte der Polizist sein Fehlverhalten ein und entschuldigte sich bei dem angeklagten Autofahrer, der freigesprochen wurde.

Rechtsanwalt Lindemann: »Ich glaube nicht, dass man die Äußerungen von damals verwerten kann, weil mein Mandant in der Verhandlung von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung erheblich unter Druck gesetzt worden war.« Das sieht Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder, der damals den Autofahrer vertrat, anders. »Ich habe dem Polizisten in der Verhandlung mehrfach geraten, die Aussage zu verweigern und sich erst mit einem Anwalt zu besprechen. Und ich meine mich zu erinnern, dass auch die Richterin den Polizisten wirklich eindringlich belehrt hat. Aber er wollte unbedingt aussagen. Von Druck kann deshalb keine Rede sein.«

Dr. Binder wird auch am Dienstag an der Verhandlung teilnehmen – als Nebenklagevertreter des Autofahrers. »Schließlich ist er Opfer einer gefährlichen Körperverletzung geworden.«

Für den Prozess sind etwa ein Dutzend Zeugen geladen. Die Verteidigung hält es für unwahrscheinlich, dass das Verfahren am Dienstag beendet wird.

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