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Do., 22.12.2016

Im Städtischen Museum sind besondere Geschenkverpackungen zu sehen Ein bisschen Luxus muss sein

Aus dem Geschäft Aug. Beckord stammt die kleine Verpackung mit dem Weihnachtsbaum-Motiv. Auch das kleine Kästchen mit der idyllischen Naturansicht (links) wurde in einem Optiker- und Uhrengeschäft herausgegeben – und zwar von Otto Krüger, der damals am Lübbertor ansässig war.

Aus dem Geschäft Aug. Beckord stammt die kleine Verpackung mit dem Weihnachtsbaum-Motiv. Auch das kleine Kästchen mit der idyllischen Naturansicht (links) wurde in einem Optiker- und Uhrengeschäft herausgegeben – und zwar von Otto Krüger, der damals am Lübbertor ansässig war.

Von Hartmut Horstmann

Herford(WB). Zwei Mädchen vor einem Weihnachtsbaum, daneben die Mutter: Aus der Zeit um 1900 stammt diese Schmuckverpackung aus dem Geschäft des Uhrmachers August Beckord. Dieses war bis Mitte der 80er Jahre in der Bäckerstraße ansässig.

Von Keksdose bis Uhrenschachtel

Zu bestaunen ist die streichholzschachtelgroße Luxuskartonage im Städtischen Museum (Pöppelmann-Haus). Sie ist eine von vier besonderen Geschenkverpackungen, welche Leiterin Sonja Langkafel soeben aus einer Haushaltsauflösung erhalten hat. Sie erweitern die Sammlung der Verpackungen, die Süßwarenindustrie und Einzelhandel gebrauchten. Von der Keksdose bis zur Uhrenschachtel: Anhand einzelner Beispiele werden Schlaglichter auf die lokale Wirtschaftsgeschichte geworfen.

Alles Handarbeit

Egal, ob es sich um ein Pappdöschen mit See-, Haus- und Baummotiv handelt oder um besagte Schachtel mit weihnachtlicher Familienidylle: Für Sonja Langkafel ist wichtig, dass es eben nicht einfache Pappschachteln sind, die zum Transport völlig ausgereicht hätten: »Diese Schachteln sind in Handarbeit mit Papier bezogen worden, auf denen Motive zu erkennen sind.« Für das Herstellen derartiger Luxuskartonagen habe es auch in Herford spezielle Betriebe gegeben, aber ein Zentrum sei damals Berlin gewesen.

Geschenke für besondere Anlässe

Warum bestimmte Einzelhandelsgeschäfte nicht nur funktionale Pappschachteln benutzen, hängt mit dem Anlass des Kaufens zusammen. Es seien Geschenke gewesen, sagt Sonja Langkafel – Geschenke zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Geburtstag oder Konfirmation.

Und hier sind Uhren- und Schmuckgeschäfte mit hochwertigen Waren traditionell gefragt – so das des Uhrmachermeisters Wilhelm Kruse, das von 1940 bis 1954 am Gehrenberg existierte. Auf einer Verpackung aus seinem Laden sind spielende Kinder zu erkennen. Aus dem Geschäft von Otto Krüger (damals Lübbertor, heute Berliner Straße) stammt das Pappdöschen mit idyllischem See im Vordergrund.

Zentrum der Süßwarenindustrie

Auf einen anderen Wirtschaftszweig verweist die vierte neue Schachtel. Sie wurde von der Schokoladen- und Pralinenfabrik Hermann Schnabel in den Handel gebracht und wirbt mit edlem blauen und goldfarbenem Papier. Die Verpackung schlägt den Bogen zu einer Besonderheit der Herforder Firmengeschichte. »Die Stadt war ein Zentrum der Süßwarenindustrie«, sagt Sonja Langkafel. In den 1920er Jahren habe es in Herford etwa 20 Firmen dieser Art gegeben. Als einen Grund nennt sie die gute Verkehrsanbindung der Stadt: Über die Überseehäfen sei man leicht an den Rohstoff Kakao herangekommen. Und mit der Bahn seien die Süßprodukte auch zum Hauptabsatzmarkt, ins Ruhrgebiet, gebracht worden. So erinnern Schachteln in einer Vitrine an frühere Firmen wie Barmeier und Flachmann oder Freese.

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