Professor Mark Mersiowsky beleuchtet Anfänge neu – Referat beim Geschichtsverein
Herfords Abtei – jünger als angenommen

Herford (WB). Treffen die Annahmen des Historikers Professor Mark Mersiowsky zu, können die Herforder in 20 Jahren ein großes Jubiläum feiern. Denn die erste urkundliche Erwähnung des Frauenklosters stammt aus dem Jahr 838.

Mittwoch, 31.01.2018, 12:32 Uhr aktualisiert: 31.01.2018, 13:52 Uhr
Das geplante Archäologische Fenster am Münster führt zurück zu den Anfängen der Stiftsgeschichte. Professor Mark Mersiowsky geht jedoch davon aus, dass das bisherige Gründungsjahr 789 nicht zu halten ist. Bekanntlich war es Anlass, 1989 den 1200. Stifts-Geburtstag zu feiern. Entwurf: Architekturbüro Pfeiffer, Ellemann, Preckel.

Gleichzeitig stellt der Professor die bisherige Annahme, die Reichsabtei sei 789 gegründet worden, in Frage. Bekanntlich war diese Jahreszahl Anlass, im Jahr 1989 das 1200-Jährige zu begehen.

Abitur am Ravensberger Gymnasium

Dass sich der 54-jährige so intensiv mit den Anfängen Herfords beschäftigt, hat einen einfachen Grund: Mark Mersiowsky ist hier aufgewachsen, 1982 hat er am Ravensberger Gymnasium Abitur gemacht – mit einem Notendurchschnitt von 1,0.

Am Donnerstag, 1. März, spricht der Historiker im Pöppelmann-Haus über die Anfänge der Reichsabtei – und damit auch die Anfänge Herfords. Der Vortrag auf Einladung des Geschichtsvereins beginnt um 19 Uhr.

Um zu verstehen, worin die Neuerungen des Referenten bestehen, muss man die bisherigen Vorstellungen von der Abteigründung kennen. Diese basieren wesentlich auf der Vita Waltgeri. Das Problem, so Mersiowsky: »Es handelt sich um eine Erzählung aus dem späten 12. Jahrhundert. Sie ist somit in großem zeitlichen Abstand zu den Ereignissen entstanden.« Das Jahr 789 wiederum geht zurück auf die Weltchronik Heinrichs von Herford. »Woher er diese Jahreszahl für die Klostergründung hat, bleibt im Dunkeln.«

Keine Verbindung zu Karl dem Großen

Entscheidend für das Selbstverständnis der Nachgeborenen war, dass die Gründung so mit Karl dem Großen in Verbindung gebracht werden konnte. Der Name dieses Herrschers taucht auch im Zusammenhang mit vielen Bistumsgründungen auf. Doch hier gebe es neue Erkenntnisse, sagt Mark Mersiowsky. Er verweist auf den Bonner Historiker Professor Theo Kölzer, der sich mit den Urkunden Ludwigs des Frommen beschäftigt hat. Ein Ergebnis war, dass sich Urkunden, die angeblich auf Karl den Großen zurückgehen, als Fälschungen erwiesen: »Sie sind später manipuliert worden, um vermeintlich ältere Rechtsansprüche zu behaupten und durchzusetzen.«

Feste kirchliche Strukturen wie die eines Klosters oder eines Bistums hat es im großen Stil erst unter Ludwig dem Frommen gegeben. Von 814 bis 840 dauerte die Kaiserzeit des Sohnes von Karl. Mersiowsy mit Verweis auf Kölzer: »Die Edition der Urkunden Ludwigs hat den Forschungsstand zur Missionsgeschichte Westfalens grundlegend verändert.« So sei das sächsische Bistumssystem erst unter Karls Nachfolgern, unter Ludwig dem Frommen und Ludwig dem Deutschen, entstanden.

Gründung frühestens im Jahr 814

Unterstützt wird die These, wonach die Anfänge des Herforder Stifts nichts mit Karl dem Großen zu tun haben, von den Dokumenten, die Mersiowsky ausgewertet hat. So gibt es überhaupt keine Schriftstücke der Abtei, die auf Kaiser Karl verweisen. Die Nonnen bezögen sich auf Ludwig den Frommen, so der Referent.

Wenn auch die Abtei nicht 789, sondern frühestens ab 814 gegründet worden ist, bedeutet dies nicht, dass die Anfangsgeschichte komplett neu geschrieben werden muss. Es sei möglich, dass vieles, was in der Vita Waltgeri stehe, so passiert sei – aber eben später und nicht unter Karl dem Großen.

Ja zum Archäologischen Fenster

Mersiowsky betont, seine Untersuchung berücksichtige die archäologischen Erkenntnisse Professor Matthias Wemhoffs. Auch will der gebürtige Herforder die historische Besonderheit des Frauenstifts nicht in Abrede stellen – im Gegenteil! Daher hält der Historiker das geplante Archäologische Fenster am Münster für eine hervorragende Idee: »Ich möchte mich da einbringen. Darum halte ich jetzt auch den Vortrag.« Seine These: »Die Gründung Herfords hing ganz eng mit der Gründung des Bistums Paderborn und des Reichsklosters Corvey zusammen und dürfte ein wesentlicher Grundstein der Missions- und Bistumspolitik Kaiser Ludwigs gewesen sein.«

Wollen die Herforder ein gesichertes Jubiläum feiern, verweist Mark Mersiowsky auf das Jahr 838. Damals wurde das Kloster Herford erstmals erwähnt – im Rahmen einer Schenkungsurkunde Ludwigs des Frommen.

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