Do., 08.02.2018

9000 Bürger beteiligen sich an Umfrage der Verkehrsgesellschaft Wie mobil ist der Mensch?

Bis zu 14 Busse kommen zweimal in der Stunde auf dem Alten Markt zusammen. Welche Fahrzeuge aber nutzen die Menschen im Kreis Herford? Bus oder Bahn, Auto oder Rad? Um das persönliche Mobilitätsverhalten zu ermitteln, hat die Verkehrsgesellschaft eine Umfrage gemacht – und 9000 haben geantwortet.

Bis zu 14 Busse kommen zweimal in der Stunde auf dem Alten Markt zusammen. Welche Fahrzeuge aber nutzen die Menschen im Kreis Herford? Bus oder Bahn, Auto oder Rad? Um das persönliche Mobilitätsverhalten zu ermitteln, hat die Verkehrsgesellschaft eine Umfrage gemacht – und 9000 haben geantwortet. Foto: Moritz Winde

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Von A nach B, mit Auto oder Rad, mit Bus oder Bahn. Der Mensch muss mobil sein, jeden Tag. Welche Verkehrsmittel aber nutzt er wie, wann und wie oft? Das wollte die Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV) wissen. Sie startete eine der aufwendigsten Umfragen überhaupt – und 9000 Bürger haben geantwortet.

Kommentar

Im Jahr 2017 hatten nur 12 Prozent der Menschen in Deutschland kein Auto, sie nutzen Bus oder Bahn, Taxi oder Rad. Unter den anderen 88 Prozent aber sind jene, die die Verkehrsbetriebe als Kunden gewinnen möchten. Dem Klimaschutz zuliebe. Doch wer zum ÖPNV wechseln will, braucht entsprechende Angebote. Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit zweimal umsteigen muss, nehme ich doch lieber das Auto. Oder wenn die Bahn ständig unpünktlich ist, kaufe ich statt Ticket wieder Sprit. Und kostenlose Park-  & Rail-Plätze gibt’s leider auch zu selten. Ein Linienbusnetz kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen, aber eine regelmäßige Überprüfung ist ein wichtiger Schritt für eine stärkere Auslastung und engere Kundenbindung. Da ist die MHV auf dem richtigen Weg. Bärbel Hillebrenner

Herr Meier fährt mit dem Pkw zur Arbeit, von Löhne nach Herford. Seine Frau steigt in die Bahn nach Bielefeld. Der Sohn radelt zur Schule, die Tochter fährt mit dem Bus zum Gymnasium nach Vlotho. Schon in einer Familie werden völlig unterschiedliche Verkehrsmittel genommen. Und jedes dieser Nutzerverhalten hat Auswirkungen zum Beispiel auf das Busangebot, auf Haltestellen und Wartehäuschen, auf Zugverbindungen und Bahnhöfe, auf Park- und Fahrradabstellplätze. »Der ÖPNV setzt eine umfangreiche Infrastruktur voraus«, sagt Achim Overath, Geschäftsführer der MHV, die den Busverkehr für die Kreise Herford und Minden-Lübbecke organisiert.

MHV entwickelt selbst den Fragebogen

Um dafür den Bürger in die Planungsprozesse einzubinden, sind Daten über deren Mobilitätsverhalten notwendig. Ein Gutachten, so Overath, wäre zu teuer gewesen, dessen Kosten zwischen 50.000 und 150.000 Euro völlig utopisch. Deshalb hatte die MHV selbst einen mehrseitigen Fragebogen entwickelt. Keine leichte Aufgabe: Welche Aussagen zur Optimierung des ÖPNV sind notwendig? Wie viele Fragen kann man stellen, damit der Teilnehmer der Umfrage nicht mittendrin aussteigt? »Wochenlang haben wir in unserer Runde diskutiert, mit anderen Verkehrsbetrieben gesprochen und uns sogar vor dem Start ein Feedback von Freunden und Verwandten eingeholt«, berichtet Andy Wollny, der die Online-Erhebung betreut. Je mehr Bürger mitmachen, um so besser könne man bei der Erstellung eines Nahverkehrskonzepts reagieren. Dass es am Ende 9000 in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke sein würden, damit hatte bei der MHV niemand gerechnet.

Ergebnisse bis zum Sommer

15 Minuten etwa haben die Teilnehmer investiert und auf dem Fragebogen Auskunft gegeben: über ihre Wegstrecken und Fahrzeuge, warum sie mobil sein müssen, ob sie auch mal in den Bus oder die Bahn steigen, wie oft und zu welchem Zweck sie das tun, wie lange die Fahrten dauern. Auch Zusatzfragen über das Busangebot, dessen Qualität und die Ticketpreise haben die meisten Bürger angekreuzt. »Jährlich sind unsere eigenen Qualitätsprüfer in den Bussen unterwegs, aber diese neuen Online-Daten kommen ja von den Fahrgästen selbst«, sagt Overath. So könne man das Liniennetz überprüfen und gegebenenfalls ändern, die Zufriedenheit steigern und vor allem neue Kunden gewinnen.

Bis zum Sommer sollen alle Ergebnisse zusammengefasst und analysiert werden. Dann werden sie den Politikern vorgestellt. Denn die Kommunen haben sich den Klimaschutz verstärkt auf die Fahnen geschrieben. Achim Overath: »Mehr Menschen in die Busse und Bahnen zu holen, ist ein Ziel.« Ein anderes: Die Diskussion um die Elektro-Mobilität sei eine Herausforderung der nächsten Jahre.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5494735?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F