Kalletal: Kleinkind gelangt unbemerkt auf Nachbargrundstück
Mädchen ertrinkt im Gartenteich

Kalletal (WB). In Kalletal-Kalldorf (Kreis Lippe) ist am Wochenende ein zwei Jahre altes Kleinkind in einen Gartenteich gefallen. Die Kreispolizeibehörde Detmold bestätigte den schweren Unfall, an dessen Folgen das Mädchen im Krankenhaus starb.

Dienstag, 10.04.2018, 05:40 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Nach den bisherigen Ermittlungen war die Mutter am Samstagmorgen durch eines ihrer Kinder abgelenkt und ließ deshalb das kleine Mädchen für einen Moment aus den Augen. Polizeisprecher Klaus Becker: »Die Familie bemerkte dann das Fehlen des Kleinkindes und suchte das Haus und das gesamte Grundstück ab.« Weil man das Mädchen nicht gefunden habe, sei kurz vor 10 Uhr die Polizei alarmiert worden. »Kollegen fanden das Kind auf dem Nachbargrundstück. Es lag dort in einem Gartenteich und gab kein Lebenszeichen mehr von sich.«

Sofort wurden Wiederbelebungsversuche unternommen, die im Notarztwagen fortgesetzt wurden. Das Mädchen soll auf der Fahrt in die Kinderklinik Herford wiederbelebt worden sein, dann aber soll der Herzschlag wieder ausgesetzt haben. Das soll sich wiederholt haben. In Herford wurde schließlich der Tod des Mädchens festgestellt.

Staatsanwaltschaft entscheidet

Kriminalbeamte aus Herford schrieben einen Bericht, der nun an die Staatsanwaltschaft Detmold geht. Sie muss entscheiden, ob weitere Ermittlungen eingeleitet werden, und wenn, gegen wen. Üblicherweise werden die Eltern nach solchen tödlichen Unfällen nicht noch zusätzlich durch strafrechtliche Ermittlungsverfahren belastet.

Ob einem Teichbesitzer eine Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann, ist umstritten und immer vom Einzelfall abhängig. Das Oberlandesgericht Hamm schrieb 2001 unter dem Aktenzeichen 13 U 253/00, durch die Errichtung eines Teichs sei eine Gefahrenquelle geschaffen worden, für die der Eigentümer des Grundstücks sicherungspflichtig sei. Teiche übten nämlich auf Kleinkinder eine besondere Anziehungskraft aus. Im konkreten Fall lehnte das OLG dann aber eine Haftung des Teichbesitzers sinngemäß mit dem Hinweis ab, er habe sich auf die Aufsichtspflicht der Eltern verlassen können.

14 Kinder ertrunken

Im vergangenen Jahr ertranken nach Auskunft der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Deutschland 14 Kinder unter zehn Jahren. Der letzte tödliche Unfall, der in Ostwestfalen-Lippe bekannt wurde, war der Ertrinkungstod des 16 Monate alten Luca in Porta Westfalica 2015. Die Leiterin einer Kita hatte ihn aus den Augen verloren, und der Junge war kopfüber in einen mit Regen gefüllten Maurerkübel gestürzt.

Vor einem Jahr verurteilte das Amtsgericht Minden die Erzieherin zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Neben der Verletzung der Aufsichtspflicht warf das Gericht der Frau vor, den Wasserkübel auf dem Grundstück geduldet zu haben.

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