Fr., 03.08.2018

Langzeitarbeitslose gestalten alte Lampen neu – Ausstellung im Elsbach-Haus – mit Video Schrill, schräg, skurril

Über 100 Knöpfe hat Kerstin Riepe aus dem Fundus der Recyclingbörse ausgesucht und für eine neue Lampe zusammengeklebt.

Über 100 Knöpfe hat Kerstin Riepe aus dem Fundus der Recyclingbörse ausgesucht und für eine neue Lampe zusammengeklebt. Foto: Bärbel Hillebrenner

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). 100 Krawatten werden wöchentlich bei der Recyclingbörse abgegeben – nur eine wird verkauft. Was macht man mit dem Rest? Lampenschirme gestalten!

Wer bis zum 28. August das Elsbach-Haus betritt, steht vor einer Ansammlung skurriler und schräger Lampen – und kann nur noch schmunzeln und staunen. Was nicht alles recycelt werden kann: alte Plüschtiere, bunte Plastikfiguren aus Überraschungseiern, abgegriffene Comic-Hefte, Stoffreste, schöne Muscheln, Dekoblätter und -blumen.

Riesenauswahl an Materialien

Vergilbte Spielkarten finden sich auf einer Stehlampe, aus einem knallgrünen Kinderrock wird eine Girlande, große und kleine Knöpfe werden aufgeklebt, mit Troddeln, Litzen, Borden und Posamenten werden Nähte und Kanten versäumt. Manches muss erstmal entstaubt und gesäubert werden, aber die Auswahl an Utensilien zum Basteln, Kleben und Nähen ist immens.

MOLA

MOLA steht für Motivation, Orientierung, Leben, Arbeiten, ein Projekt der Recyclingbörse in Kooperation mit dem Jobcenter. Langzeitarbeitslose sollen nach langer psychischer Erkrankung für den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dabei hilft die Kreativität: In Projekten (Textil, Holz, Metall, Papier) sollen die Teilnehmer neue Erfahrungen machen, einen geregelten Tagesablauf erhalten, aus der Einsamkeit der eigenen vier Wände herauskommen. Zusätzlich gibt es Beratungen über Therapien und Hilfsangebote.

»Die Recyclingbörse hat einen Riesenfundus an kleinen Materialien, die eigentlich niemand mehr haben will«, sagt Beate John. Die Sozialarbeiterin leitet das Projekt MOLA beim Arbeitskreis Recycling. Die Teilnehmer des Projekts sind Langzeitarbeitslose, die nach langer Krankheit neue Erfahrungen mit der Berufswelt machen wollen. »Manche sind schon zehn, zwölf Jahre ohne Job. Ihnen eine neue Perspektive zu eröffnen, ist Ziel von MOLA«, sagt Beate John.

Von Null auf Hundert ginge das nicht, mit niederschwelligen Arbeiten bei der Recyclingbörse würden die Männer und Frauen ermutigt, ihre Sichtweisen zu überdenken und andere Wege ihres Lebens aufzunehmen. »Dabei hilft die Kreativität, denn kleine Erfolge ihrer Fertigkeiten sind erste Schritte, die stolz machen«, sagt John.

Das können die Frauen nur bestätigen: Dass abgetakelte Lampen aus dem »Gelsenkirchener Barock« so aufgehübscht werden können, ist für sie ganz neu. »Wir konnten aus dem Vollen schöpfen, so richtig die Fantasie ausleben«, erzählt Christiane Schuster-Düwel, die Muscheln zusammengeklebt hat.

Kontakt über Buchhandlung Auslese

Eva-Maria Freudenreich wählte Plüschtiere: »Kinder haben sie ausrangiert und weggeworfen, auf meiner Leuchte leben sie nun weiter.« Wer übrigens ein Exemplar kaufen möchte, kann sich an die Recyclingbörse wenden. Oder an Dirk Strehl in der Buchhandlung Auslese, er hat den Kontakt hergestellt und die Idee zur Ausstellung gehabt.

 

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