Verwaltung will Anlage in Hiddenhausen verkleinern – Anwohnerin ist empört – mit Video und Kommentar
»Der Sportplatz gehört zum Schlatt«

Hiddenhausen (WB). Seit 80 Jahren wird auf dem Sportplatz an der Schlattstraße in Hiddenhausen gekickt. Jetzt will ihn die Gemeinde aus Kostengründen stilllegen. Das bringt Nachbarin Rosel Kuhlmann auf die Barrikaden: »Der Platz ist ein Paradies für Kinder. Hier können sie ungestört toben.«

Donnerstag, 16.08.2018, 03:30 Uhr
Rosel Kuhlmann hat schon als Kind auf dem Sportplatz im Schlatt herumgetobt. Jetzt will die Verwaltung die Anlage in Hiddenhausen aus Kostengründen verkleinern und für Wohnbebauung freigeben. »Ein Schildbürgerstreich«, findet die 65-Jährige. Foto: Moritz Winde
Rosel Kuhlmann hat schon als Kind auf dem Sportplatz im Schlatt herumgetobt. Jetzt will die Verwaltung die Anlage in Hiddenhausen aus Kostengründen verkleinern und für Wohnbebauung freigeben. »Ein Schildbürgerstreich«, findet die 65-Jährige. Foto: Moritz Winde

»Endlich wieder etwas los«

Die 65-Jährige wohnt direkt gegenüber dem Sportplatz. Sie genieße das regelmäßige bunte Treiben, sagt sie. »Ich freue mich immer, wenn hier etwas los ist. Das war ja viel zu lange nicht der Fall. Erst mit dem Projekt ›Jung kauft Alt‹ haben wir nun endlich wieder Kinder im Schlatt und in der Umgebung.«

Der Platz, sagt die gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau, habe viele Vorteile: »Er ist ganzjährig für Jedermann zugänglich. Rundherum hat sich ein wahres Naturparadies entwickelt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene halten sich dort auf, um unterschiedlichen Freizeitaktivitäten nachzugehen. Viele Kinder lernten und lernen auf dem Parkplatz ungestört das Radfahren und Rollschuhlaufen.«

Der Nachwuchs sei dort sicher und vor Gefahren geschützt, die auf Straßen und in unübersichtlichen Ecken lauerten.

Rosel Kuhlmann kritisiert, dass der Rasen-Fußballplatz im Ortsteil Lippinghausen an der Mittelpunktstraße dagegen weiter betrieben werden soll. Dabei stehe der ausschließlich den Fußballern zur Verfügung. »Im Anschluss an die Spiele wird der Platz wieder abgeschlossen. Was ist mit den Kindern?«

Bürgermeister verteidigt Vorhaben

Es sei in ihren Augen töricht, alles für Fußballspieler zu tun und reichlich Geld in den Bau von Kunstrasenplätzen zu investieren, während der einzige und ganzjährig zugängliche Rasenplatz in Hiddenhausen teilweise abgeschafft werden soll. »Das Vorhaben der Gemeinde ist abwegig. Mehrere Anlieger empfinden dies als Schildbürgerstreich.« Der Sportplatz gehöre zum Schlatt.

Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer bestätigte auf Anfrage entsprechende Pläne, den Sportplatz zu verkleinern und den Rest für Wohnbebauung frei zu geben. »Der Platz wird kaum noch genutzt. 2009 fand dort das letzte Meisterschaftsspiel statt. 2012 hat sich der Verein Blau-Weiß Hiddenhausen aufgelöst. Die Hobbyspieler vom FC Schlatt haben signalisiert, woanders kicken zu können. Selbst der Gemeindesportverband hat unserem Vorhaben grundsätzlich zugestimmt.«

Mit drei Kunstrasenplätzen in Schweicheln und Oetinghausen – der Aschenplatz in Eilshausen wird auch demnächst umgebaut – sowie dem Rasenplatz in Lippinghausen verfüge die Gemeinde über ausreichend Angebote. Der Verwaltungschef betonte, dass noch nichts spruchreif sei. Das letzte Wort hat der Rat. Der tagt im September.

Das Sportlerheim soll nach den Vorstellungen der Verwaltung abgerissen werden. Es sei nicht mehr zeitgemäß.

Das Sportlerheim soll nach den Vorstellungen der Verwaltung abgerissen werden. Es sei nicht mehr zeitgemäß. Foto: Moritz Winde

Kommentar von Moritz Winde

Eigentlich könnte es Rosel Kuhlmann ja schnuppe sein, was mit dem Sportplatz an der Schlattstraße passiert. Ist es aber nicht. Ihr Engagement verdient großen Respekt. Während anderswo Menschen gegen »Kinderlärm« in der Nachbarschaft klagen, setzt sich die 65-Jährige dafür ein, dass Mädchen und Jungen auch in Zukunft auf dem grünen Areal in Hiddenhausen toben können – so wie viele Generationen zuvor. Andererseits: Aufgabe der Gemeinde ist es nun einmal, zu überprüfen, ob öffentliche Einrichtungen tatsächlich noch in vollem Umfang gebraucht werden. Da ist es völlig egal, ob der Sportplatz seit 80 Jahren besteht – Nostalgie hin oder her. Immerhin geht es um unser aller Geld, das an anderen Stellen wie zum Beispiel Schulen dringend gebraucht wird. Auch hier profitiert schließlich der Nachwuchs.

Der Vorschlag der Verwaltung ist sinnvoll, den Platz zu verkleinern. Meisterschaftspartien werden dort schließlich schon seit langem nicht mehr ausgetragen. Und mit 16.000 Quadratmetern – der Unterhalt kostet pro Jahr 27.000 Euro – ist das Grundstück riesig. Kinder haben auch auf der Hälfte reichlich Platz zum Toben.

 

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