Bürgermeister Tim Kähler kritisiert Schützengesellschaft – mit Video
Barre oder Herforder: Welches ist das richtige Bier?

Herford (WB). Der Bierstreit geht weiter: »Auf einem alten Schützenfest muss Herforder Pils ausgeschenkt werden«, sagt Herfords Bürgermeister Tim Kähler. Er hatte sich geweigert, das Barre-Fass anzustechen.

Dienstag, 21.08.2018, 03:30 Uhr aktualisiert: 21.08.2018, 11:28 Uhr
Zum Wohl: Uwe Thies, Oberst der Schützengesellschaft zu Herford von 1832, und Barre-Gebietsleiter Andre Pilz stoßen auf dem Alten Markt an – und zwar mit dem Pils aus Lübbecke. Für Bürgermeister Tim Kähler ein No Go: »Aufs Schützenfest gehört ›Herforder‹.« Im Hintergrund ist Sven Bleiber alias Brauer Bernhard am umstrittenen Fass zu sehen. Foto: Moritz Winde
Zum Wohl: Uwe Thies, Oberst der Schützengesellschaft zu Herford von 1832, und Barre-Gebietsleiter Andre Pilz stoßen auf dem Alten Markt an – und zwar mit dem Pils aus Lübbecke. Für Bürgermeister Tim Kähler ein No Go: »Aufs Schützenfest gehört ›Herforder‹.« Im Hintergrund ist Sven Bleiber alias Brauer Bernhard am umstrittenen Fass zu sehen.

Kähler: »Stehe hinter den hemischen Firmen«

»An Tim Kählers Stelle hätte ich die Chance genutzt. Dann hätte er auch einmal Barre-Bier trinken können«, findet Lübbeckes Stadtoberhaupt Frank Haberbosch.

Wie berichtet, hatte Kähler (SPD) es abgelehnt, am Samstag das Schützenfest auf dem Alten Markt mit dem obligatorischen Fassanstich zu eröffnen. Der Grund: Erstmals gab’s kein »Herrliches Herforder«, sondern das Konkurrenz-Pils Barre Bräu aus Lübbecke. Die Herforder Schützengesellschaft von 1832 hatte den Gerstensaft-Wechsel mit »besseren Konditionen« begründet.

Am Montag konkretisierte Tim Kähler seine Kritik. »Mein Job als Bürgermeister ist es auch, hinter den heimischen Firmen zu stehen. Bei ›Herforder‹ arbeiten eine Menge Leute. Gerade in einer schwierigen Phase hätte ich erwartet, dass die Schützen zur eigenen Brauerei stehen.«

Warsteiner hatte 2007 »Herforder« übernommen und im Januar 2018 angekündigt, bis Anfang 2019 einen Kooperationspartner oder Käufer finden zu wollen. Bei der Herforder Brauerei, die ihren Sitz in Hiddenhausen hat, wird seit 1878 Bier gebraut. Derzeit arbeiten dort 100 Frauen und Männer.

Vermittlungsversuche im Vorfeld gescheitert

Tim Kähler sagt, er habe versucht, im Vorfeld zu vermitteln. »Ich habe den Schützen ganz klar gesagt: Wenn ihr Barre nehmt, steche ich das Fass nicht an.« Der 50-Jährige betont, er habe nichts gegen Barre. »Aber auf ein traditionelles Fest gehört nun mal ›Herforder‹. Das wäre ja genau so, wenn es im Weserstadion statt Becks Holsten geben würde. Da bin ich vielleicht zu spießig und konservativ.«

Der gebürtige Bremer hofft im Hinblick auf den Westfälischen Schützentag – er findet im Oktober 2019 in Herford statt –, dass sich die Schützengesellschaft und »Herforder« an einen Tisch setzen und die Differenzen aus der Welt schaffen.

Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) sagt: »Für mich ist es gar nicht vorstellbar, ein anderes Fass als ein Barre anzustechen.« Natürlich sei die Verbindung zwischen einer Stadt und der örtlichen Brauerei sehr eng – gerade in Lübbecke. »Am Wochenende haben wir das Bierbrunnenfest gefeiert. Das sagt doch alles.«

Christoph Barre: »Emotionen rausnehmen«

Barre-Chef Christoph Barre findet, man solle die Emotionen aus dem Thema herausnehmen. »Was er da gemacht hat, ist die Sache von Bürgermeister Kähler. Der Schützenverein hat sich ganz bewusst für Barre entschieden, da gibt es einen guten Draht.«

Für den Herforder Schausteller Björn Laffontien hat die ganze Sache ein »Geschmäckle«. »Ich bin entsetzt über die Entscheidung der Schützen. Es kann doch nicht immer nur darum gehen, den letzten Euro herauszukitzeln. Wo bleibt da der Lokalpatriotismus?«

SG-Präsident Heinz Richter nannte als einen Grund für den Wechsel, dass es beim Kreiskönigsschießen 2016 massive Probleme gegeben habe, weil die Herforder Brauerei Abmachungen über das Aufstellen und Einrichten von Geräten nicht eingehalten habe: »Die haben uns nur Tische und Theken dahingestellt und das war’s. Wir haben eine ordentliche und eigentlich auch übliche Betreuung seitens der Brauerei vermisst.« Letztlich seien die Konditionen der Lübbecker für die Herforder Schützen ausschlaggebend gewesen.

Regionaler Markt wichtig

»Herforder«-Sprecher Peter Lohmeyer, sagt, der regionale Markt sei sehr wichtig. »Wir sind seit jeher fest in der Region verankert! Seit 140 Jahren gehören wir zum hiesigen Leben dazu und das werden wir auch in Zukunft.« Er freue sich, dass sich der Bürgermeister zur Brauerei bekannt habe.

Übrigens: Einen Schützenverein im Lübbecker Land beliefert »Herforder« nach eigenen Angaben nicht.

 

Kommentare

Falk Obetdorf  schrieb: 21.08.2018 19:10
Geschmack
Nadja, vielleicht war es ganz einfach der Geschmack der die Herforder Schützengilde überzeugt hat. Bekanntermaßen kommt die Brühe aus Herford nicht gegen ein frisch gezapftes Barre an.
1 Kommentare
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