Mi., 12.09.2018

Belege manipuliert: 32-Jähriger bestellt Waren für 130.000 Euro – Herforder Schöffengericht verhängt Bewährungsstrafe Privatsauna über Firma abgerechnet

Für 12.600 Euro ließ sich der Angeklagte eine Sauna nach Hause liefern – auf Kosten seines Unternehmens.

Für 12.600 Euro ließ sich der Angeklagte eine Sauna nach Hause liefern – auf Kosten seines Unternehmens. Foto: dpa

Von Moritz Winde

Herford (WB). Ob Whirlpool oder Sauna, Gartenzaun oder Blockhütte, Kochfeld oder Badezimmerschrank: Er bestellte sich die schönen und nützlichen Dinge des Lebens – und rechnete sie über seine Firma ab. Schaden: etwa 130.000 Euro.

Erst nach viereinhalb Jahren fiel der Betrug bei einer Betriebsprüfung auf.

Angeklagter hilft bei den Ermittlungen

Ein 32-jähriger Mindener ist deshalb am Dienstag wegen gewerbsmäßiger Untreue in 80 Fällen und Urkundenfälschung in 35 Fällen zu einer 20-monatigen Haftstrafe auf Bewährung (vier Jahre) verurteilt worden.

Damit schrammte er nur ganz knapp am Gefängnis vorbei. Das milde Urteil verdankt er seinem umfassenden Geständnis, seiner Hilfe bei der Verbrechensaufklärung und seiner Schadenswiedergutmachung.

Seit 2008 war der Mindener bei einem großen Bad Oeynhausener Unternehmen als Einkäufer beschäftigt. In diesem Job konnte er offenbar recht eigenverantwortlich arbeiten, sprich ohne Kontrolle.

In diesem Wissen begann er Anfang 2012 mit den kriminellen Handlungen. Laut der 20-seitigen Anklage war sein Vorgehen immer gleich: Entweder wurden Bestellungen der Kollegen durch seine Positionen (Kettensäge, i-Phone) ergänzt oder er erfand komplett eigene Rechnungen. Die Kosten wurden stets über das Firmenkonto beglichen.

Quittiert wurden fiktive Waren

Eine weitere Masche ging so: Der Angeklagte ließ sich hochwertige Artikel wie Küchengeräte für 10.000 Euro, eine Haustür für 7000 Euro und eine Sauna für 12.600 Euro nach Hause bringen.

Der Lieferant quittierte auf Anweisung des Einkäufers allerdings nicht die tatsächlich bestellten Produkte, sondern fiktive Waren wie Kanthölzer oder Spanplatten und schickte sie ans Unternehmen.

Nur so konnte die Täuschung vertuscht werden. Weil das Herforder Schöffengericht dem Lieferanten keinen Vorsatz nachweisen konnte, muss dieser lediglich eine Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro zahlen.

170.000 Euro zurückgezahlt

Auch der Haupt-Angeklagte kam mit einem blauen Auge davon – trotz seines jahrelangen betrügerischen Systems. Richterin Alea Blöbaum sagte, bei diesen Vergehen sei normalerweise eine Haftstrafe nicht unter drei Jahren üblich. »Aber Sie haben die Vorwürfe vollumfänglich eingeräumt – und zwar nicht erst während der Verhandlung.«

Strafmildernd war außerdem, dass der Groß- und Außenhandelskaufmann mit fast 170.000 Euro weit mehr als den tatsächlich entstandenen finanziellen Schaden an seinen – inzwischen – Ex-Arbeitgeber zurück gezahlt hat.

Dafür musste der junge Mann sein Haus verkaufen und sich bei seinen Eltern verschulden. »Ich bereue meine Taten. Es gibt nichts schönzureden.«

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