So., 16.09.2018

Landestheater präsentiert opulente Tosca-Inszenierung im Stadttheater Gelungene Saison-Eröffnung

Überzeugten stimmlich und darstellerisch: Megan Marie Hart als Tosca und Ji-Woon Kim als Cavaradossi. Sie waren am Samstag in der »Tosca«-Inszenierung des Landestheaters zu erleben.

Überzeugten stimmlich und darstellerisch: Megan Marie Hart als Tosca und Ji-Woon Kim als Cavaradossi. Sie waren am Samstag in der »Tosca«-Inszenierung des Landestheaters zu erleben.

Von Gerd Büntzly

Herford (WB). Mit einer großartigen Aufführung der Oper »Tosca« von Giacomo Puccini ist am Samstag die neue Herforder Theatersaison eröffnet worden. Theaterleiter Karl-Heinz Rohlf ließ es sich trotz Krankschreibung nicht nehmen, einige Worte der Begrüßung zu sprechen.

Rohlf, der mit Unterarmstützen auf die Bühne kam, dankte vor allem seinen Mitarbeitern, die in den vergangenen Wochen auch ohne ihn den Betrieb ans Laufen gebracht hatten. Der stellvertretende Bürgermeister Andreas Rödel gab einen kurzen Überblick über die Höhepunkte, welche die Besucher in den nächsten Monaten erwarten.

Kunst und Politik

Dann begann die Oper: eine Inszenierung des Landestheaters Detmold, unter der musikalischen Leitung von György Mészáros. Die Handlung spielt im Italien des Jahres 1800, im Kampf zwischen dem revolutionären Napoleon und den Kräften der Reaktion. Sie reflektiert auch das Verhältnis von Kunst und Politik, nicht umsonst sind die Hauptpersonen Tosca und Cavaradossi Künstler.

Die Inszenierung war opulent und widersprach insofern etwas den Aussagen des Textheftes, aber solche Widersprüche sind reizvoll. Großartig war besonders das Bühnenbild von Karin Fritz. Im ersten und dritten Akt gab es die Ansicht einer gewaltigen Kirchenkuppel von innen wieder, allerdings ins Waagerechte gekippt: Die Verhältnisse geraten ins Wanken.

Insu Hwang brilliert

Der zweite Akt spielte im Saal des Polizeipräsidenten Scarpia: ohne Fenster, mit schwarzen Wänden und vier hohen Türen. Besser konnte man Gewaltherrschaft kaum ausdrücken.

Und Insu Hwang als der Polizeichef Scarpia beherrschte im wahrsten Sinne des Wortes die Szene – auch musikalisch. Es ist ja gar nicht wahr, dass Puccini nicht jedem seiner Protagonisten ausführlich Gelegenheit gegeben hätte, seine Stimme zum Leuchten zu bringen. Ji-Woon Kim war ein überzeugender Cavaradossi, der auch das Gebrochene als Gefolterter zum Ausdruck bringen konnte. Megan Marie Hart als Tosca rührte in ihrer Liebe ebenso wie in ihrer Schwäche: Sie muss von Scarpias Büro aus die Schreie ihres Geliebten mit anhören.

Komödiantisches Element

Doch kam auch das komödiantische Element nicht zu kurz: Seungweon Lee als Mesner watschelte wie ein Hund über die Bühne und ließ sich von den Messbuben und -mädchen veralbern. Die Kinder der Detmolder Schlossspatzen (Einstudierung: Christiane Schmidt) hatten diese Rolle übernommen. Chor und Extrachor des Landestheaters, zum Teil in opulenten Kostümen, wirkten genauso präzise mit wie das bestens aufgestellte Orchester.

Eine Aufführung, der man mehr Interessenten gewünscht hätte. Aber der Beifall war verdient und kam von Herzen. Erstmals wurde »Tosca« übrigens am 14. Januar 1900 im Teatro Costanzi in Rom, dem heutigen Teatro dell’Opera di Roma, aufgeführt.

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