Fr., 12.10.2018

Marta zeigt »Brisante Träume« – Kooperation mit Kunstmuseum Ahlen Eine persönliche Weltausstellung

Zu den Exponaten der neuen Marta-Ausstellung »Brisante Träume«, die bis zum 10. Februar zu sehen ist, gehört Rob Voermans Pavillon, in dem ein Modell des UNO-Hauptquartiers zur Ruine geworden ist.

Zu den Exponaten der neuen Marta-Ausstellung »Brisante Träume«, die bis zum 10. Februar zu sehen ist, gehört Rob Voermans Pavillon, in dem ein Modell des UNO-Hauptquartiers zur Ruine geworden ist. Foto: Bernhard Pierel

Von Ruth Matthes

Herford (WB). Die Kunst von fünf Weltausstellungen in einer Präsentation zu komprimieren ist kaum möglich. Dessen sind sich die Macher der Doppelausstellung »Brisante Träume« im Marta Herford und im Kunstmuseum Ahlen durchaus bewusst. Doch es ist ihnen gelungen, eine Auswahl zu treffen, die Schlaglichter auf große Menschheitsthemen wirft.

Drei Jahre haben die Ausstellungsmacher an ihrer ganz persönlichen Weltausstellung gearbeitet. Wie Thomas Schriefers, Ideengeber und Kurator in Ahlen, erklärt, hätten sich im Laufe der Vorbereitungen fünf Weltausstellungen als besonders aussagekräftig herauskristallisiert: Paris 1937, New York 1939/40, Brüssel 1958, Montreal 1967 und Osaka 1970. »Sie stehen aus unserer Sicht für Schlüsselmomente der Geschichte«, sagt der Marta-Leiter Roland Nachtigäller. Schließlich seien diese Leistungsschauen für die Bereiche Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft immer auch Darstellungen des Zeitgeists und des Menschenbildes.

Künstler seien dort als Botschafter der Nationen stets präsent gewesen. »Die beiden Ausstellungen beweisen, dass auch sie Gestalter der Zukunft sind«, sagt Nachtigäller.

Während sich die Kollegen in Ahlen vor allem den historischen Zusammenhängen widmen, stellt das Marta Expo-Werken aktuelle Kommentare gegenüber. Ein spannender Austausch entsteht.

Optimismus strahlt das Gemälde »Musikmaschine« aus

Dem Symbol der Weltausstellungen schlechthin, dem Pariser Eiffelturm, begegnen die Besucher im zentralen »Dom« des Marta: Er steht im Mittelpunkt von Robert Delaunays Werk »Air, fer, eau« (Luft, Eisen, Wasser), das in seiner strahlenden Farbigkeit und Dynamik von der damaligen Technikbegeisterung zeugt. Diesen Optimismus strahlt auch Angela Fettes Gemälde »Musikmaschine« aus, das den Stil des Orphismus mit seinem Faible für Farben und Rhythmen weiterführt.

Rob Voerman hat einen eigenen Pavillon geschaffen. Er ließ sich von der utopischen Stadt »Democracy« inspirieren, die bei der New Yorker Expo vorgestellt wurde. Sie propagierte die Demokratie als Garanten für gesellschaftlichen Fortschritt. Voer­man hingegen lässt ein Modell des UNO-Hauptquartiers – Symbol des Friedens und der Völkerverständigung – im Wasser stehen. Das nur schwach beleuchtete Gebäude ist zur Ruine geworden, die Demokratie ist bedroht.

»Aufbruch zu den Sinnen«

Das Atomium in Brüssel erinnert noch heute an die Weltausstellung 1958. »Fortschritt der Menschheit durch Fortschritt der Technik« war ihr Motto. »Damals versuchte man, die friedliche Nutzung der Atomkraft zu vermitteln«, erklärt die Herforder Kuratorin Friederike Fast. Damals entstand der umstrittene Philips-Pavillon von Le Corbusier. Damit beschäftigt sich auch Tim Berresheims Arbeit, die durch eine 3-D-Brille am besten wirkt. Mittels PC-Technik hat er farbige Bildwelten geschaffen, die an Atompilze erinnern und Le Corbusiers Architektur explodieren lassen.

»Aufbruch zu den Sinnen« ist der Titel der Montreal-Galerie. So ließ Hugo Kükelhaus mit seinem naturkundlichen Spielwerk Energie als Phänomen erfahrbar werden. Otto Pienes Lichtspiel »Die Große Stehende« fasziniert noch heute. Die letzte Galerie ist Osaka 1970 gewidmet. Das Künstlerkollektiv Konsortium nimmt hier die Architektur der Gruppe E.A.T. auf, die damals den Pepsi-Pavillon gestaltete. Sie stellt in einer Rauminstallation erstaunliche Parallelen zwischen dem Reaktor in Fukushima und dem Pavillon fest.

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