Sa., 13.10.2018

Weißer Ring distanziert sich von AfD – Leiter der Außenstelle Herford hört nach fast 20 Jahren auf Rücktritt statt Rauswurf

Zwischen dem Weißen Ring und Ernst-August Brune ist es zum Bruch gekommen: Weil der 71-Jährige AfD-Mitglied ist, darf er nicht länger Leiter der Herforder Außenstelle sein. Deshalb trat Brune nach 20 Jahren freiwillig zurück.

Zwischen dem Weißen Ring und Ernst-August Brune ist es zum Bruch gekommen: Weil der 71-Jährige AfD-Mitglied ist, darf er nicht länger Leiter der Herforder Außenstelle sein. Deshalb trat Brune nach 20 Jahren freiwillig zurück. Foto: Melanie Potthoff/Montage

Von Moritz Winde

Herford (WB). Mit seinem Rücktritt ist er einem Rauswurf wohl zuvorgekommen: Nach fast 20 Jahren hört Ernst-August Brune als Leiter des Weißen Rings in Herford auf – schweren Herzens, wie er sagt. Weil er AfD-Mitglied ist, darf er sich nicht mehr für die Opferschutzorganisation ehrenamtlich engagieren.

Beschluss des Bundesvorstands

Der Bundesvorstand hatte Mitte September auf der Delegiertenversammlung in Hannover einstimmig den Beschluss gefasst, dass künftig niemand ehren- und hauptamtliche Funktionen im Weißen Ring ausüben kann, der gleichzeitig öffentlich für Parteien oder Organisationen aktiv ist, die Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit vertreten.

»Das, wofür die AfD mittlerweile steht, ist mit unserem Verhaltenskodex für die Opferhilfe nicht zu vereinbaren«, betonte der neue Bundesvorsitzende des Weißen Rings, der ehemalige BKA-Chef Jörg Ziercke.

Ex-BKA-Chef Jörg Ziercke ist seit Kurzem Vorsitzender des Weißen Rings. Foto: dpa

Ernst-August Brune sagt, er sei aus allen Wolken gefallen, als er diese Mitteilung gelesen habe. »Für mich standen immer die Opfer im Mittelpunkt. Mein Antrieb war es, den oft traumatisierten Menschen zu helfen. Politik war außen vor.«

Für die AfD im Polizeibeirat

Der pensionierte Kriminalhauptkommissar baute das Kommissariat Vorbeugung der Herforder Polizei mit auf. So kam er mit der Opferhilfe in Berührung. Seit Juni 2014 sitzt Brune für die »Alternative für Deutschland« im Polizeibeirat des Kreises Herford – allerdings lediglich als Stellvertreter.

Der 71-Jährige sagt, er sei in die AfD eingetreten, weil »ich finde, dass sich in Deutschland einiges ändern muss«. Dabei sei er bei weitem nicht mit allem in der Partei einverstanden. Er grenze sich klar von radikalen Positionen ab. »Aber die AfD ist meines Wissens immer noch eine demokratisch legitimierte Partei.«

Für den Bundesvorstand passen AfD und Weißer Ring aber trotzdem nicht zusammen. Vorsitzender Jörg Ziercke machte klar: »Ein Engagement in einer Partei, die für Ausgrenzung, Diskriminierung und eine Spaltung der Zivilgesellschaft sowie eine Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht, schließt eine Mitarbeit in unserer Opferhilfeorganisation kategorisch aus.«

Die Hälfte des Teams hört auf

Ernst-August Brune sagt, er habe jedes Jahr etwa 500 Stunden in die ehrenamtliche Arbeit für den Weißen Ring investiert. »Es war eine Herzensangelegenheit. Ich hätte gerne weitergemacht, aber nicht unter diesen Voraussetzungen.«

Seinen Rücktritt habe er bereits der Zentrale in Mainz mitgeteilt. Die wolle nächste Woche noch einmal das Gespräch mit ihm suchen. Soll Brune zum Weitermachen überredet werden oder soll ihm für seine Arbeit gedankt werden? »Wie auch immer: Mein Entschluss steht. Er ist unumstößlich«, sagt der Kirchlengeraner.

Mit Brune sind drei weitere Mitglieder der Herforder Außenstelle zurückgetreten – und damit mehr als die Hälfte des Teams.

 

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118205?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F